Die Messe fühlt sich an wie ein Klassentreffen. | © GHM
Herr Gossmann, die IFH/Intherm wird 50 Jahre alt. Sie selbst sind seit dem Jahr 2000 dabei. Wie viele Messen haben Sie damit erlebt?
O. Gossmann: Die kommende wird meine zwölfte IFH/Intherm sein. Man könnte sagen, ich kenne die Messe ziemlich gut. Und trotzdem freue ich mich jedes Mal aufs Neue, wenn es dann losgeht.
Was macht die Faszination aus?
O. Gossmann: Die Messe fühlt sich an wie ein Klassentreffen. Man kennt so viele Leute, so viele Gesichter. Es ist dieser Mix aus Vertrautheit und gleichzeitig immer wieder Neuem, der die IFH/Intherm auszeichnet.
Wenn Sie an Ihre erste Messe im Jahr 2000 zurückdenken, was hat sich seitdem am meisten verändert?
O. Gossmann: Die Rolle des Messeveranstalters hat sich grundlegend gewandelt. Früher waren wir reine Flächenverkäufer. Heute verstehe ich mich als Verbinder – von Interessen, von Menschen, von Zielen. Meine Arbeit beginnt mit den Fragen: Was und wen willst du erreichen? Wie können wir das zusammen schaffen? Es geht um ein echtes Miteinander, um die gemeinsame Gestaltung eines Messekonzepts, das die Ziele aller Beteiligten berücksichtigt. Heute sind Messen Orte des Austauschs und des Erlebens. Die Messestände bieten Entertainment, Showbereiche, echte Erfahrungen. Messebesucher kommen nicht nur, um Produkte zu sehen, sondern um etwas für den Kopf mitzunehmen – und auch etwas fürs Herz. Damit sie am Ende sagen können: Ich hatte einen richtig guten Tag bei der Firma XY.
Gibt es ein Erlebnis, das Ihnen besonders in Erinnerung geblieben ist?
O. Gossmann: Mein schönstes Erlebnis war tatsächlich ein sehr persönliches: Mein Geburtstag fällt in die Messezeit. Bei einem Ausstellerabend haben plötzlich alle Happy Birthday für mich gesungen. Das war ein echter Gänsehautmoment und zeigt auch, wie familiär es in unserer Branche zugeht.
Sie sprechen von diesem „Klassentreffen-Gefühl”. Welche Rolle spielt der persönliche Kontakt in Zeiten von Webinaren und digitalen Plattformen?
O. Gossmann: Als Messeleiter der IFH/Intherm bin ich in der SHK-Blase. Wenn ich auf der Messe unterwegs bin, treffe ich bekannte Gesichter und freue mich auf Smalltalks auf dem Gang, auf ein Wiedersehen, an dem alle teilnehmen. Kaum mache ich ein paar Schritte, unterhalte ich mich mit dem nächsten bekannten Gesicht. Das bereitet mir große Freude. Dieser Austausch ist so wertvoll, und das kann keine digitale Plattform ersetzen.
Die Jubiläumsmesse im April 2026 ist bereits zu 90 Prozent ausgebucht. Überrascht Sie das?
O. Gossmann: Erfreut wäre das passendere Wort. Wir haben aktuell über 350 Firmen, die sich angemeldet haben. Das sind 15 Prozent mehr als zum gleichen Zeitpunkt im Vorjahr. Der Trend zu späten Anmeldungen setzt sich zwar fort, aber die Zahlen zeigen eindeutig: Die IFH/Intherm hat nach wie vor eine hohe Relevanz für die Branche.
Neben langjährigen Stammausstellern wie Viessmann, Bosch oder Vaillant kehren auch einige Unternehmen zurück. Was bedeutet das für die Messe?
O. Gossmann: Es zeigt, dass die IFH/Intherm als Plattform funktioniert. Wenn Unternehmen wie Uponor, Hansgrohe oder Toto wieder dabei sind, ist das ein Vertrauensbeweis. Die Mischung aus treuen Bestandskunden und Rückkehrern macht die Messe komplett. Gerade im Sanitärbereich freuen wir uns über eine voll belegte Fläche.
Die Sanitär-, Haus- und Gebäudetechnikbranche steht vor großen Herausforderungen: Digitalisierung, Energiewende und neue gesetzliche Vorgaben, Modernisierungsdruck. Wie reagiert die Messe darauf?
O. Gossmann: 2026 haben wir fünf Schwerpunktthemen definiert: von Baddesign über Wärme- und Energiesysteme bis hin zu Smart Home und Elektroinstallation. Diese Themen ziehen sich nicht nur durch die Messestände, sondern auch durch Vorträge, Talks und Start-up-Pitches. Wir wollen praxisnahe Lösungen zeigen, die im Alltag funktionieren. Im Baddesign- und Sanitärtechnikbereich in Halle 7A planen wir zudem eine neue Event-Fläche mit Werkstatt-Area – mit viel Erlebnischarakter, um die Attraktivität der Sanitär-Branche zu steigern.
Was erwartet die Besucher 2026 konkret? Gibt es besondere Highlights?
O. Gossmann: Wir erwarten mehr als 400 Aussteller in sieben Hallen. Im IFH/Intherm FORUM gibt es täglich viele Programmpunkte, ergänzt durch digitale Webinare im Vorfeld der Messe. Ein besonderes Highlight ist die Startup-Fläche in Halle 4, auf der bis zu 15 Startups ihre Innovationen präsentieren und vor großem Publikum pitchen. Außerdem haben wir zehn Influencer aus der Branche eingeladen – wie Sandra Hunke (Das Baumädchen), Kevin Unterberg (Meister SHK) oder Lena Hinz (Die Klempnerin), die in Talks und Diskussionsrunden ihre Messe-Highlights teilen. Und natürlich feiern wir das Jubiläum mit einer großen Party für Aussteller am ersten Messeabend – mit einigen Überraschungen.
Sie bieten auch wieder geführte Messerundgänge an.
O. Gossmann: Genau, speziell für Handwerker, Fachplaner und Architekten. Die Rundgänge starten dienstags, mittwochs und donnerstags jeweils um 10 und 12 Uhr und dauern 90 Minuten. Treffpunkt ist der Stand des Gentner Verlags in Halle 7. So können Besucher gezielt die für sie relevanten Aussteller und Innovationen entdecken.
