Seit 12 Jahren im Dienste der Wiener Installateure: Gute Stimmung im Team und Unterstützung durch den Innungs-Ausschuss – das und vieles andere freut den Landesinnungsmeister. | © Pechal
Positives Denken liegt dem Landesinnungsmeister von Wien im Blut. Das Glas sieht Robert Breitschopf stehts halb voll, wie er mir an einem Punkt des Gesprächs verriet. Was alles an wichtigen Agenden und erfreulichen Überraschungen auf die Gebäudetechnik zukommt erfahren Sie im folgenden Interview:
Was gibt es Neues im Bundesland Wien?
ROBERT BREITSCHOPF: Unser letztes LIMInterview fand im Jänner 2025 statt. In der Zwischenzeit fanden die Wirtschaftskammerwahlen statt, und ich habe wieder die Ehre, die Installateure als Innungsmeister zu vertreten.
Sie bleiben uns also erhalten?
BREITSCHOPF: Ja, ich bleibe erhalten. Mittlerweile bin ich im zwölften Jahr in dieser Funktion und es ist spannend. Ich lerne nach wie vor jeden Tag Neues. Theoretisch wären die meisten in meinem Alter schon in Pension, aber mir macht die Arbeit einfach Spaß. Mit den Jahren sammelt man Wissen, aus dem man schöpfen kann, und das motiviert mich. Wir hatten zuletzt eine sehr gute Innungsgruppe und auch der neue Ausschuss ist großartig. Die Stimmung im Team ist sehr gut, und ich erhalte viel Unterstützung von den Mitgliedern, wofür ich äußerst dankbar bin.
Was passiert aktuell im Ausbildungszentrum?
BREITSCHOPF: Wir bauen aktuell ein Museum für unsere Berufsgruppe – mit Sanitärkeramik, Gasheizgeräten und anderem Equipment – im Ausbildungszentrum auf. Einige Stücke sind historisch, wie etwa des Kaisers letzter Thron und andere Nachttöpfe aus vergangenen Jahrzehnten. Das Projekt zeigt den Wandel unseres Handwerks und wird voraussichtlich bis zum Sommerfest fertig sein. Auch Veranstaltungen, neue Broschüren und ein überarbeitetes Fortbildungsprogramm sind Teil dieser Pläne. Technisch modernisieren wir zudem die Lüftungsanlage und die Wasserversorgung im SHL-Center. Es tut sich also einiges.
Wie sehen Sie die wirtschaftliche Lage für 2026?
BREITSCHOPF: Nach den Boom-Jahren bei erneuerbaren Technologien hat sich die Branche merklich beruhigt. Ich bin jedoch optimistisch, dass es wieder bergauf geht – besonders in den Bereichen Sanierung und Reparatur. Großprojekte brauchen noch Zeit, aber es kommt langsam wieder Bewegung in die Konjunktur. Weltpolitische Überraschungen (die u.a. unsere Branche beeinflussen) kann man leider nie ausschließen.
Was steht für die Landesinnung heuer noch am Programm?
BREITSCHOPF: Wir konzentrieren uns auf Normen und Förderungen. Der Wechsel zu erneuerbaren Energien muss in einer realistischen Geschwindigkeit erfolgen. Parallel wächst die Zusammenarbeit mit anderen Gewerken, wie z.B. den Elektrikern, Hafnern und Fliesenleger, um gemeinsam für die Endverbraucher praktikable Lösungen zu entwickeln.
Gibt es neue Förderungen in Wien?
BREITSCHOPF: Sozial orientierte Förderungen für barrierefreie Bäder bleiben bestehen, ebenso Zuschüsse zur Reduktion fossiler Brennstoffe. Generell war die Stadt Wien in den letzten Jahren großzügig, und wir hoffen, dass das so bleibt. Neue Förderungen werden erst mit April/Mai fixiert und veröffentlicht.
Die Besuche welcher Fachmessen sind für Sie Fixpunkte?
BREITSCHOPF: Die Frauenthal Expo hat sich gut etabliert; die „Webuild“ wurde wieder zur ursprünglichen Energiesparmesse umbenannt. Auf beiden Veranstaltungen wird die Innung präsent sein – vor allem auf der Energiesparmesse in Wels. Andere Messen sind aktuell für mich nicht eingeplant.
Wie entwickelt sich die Lehrlingssituation?
BREITSCHOPF: Die Zahlen in Wien steigen leicht und unser Beruf bleibt attraktiv. Die Qualität hängt stark vom Engagement der Jugendlichen und deren Weiterbildungen ab. Die Lehre wird sich geplanter Weise auf dreieinhalb Jahre verlängern, die Schulstunden steigen, sodass wir bzw. auch die LehrerInnen, mehr Möglichkeiten haben, den Branchen-Nachwuchs gezielt zu fördern.
Welche Anreize gibt es, um junge Menschen zu motivieren?
BREITSCHOPF: Die Bundesinnung ist erfolgreich dabei, das Berufsbild positiv darzustellen – u.a. durch Öffentlichkeitsarbeit und Veranstaltungen. Flexible Arbeitsmodelle wie die 4-Tage-Woche werden getestet, wobei die Umsetzung individuell zu hinterfragen ist. Wichtig ist und bleibt, dass die Ausbildung praxisnah ist und junge Menschen auf die Herausforderungen im Beruf vorbereitet.
Wie sehen Sie die aktuellen Diskussionen rund um künstliche Intelligenz? Wird die KI die Branche verändern?
BREITSCHOPF: Die KI wird uns unterstützen bzw. tut dies bereits, aber sie wird Fachkräfte niemals ersetzen können. Auf Baustellen kann sie Prozesse erleichtern. In der Büroarbeit verhält sich das ebenso. Entscheidend ist, dass Fachleute prüfen, wo sie hilfreich ist und Menschen immer in diese Prozesse einbezogen werden. Da bedarf es sicherlich noch Finetuning.
Wie sieht es mit der Zusammenarbeit mit angrenzenden Gewerken aus?
BREITSCHOPF: Das Verständnis füreinander wächst. Die gemeinsamen Marktpartner-Treffen fördern den Austausch. Unser erklärtes Ziel ist, dass die unterschiedlichen Gewerke gemeinsam Lösungen entwickeln, etwa zum Thema Heizen. Das geht über die Marktpartnerabende hinaus.
Aktuelle Lieblingsfilme/Lektüre/Podcasts?
BREITSCHOPF: Meine aktuelle Lieblingslektüren sind „Slow down your life“ und „Kompass für die Seele“.
Abschließende Worte?
BREITSCHOPF: Die Branche darf sich auf technologische Unterstützung, eine wachsende Lehrlingszahl und stärkere Kooperationen freuen. Förderungen bleiben ein zentrales Instrument, und der Schritt zu erneuerbaren Energien wird mit Augenmaß erfolgen.
Vielen Dank für das Gespräch und weiterhin viel Erfolg!
