Langfristig plant China, die Kapazitäten klimaneutraler zu verdoppeln.
Mit dem Entwurf des 15. Fünfjahresplans (2026–2030) legt China die wirtschaftliche und energiepolitische Ausrichtung der kommenden Jahre fest. Der Plan sendet jedoch widersprüchliche Signale: Einerseits setzt die Volksrepublik auf einen massiven Ausbau klimaneutraler Energie, andererseits werden zentrale Klimaziele weniger klar formuliert.
So soll der Anteil klimaneutraler Energie am Endverbrauch von 21,7 Prozent im Jahr 2025 auf 25 Prozent bis 2030 steigen. Erreicht werden soll das vor allem durch den weiteren Ausbau von Wind-, Solar- und Wasserkraft sowie Kernenergie.
Erneuerbare Kapazitäten sollen stark wachsen
Langfristig plant China, die Kapazitäten klimaneutraler Technologien innerhalb der nächsten zehn Jahre zu verdoppeln. Damit würde das Land seine Position als weltweit größter Investor und Ausbauakteur im Bereich erneuerbarer Energien weiter festigen.
Zusätzlich sieht der Plan die Einrichtung sogenannter „grüner Industriezonen“ vor sowie eine Fortführung marktorientierter Instrumente im Klimaschutz.
Kohle bleibt zentraler Bestandteil des Energiemixes
Trotz dieser ambitionierten Ausbaupläne bleibt der Umgang mit fossilen Energieträgern unklar. Der Plan enthält keine konkreten Ziele für einen Ausstieg aus Kohle, Öl oder Gas.
Gerade Kohle spielt weiterhin eine dominante Rolle: 2023 lag ihr Anteil an der chinesischen Energieversorgung bei über 60 Prozent. Gleichzeitig ist China für rund 32 Prozent der weltweiten energiebedingten Emissionen verantwortlich.
Geopolitische Risiken erhöhen Druck auf Energiesystem
Ein weiterer Faktor für die energiepolitische Strategie sind geopolitische Risiken. China ist stark von Importen fossiler Energieträger abhängig: 2024 wurden rund 74 Prozent des Öl- und 42 Prozent des Gasbedarfs importiert.
Die jüngsten Spannungen im Nahen Osten – insbesondere rund um die Straße von Hormus, über die etwa ein Fünftel des globalen Ölhandels läuft – verdeutlichen die Verwundbarkeit dieser Lieferketten. Als wichtiger Abnehmer von Energie aus Ländern wie Saudi-Arabien, den Vereinigten Arabischen Emiraten, Katar und Iran ist China besonders betroffen.
Diese Entwicklungen könnten langfristig den politischen Druck erhöhen, die Abhängigkeit von fossilen Importen zu reduzieren.
Neue Berechnungsmethode für Emissionen
Auch bei den Klimazielen zeigt sich ein differenziertes Bild. Der vorherige Fünfjahresplan sah eine Reduktion der CO₂-Emissionen pro BIP-Einheit um 18 Prozent vor, erreicht wurden zwischen 2021 und 2025 jedoch nur 13 Prozent.
Für die kommende Planperiode ist eine Reduktion von 17 Prozent vorgesehen. Neu ist jedoch, dass künftig auch Emissionen aus industriellen Prozessen in die Berechnung einfließen. Da gleichzeitig etwa die Zementproduktion rückläufig ist, könnte diese Methode faktisch eine Erhöhung der Treibhausgasemissionen um drei bis sechs Prozent bis 2030 ermöglichen.
Zwischen grünem Wachstum und fossiler Realität
Der Entwurf des neuen Fünfjahresplans zeigt damit ein zweigeteiltes Bild der chinesischen Energiepolitik. Einerseits treibt das Land den Ausbau erneuerbarer Energien und klimaneutraler Technologien massiv voran. Andererseits bleiben konkrete Vorgaben für den Ausstieg aus fossilen Energieträgern und absolute Emissionsziele vage.
Welche Richtung die chinesische Energiepolitik langfristig einschlägt, wird daher maßgeblich davon abhängen, wie diese Spielräume in der praktischen Umsetzung genutzt werden.
