LIM von Niederösterreich und Bundes-Lehrlingswart Gerald Kopsa | © Kopser
Lesen Sie im nachfolgenden Interview, u. a. warum LIM Kopsa zu Recht stolz auf die NÖ-Lehrlinge ist:
Was gibt es Neues in Ihrem Bundesland?
Kopsa: Aktuell arbeiten wir in NÖ an den Richtlinien für den Einbau von Wärmepumpen da dies von der E-Control und den Netzbetreibern verlangt wird und die Stromnetze langsam an ihre Grenzen stoßen. Im Detail geht es da um eine Liste, wo alle Herstellertypen von Wärmepumpen eingetragen sind, die den Anforderungen durch die E-Control entsprechen.
Zukünftig wird das Prozedere so sein, dass die Voraussetzung vor dem Einbau einer Wärmepumpe die ist, dass das Gerät in dieser Liste eingetragen ist und auch vom Netzbetreiber bewilligt wird, da man sonst als Installationsbetrieb Probleme bekommen könnte und im schlimmsten Fall das Gerät nicht in Betrieb nehmen darf.
Wie beurteilen Sie Chancen und Risiken des Jahres 2026?
Kopsa: Die Chancen sind, dass in unserer Branche so gut wie immer Instandhaltungsarbeiten anfallen; sprich jeder seriöse Betrieb hat hier die Möglichkeit, sich einen Kundenstock aufzubauen.
Weiters ist die Fortführung der Förderung „Raus aus Gas und Öl“ sicher eine Chance für Neuaufträge – auch hinsichtlich dessen, dass man den Kunden mit den anderen Gewerken koordiniert, sowie wie Kunden bei der Abwicklung der Förderung unterstützen kann.
Was sind die wichtigsten Todo‘s der Landesinnung dieses Jahr?
Kopsa: Bürokratieabbau ist sicher ein Dauerthema. Unseren Beruf für junge Lehrlinge vorstellen und die vielfältigen Möglichkeiten nach der Lehre hervorheben ebenso; dazu gehört auch das Unterstützen der Lehrlingswettbewerbe, da unsere jungen Nachwuchskollegen dringend benötigt werden. Auch um die Klimaziele in Zukunft erreichen zu können wird jeder gute Sanitär und Heizungstechniker gebraucht werden. Seitens der Landesinnung ist es mir außerdem wichtig, dass Förderungen über einen längeren Zeitraum kontinuierlich verlaufen, um die Planbarkeit für unsere Branche gewährleisten zu können.
Wirtschaftskrise und Baukonjunktur – ist die Talsohle langsam durchschritten? Wie wird sich das in Ihrem Bundesland entwickeln?
Kopsa: Grundsätzlich muss man sagen, dass die Überarbeitung der NÖ Bauordnung ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung ist, da dadurch Bauen wieder leistbarer und attraktiver wird. Somit denke ich, dass viele Projekte, die bisher zurückgehalten wurden, nun umgesetzt werden, was wieder einen wichtigen Impuls für unsere Branche darstellt.
Worauf darf sich die Branche freuen?
Kopsa: Dass die überarbeitete NÖ Bauordnung mit 1.März 2026 in Kraft getreten ist und somit Projekte und auch Folgeaufträge für unsere Branche zur Umsetzung kommen werden. Prinzipiell sind die Preise und Lieferketten wieder stabil; mittelfristig denke ich, dass die Baubranche wieder stark in Schwung kommen wird und in Folge damit unsere Branche wieder sehr stark gefragt sein wird.
Wie gestaltet sich Ihr Blick über den Tellerrand – auf andere Gewerke und in andere Bundesländer? Was kann dabei für die Gebäudetechnik in Ihrem Land wichtig sein?
Kopsa: Durch die Digitalisierung sind wir mit anderen Gewerken wie z. B. den Elektrikern stärker verbunden als früher, auch hier gilt es, je besser ein Unternehmen mit neuen Technologien aufgestellt ist, umso mehr Geschäftsbereiche können hier erschlossen werden. Mit den Rauchfangkehrern bzw. deren Innung gestaltet sich ein schon seit vielen Jahren sehr gutes Verhältnis in der Zusammenarbeit. Schon seit jeher sind wir mit unserer Bundesinnung und auch den einzelnen Landesinnungen in sehr gutem Kontakt und engem Austausch was sich auch auf Grund der Digitalisierung in den letzten Jahren als noch intensiver umsetzen hat lassen.
Kommen/gibt es neue Förderungen für das Bundesland? Was wackelt, was bleibt, was kommt wieder?
Kopsa: Seitens der NÖ Innung haben wir eine Förderung für Lehrbetriebe ins Leben gerufen wo jeder Lehrbetrieb der einen Lehrling bis zur Lehrabschlussprüfung „begleitet“ um eine extra Förderung ansuchen kann. Die genauen Richtlinien können auf der Innungsseite bzw. in unserem Newsletter nachgelesen werden.
Welche Fachmessen sind stets fix eingeplant – gibt es da Ideen/Wünsche was man ändern könnte?
Kopsa: Grundsätzlich ist jede gute Fachmesse wichtig und willkommen um als Fachbetrieb immer auf dem Laufenden zu sein; ebenso wie sich dort Endkunden über neue Produkte informieren können, was der Impuls für Neuaufträge sein kann. Das Problem, dass die Produkte im Internet zu Billig-Preisen angeboten werden, ist natürlich allgegenwärtig. Hier ist es wichtig, den Endkunden bestens zu beraten und ihn darauf hinzuweisen, dass er bei uns direkt geprüfte Produkte mit Qualitätszertifikat sowie einer Gewährleistung bekommt. Last but not least wird der Austausch mit Kollegen durch Fachmessen gefördert.
Gibt es Licht am Horizont in Bezug auf Lehrlingszahlen und Qualität der Auszubildenden?
Kopsa: Die Lehrlingszahlen in NÖ sind tendenziell leicht steigend; auch die Qualität der Auszubildenden ist sehr hoch, was man an den Erfolgen der NÖ Teilnehmer bei den Bundeslehrlingswettbewerben und Skills-Bewerben sehen kann. Die Ausbildungsordnung wurde überarbeitet; jetzt ist die Herausforderung die, dass alle Beteiligten (Berufsschulen und Lehrbetriebe), bestmöglich durch die Innung bei der Umsetzung unterstützt werden. Die Ausbildungsordnung zu überarbeiten war erforderlich um den neuen Herausforderungen der Digitalisierung sowie den neuen Technologien gerecht zu werden. Ebenso ist ein wichtiger Punkt, dass nun das Haupt- und Spezialmodul bestmöglich kombiniert werden können und es erstmals möglich sein wird, Sanitär- und Heizungstechnik plus dem Spezialmodul in einer regulären Lehrzeit zu erlernen.
Welche Anreize könnte man noch setzen, um Zahlen und Motivation zu erhöhen?
Kopsa: Grundsätzlich heben wir bei jeder Gelegenheit hervor, dass es sich bei unserem Beruf um einen High-Tech-Beruf handelt, der absolut krisensicher ist. Wie erwähnt haben wir seitens der Landesinnung NÖ auch noch eine extra Förderung für Lehrbetriebe ins Leben gerufen.
Wie handhaben Sie die Lehrlings-Suche und -Ausbildung in Ihrem Unternehmen?
Kopsa: Die Lehrlingssuche ergibt sich automatisch dadurch, dass einige Eltern im Bekanntenkreis nachfragen und auch immer wieder langjährige Kunden anfragen. Die Ausbildung selbst, sofern es nach einer kurzen „Schnupperzeit“ zu einem Lehrverhältnis kommt, beginnt damit, dass der Lehrling vom ersten Tag weg Teil des Teams ist.
Thema Skills und Lehrlingswettbewerbe – sind Sie zufrieden mit den Leistungen?
Kopsa: Bei der letzten Staatsmeisterschaft letzten November hat NÖ den 1., 2. und
3. Platz sowie den 5. Platz geholt – viel mehr muss man dazu eigentlich nicht sagen.
Natürlich gebührt unser großer Dank auch den beiden Betreuern der LBS Zistersdorf, Markus Eichhorn und Klemens Schneider, für ihr Engagement.
Bei den letzten Bewerben war eine Herausforderung, dass die Wettbewerbspläne völlig neu ausgearbeitet wurden und diese neu ausgearbeiteten Pläne nun umgesetzt werden mussten. Hier haben ebenfalls unsere beiden Betreuer einen sehr starken Beitrag geleistet. Die Pläne zu überarbeiten war erforderlich damit unsere jungen Kandidaten auch auf dem Niveau der World- und Euroskills-Bewerbe trainieren und auch die zuvor zu durchlaufenen Bewerbe (Bundeslehrlingswettbewerb und Staatsmeisterschaft) auf diesem Niveau absolvieren können.
Was sind die wichtigsten Aufgaben des Teams – können Sie unseren Lesern bitte die Zuständigen in Sachen Lehrlingsbeauftragten vorstellen?
Kopsa: Unser sehr engagierter Landeslehrlingswart Wolfgang Furch ist laufend darum bemüht, dass unsere Lehrabschlussprüfungen bestmöglich und korrekt abgehalten werden können und macht dies wirklich – und inklusive sämtlicher Vorbereitungsarbeiten – hervorragend. Ebenso ist Wolfgang Furch für den Landeslehrlingswettbewerb seitens der Innung zuständig, den er Jahr für Jahr auf Neue sehr gut gestaltet.
Wie schon erwähnt sind Markus Eichhorn und Klemens Schneider seitens der Berufsschule ein wichtiger positiver Faktor bei sämtlichen Bewerben, da sie mit ihrem Know-How und ihrer Wettbewerbserfahrung, den jungen Kandidaten zur Seite stehen. Weiters haben wir eine sehr starke Unterstützung durch den Direktor der LBS Zistersdorf, Werner Seltenhammer; die Kombination von all dem ermöglicht die Erfolge.
Haben Sie spannende/unterhaltsame Tipps zu aktuellen Lieblingsfilmen/Serien/Lektüren/Podcasts rund ums Thema Klima als Empfehlung für unsere LeserInnen?
Kopsa: Als Podcast zum Nachhören möchte ich natürlich auf unsere schon mehrmals gesendete „NÖ Krone Hit Studio Stunde“ verweisen, bei der ich immer wieder gerne Fragen rund um die Lehre beantworte.
Abschließende Worte?
Kopsa: Ich denke nach wie vor, dass wir einen der besten und vielfältigsten Berufe haben, den es gibt und dass eine Ausbildung als Sanitär- und Heizungstechniker einem sämtliche spätere Möglichkeiten – in und auch außerhalb der Branche – bis hin zu einem Studium bietet. Der Beruf des Sanitär- und Heizungstechnikers ist absolut krisensicher, wie man es auch in der Coronazeit feststellen konnte und wird immer gefragt sein. Es gibt immer bessere und schwierigere Zeiten zu meistern – aber seriöse Betriebe werden immer etwas zu tun haben.
Vielen Dank für das Gespräch und viel
Erfolg weiterhin!
