© SkillsAustria/Florian Wieser
Als im September 2025 mein Name bei den EuroSkills in Herning aufgerufen wurde, wusste ich: Jetzt hat sich all die Arbeit ausgezahlt. Ich habe die Goldmedaille im Fliesenlegen gewonnen und wurde damit zur besten jungen Fliesenlegerin Europas gekürt. Dieser Moment war intensiv – aber vor allem war er die Bestätigung eines langen Weges.
Von 9. bis 13. September 2025 fanden in Dänemark die Berufseuropameisterschaften statt. Rund 600 junge Fachkräfte aus 32 Nationen traten in 38 Berufen gegeneinander an, etwa 100.000 Besucherinnen und Besucher verfolgten die Wettbewerbe. Ich durfte Österreich in meiner Disziplin vertreten – als erste Frau überhaupt.
Die Aufgaben verlangten höchste Präzision, saubere Planung und kreative Umsetzung. Fliesenlegen ist für mich Maßarbeit. Jede Fuge, jeder Schnitt muss exakt passen. Am Ende zählt nicht, wer antritt, sondern wer die sauberste Arbeit liefert und den besten Lösungsweg findet. Dass ich mich dabei gegen meine männlichen Konkurrenten durchsetzen konnte, ist ein starkes Zeichen – nicht nur für mich persönlich, sondern für Frauen im Handwerk insgesamt.
Handwerk mit Verantwortung
Ich bin 23 Jahre alt, komme aus Rastenfeld und arbeite seit Beginn meiner Lehre im Jahr 2017 bei Fliesen & Öfen Reiter in Gföhl im Bezirk Krems. 2023 habe ich den Meisterkurs erfolgreich abgeschlossen. Schon beim Schnuppern war mir klar, dass ich einen handwerklichen Beruf ergreifen möchte. Mich begeistert, dass ich etwas Bleibendes schaffe. Jede Fläche, die ich verlege, wird Teil eines Raumes, der viele Jahre genutzt wird. Mein Arbeitsalltag besteht nicht nur aus handwerklicher Tätigkeit auf der Baustelle. Ich erstelle Angebote, kümmere mich um Bestellungen und schreibe Rechnungen. Organisation, Genauigkeit und Kundenorientierung gehören ebenso dazu wie technisches Können. Diese Vielseitigkeit macht den Beruf für mich besonders.
Sichtbar in einer Männerdomäne
Dass ich in einer männerdominierten Branche arbeite, ist Realität. Auf Baustellen bin ich oft die einzige Frau. Man wird genauer beobachtet, manchmal auch unterschätzt. Für mich stand bei den EuroSkills deshalb nicht nur der Wettbewerb im Vordergrund, sondern auch, sichtbar zu machen, was Frauen im Handwerk leisten. Mittlerweile sind ein paar Monate vergangen. Der Titel hat viel Aufmerksamkeit gebracht – auch in Niederösterreich. Vor Kurzem gratulierte mir Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner persönlich in St. Pölten. Sie bezeichnete die Goldmedaille als starkes Signal für die Qualität der niederösterreichischen Lehre und der Ausbildungsbetriebe. Diese Anerkennung freut mich besonders, weil sie zeigt, welchen Stellenwert das Handwerk hat.
Die Goldmedaille hat zu Hause einen Ehrenplatz bekommen. Der Alltag im Betrieb ist jedoch wieder eingekehrt. Ich arbeite auf Baustellen, plane Projekte und bilde mich weiter. Der Unterschied ist: Ich weiß jetzt noch klarer, was möglich ist, wenn man konsequent an seinen Zielen arbeitet.
