Künftig wird die „Systemdienlichkeit eine zentrale Rolle spielen. | © Michael Hedl/objektiv.gesehen
Die österreichische Photovoltaik- und Speicherbranche stellt sich neu auf: Beim PV-Kongress 2026 in Wien rief der Bundesverband Photovoltaic Austria (PV Austria) zu einem grundlegenden Perspektivwechsel auf. Unter dem Leitmotiv „Vom Moduldenken hin zur Systemlösung“ diskutierten rund 400 Teilnehmerinnen und Teilnehmer die künftige Ausrichtung der Branche.
Im Zentrum steht die stärkere Verzahnung von Stromerzeugung, Speicherung und Verbrauch – als Antwort auf volatile Energiemärkte und geopolitische Unsicherheiten.
Rückgang beim Ausbau erhöht Handlungsdruck
Trotz der strategischen Bedeutung der Photovoltaik verzeichnet die Branche zuletzt einen Dämpfer. Der Ausbau ging im vergangenen Jahr um 22 Prozent zurück. Für PV-Austria ist das ein klares Signal.
„Der Rückgang […] verdeutlicht uns erneut, dass wir dringenden Handlungsbedarf haben. Die Rahmenbedingungen dafür muss die Politik schaffen“, sagt Vorstandsvorsitzender Herbert Paierl. Ziel sei es, Photovoltaik und Speicher „als Systemlösung mit voller Kraft umzusetzen“ und die Abhängigkeit von fossilen Energieträgern zu reduzieren.
Politik sieht Energiewende als Schlüsselthema
Auch politisch wird die Bedeutung unterstrichen. „Energiepolitik ist längst kein Nebenschauplatz mehr. Photovoltaik stärkt […] unsere Energiesouveränität“, betont Staatssekretär Sepp Schellhorn. Entscheidend seien nun rasche und unbürokratische Rahmenbedingungen für den Ausbau.
ElWG als Grundlage – Umsetzung entscheidend
Ein Schwerpunkt des Kongresses lag auf dem neuen Elektrizitätswirtschaftsgesetz (ElWG). Vertreter von Netzbetreibern, Regulierung und Branche diskutierten die Auswirkungen auf Markt und Infrastruktur.
„Das ElWG bietet uns eine neue Basis, um das bestehende Stromnetz bestmöglich zu nutzen und gleichzeitig weiterzuentwickeln“, sagt Eva Tatschl-Unterberger, Geschäftsführerin der KNG-Kärnten Netz GmbH.
Aus Branchensicht bringt das Gesetz mehr Planungssicherheit und neue Geschäftsmodelle. „Der Beschluss war ein wichtiger Schritt […] aber er schafft vor allem Transparenz über Einspeisekapazitäten“, erklärt Ingram Eusch, Geschäftsführer der IPE Energietechnik GmbH.
Gleichzeitig besteht Einigkeit, dass die Wirkung des Gesetzes erst mit der Umsetzung der Begleitverordnungen voll zum Tragen kommt.
Regulator setzt auf Systemdienlichkeit
Für die Regulierungsbehörde E-Control steht die Anpassung des Systems im Vordergrund. „Jetzt geht es darum, die österreichische Netzinfrastruktur weiterzuentwickeln und […] den Ausbau der erneuerbaren Energien […] voranzutreiben“, sagt Vorstandsvorsitzender Alfons Haber.
Künftig werde die „Systemdienlichkeit“ – also die effiziente Nutzung und Entlastung der Netze – eine zentrale Rolle spielen.
Einordnung: Vom Ausbau zur Systemfrage
Der PV-Kongress zeigt einen klaren Trend: Die Branche bewegt sich weg von der reinen Ausbau-Debatte hin zu einer systemischen Betrachtung der Energieversorgung.
Photovoltaik allein reicht nicht mehr aus – entscheidend ist die Integration mit Speicherlösungen, Netzinfrastruktur und Verbrauch. Die Umsetzung dieser Systemlogik wird maßgeblich davon abhängen, wie schnell regulatorische Rahmenbedingungen konkretisiert werden.
