Bioenergie könnte bis 2040 zwischen 30 und 50 Prozent der Energieversorgung übernehmen. | © Österreichischer Biomasse-Verband
Bioenergie hat in Österreich erstmals Erdgas als Energieträger überholt. Das geht aus der vorläufigen Energiebilanz 2025 hervor. Demnach deckte Bioenergie rund 21 Prozent des Bruttoinlandsverbrauchs und ist damit zu einer tragenden Säule der heimischen Energieversorgung geworden.
Parallel dazu wurden neue Studien der Österreichischen Energieagentur und des Bundesforschungszentrums für Wald (BFW) vorgestellt. Sie zeigen, dass Bioenergie künftig eine noch wichtigere Rolle bei der Dekarbonisierung des Energiesystems übernehmen könnte – vorausgesetzt, der Waldumbau wird beschleunigt und die politischen Rahmenbedingungen werden angepasst.
Biomassestrategie sieht großes Ausbaupotenzial
Laut der Biomassestrategie der Österreichischen Energieagentur könnte Bioenergie bis 2040 zwischen 30 und 50 Prozent der Energieversorgung übernehmen.
„Auch die Biomassestrategie der Österreichischen Energieagentur zeigt, dass bis 2040 ein Anteil von 30 bis 50 % an der Energieversorgung möglich ist. Jetzt gilt es: die Wälder klimafit machen, das anfallende Holz für den raschen Ausstieg aus Öl und Gas nutzen und gleichzeitig fossile Materialien durch Holz ersetzen“, sagt Franz Titschenbacher, Präsident des Österreichischen Biomasse-Verbandes.
Er sieht in der Kombination aus Elektrifizierung und dem Ausbau der Bioenergie den Weg zu einem vollständig fossilfreien Energiesystem. Gleichzeitig fordert er einen rascheren Ausstieg aus fossilen Energieträgern.
Wärmesektor gilt als entscheidender Hebel
Eine ergänzende Detailstudie zum Wärmesektor unterstreicht die Bedeutung von Biomasse für die Energiewende. Demnach ist der Wärmebedarf in Österreich etwa fünfmal höher als der Strombedarf, während die Spitzenlast im Wärmesektor sogar das Sechsfache jener im Strombereich erreicht.
Bereits heute stammt rund die Hälfte der benötigten Wärme aus Biomasse. Nach Einschätzung der Studienautoren wird Bioenergie insbesondere für die Versorgung in den Wintermonaten eine zentrale Rolle spielen.
Die Studien kommen zudem zum Schluss, dass der vollständige Ersatz von Ölheizungen bis 2040 grundsätzlich möglich wäre, wenn der Austausch fossiler Heizsysteme konsequent vorangetrieben wird.
Klimakrise macht Waldumbau notwendig
Neben dem Energiesystem rückt auch der Zustand der österreichischen Wälder in den Fokus. Laut Bundesforschungszentrum für Wald haben Stürme, Dürreperioden, Nassschnee und Schadinsekten in den vergangenen Jahren zu Rekordmengen an Schadholz geführt.
„Trotz eines seit mehr als drei Jahrzehnten steigenden Anteils an Laub- und Mischwäldern, stellen die hohen Holzvorräte der Fichte und die unzureichende Verjüngung weiterhin das größte Risiko für den Wald in Österreich und dessen Kohlenstoffspeicher dar“, erklärt Silvio Schüler, Leiter des Instituts für Waldwachstum und Waldbau am Bundesforschungszentrum für Wald.
Eine neue Studie empfiehlt deshalb einen beschleunigten Umbau hin zu klimaresilienten Mischwäldern. Bis 2050 sollen ältere, anfällige Bestände verstärkt verjüngt werden. Langfristig sollen unter anderem Lärche, Tanne, Eiche sowie heimische Kiefernarten stärker vertreten sein. Dadurch sollen sowohl die Kohlenstoffspeicherung als auch die Versorgung mit dem Rohstoff Holz langfristig gesichert werden.
