Thomas Wendler, stv. Dir., BS SHT Mollardgasse. | © Pechal
Wie viele Jugendliche werden aktuell an der Mollardgasse zu GebäudetechnikerInnen ausgebildet?
WENDLER: Im Schuljahr 2025/26 besuchten rund 1.200 Lehrlinge unsere Berufsschule für Installations- und Gebäudetechnik. Das zeigt, dass unser Berufsfeld sehr gefragt ist. Gleichzeitig spüren auch wir den demografischen Wandel und werben intensiv dafür, junge Menschen für diesen zukunftsorientierten Beruf zu begeistern.
Davon maturieren in etwa wie viele?
WENDLER: Genaue Zahlen liegen uns dazu leider nicht vor; ich würde schätzen, dass es weniger als ein Prozent unserer Lehrlinge sind. Für die meisten steht nach der Lehre der direkte Berufseinstieg im Vordergrund.
Ist das dann eine Externisten-Matura oder geht das direkt bei euch in der Schule?
WENDLER: Es handelt sich nicht um eine klassische Matura, die direkt an der Berufsschule abgelegt wird, sondern um die Berufsreifeprüfung. Der Einstieg erfolgt über Basismodule in Deutsch und Mathematik. Nach deren erfolgreichem Abschluss können die TeilnehmerInnen die vier Teilprüfungen der Berufsreifeprüfung (Deutsch, Mathematik, eine lebende Fremdsprache und die Fachbereichsprüfung) absolvieren. Drei dieser Teilprüfungen können bereits während der Lehrzeit abgelegt werden. Die letzte Prüfung ist nach der Lehrabschlussprüfung und nach Vollendung des 19. Lebensjahres möglich.
Was sind die Optionen danach bzw. welche Wege werden häufig gewählt?
WENDLER: Die meisten AbsolventInnen steigen nach der Lehrabschlussprüfung direkt ins Berufsleben ein und sammeln praktische Erfahrung. Wer sich weiterqualifizieren möchte, entscheidet sich oft für die Werkmeisterschule oder bereitet sich auf die Befähigungsprüfung im Bereich Gas- und Sanitärtechnik vor. Ein kleinerer Teil besucht einen Aufbaulehrgang an einer HTL mit Schwerpunkt Gebäudetechnik oder nimmt ein Bachelorstudium im Bereich Gebäudetechnik auf.
Wie viele entscheiden sich dafür, später MeisterIn zu werden?
WENDLER: Eine exakte Statistik darüber führen wir nicht. Aus unserer Erfahrung beginnen jedoch jährlich ca. 20 bis 30 AbsolventInnen eine Werkmeisterausbildung. In einer ähnlichen Größenordnung werden auch die Vorbereitungskurse für die Befähigungsprüfung besucht. Das zeigt, dass ein beachtlicher Teil unserer Fachkräfte den Weg der beruflichen Weiterbildung einschlägt und zusätzliche Qualifikationen anstrebt.
Ändert sich durch die neue Ausbildungsordnung auch bezüglich Lehre mit Matura etwas?
WENDLER: Nein. Durch das Inkrafttreten der neuen Ausbildungsordnung und des neuen Rahmenlehrplans ergeben sich für die Berufsreifeprüfung beziehungsweise die ‚Lehre mit Matura‘ keine Änderungen. Die bestehenden Voraussetzungen und der Ablauf der Berufsreifeprüfung bleiben unverändert.
Wie kooperativ sind die Firmen, wenn es um die Ausbildung ihrer Lehrlinge geht?
WENDLER: Die Zusammenarbeit mit den Lehrbetrieben ist insgesamt sehr unterschiedlich. Es gibt viele Unternehmen, die ihre Lehrlinge aktiv dabei unterstützen, die Berufsreifeprüfung zu absolvieren – sei es durch Motivation, Freistellungen oder indem sie die Weiterbildung ausdrücklich fördern. Diese Betriebe sehen darin eine Investition in gut qualifizierte Fachkräfte und eröffnen ihren MitarbeiterInnen damit zusätzliche Entwicklungsmöglichkeiten. Es gibt aber auch Betriebe, die einer weiterführenden Ausbildung zurückhaltender gegenüberstehen. Teilweise besteht die Sorge, dass Lehrlinge nach einer zusätzlichen Qualifikation den Betrieb verlassen könnten.
Es gibt die Möglichkeit, Erasmus-Erfahrungen in der Lehrzeit zu sammeln – wie intensiv wird das wahrgenommen?
WENDLER: Derzeit ist Erasmus+ an unserer Schule noch ein Nischenangebot. Wir arbeiten jedoch intensiv daran, dies zu ändern. Im vergangenen Schuljahr haben wir den Prozess gestartet, um als Schule die Erasmus- Akkreditierung im Bereich der Berufsbildung zu erlangen. Damit möchten wir die Voraussetzungen schaffen, unseren Lehrlingen künftig regelmäßig fachbezogene Auslandsaufenthalte und wertvolle internationale Berufserfahrungen in anderen europäischen Ländern zu ermöglichen. Voraussetzung dafür ist eine enge und verlässliche Zusammenarbeit mit unseren Ausbildungsbetrieben sowie der Aufbau eines tragfähigen Netzwerks von Partnerunternehmen im europäischen Ausland.
Was sind Ihre wichtigsten Anliegen für die Schule, die LehrerInnen und die SchülerInnen?
WENDLER: Der technologische Wandel schreitet rasant voran. Viele Verarbeitungs- und Installationsprozesse werden einfacher oder zunehmend digital unterstützt. Umso wichtiger ist es, dass unsere Lehrlinge ein solides Fundament an fachlichen Grundlagen erwerben. Nur wer die Zusammenhänge versteht, kann neue Technologien sicher und verantwortungsvoll einsetzen. Auch die Künstliche Intelligenz wird unsere Branche nachhaltig verändern. Deshalb ist es mir ein großes Anliegen, dass wir nach dem Prinzip „vom Angreifen zum Begreifen“ ausbilden. Praktisches Arbeiten bleibt der Schlüssel zum Verständnis technischer Zusammenhänge. Gleichzeitig müssen wir unsere Lehrlinge dazu befähigen, KI sinnvoll zu nutzen, ihre Ergebnisse kritisch zu hinterfragen und fachlich zu überprüfen. Ebenso wichtig ist es, die Freude am lebensbegleitenden Lernen zu fördern. Die Ausbildung endet nicht mit der Lehrabschlussprüfung. Unser Ziel ist es, junge Fachkräfte hervorzubringen, die bereit sind, sich laufend weiterzubilden, eigenständig neues Wissen zu erwerben und Informationen – auch jene, die von KI-Systemen stammen – kritisch zu reflektieren und zu verifizieren.
Vielen Dank und alles Gute weiterhin!
