Neben der neuen Broschüre bietet auch die Homepage des Verbandes unter www.propellets.at eine Vielzahl an Tipps und Informationen an. | © proPellets Austria
Der „Gelbe“ sprach dazu mit der Geschäftsführerin des Verbandes, Mag. Doris Stiksl, MSc:
Ein kurzes Update bitte – wie sehen Sie aktuell den Pelletmarkt national und international?
Stiksl: Gemessen an der Bevölkerung gehört Österreich bei der Pellet-Nutzung zur Europa-Spitze. Das liegt an unserer starken Holzindustrie und einer leistungsfähigen Kessel- und Ofenindustrie, die technologisch weltweit führend ist.
International wächst vor allem der europäische Wärmemarkt weiter – mehr als
6,5 Millionen Haushalte in Europa heizen mittlerweile mit Pellets. In Österreich, Deutschland, Italien oder Frankreich werden Pellets zur Wärmeerzeugung eingesetzt; in anderen Ländern auch zur Ablöse von Kohle in großen Kraftwerken.
Gibt es besondere Positiv-Beispiele – vor allem in Bezug auf Länder?
Stiksl: Es gibt nicht ein bestimmtes Pellet-Vorzeigeland – unterschiedliche Länder sind in unterschiedlichen Bereichen führend. Kaum ein anderes Land verbindet Pellet-Produktion, Anlagenbau, Fachhandwerk und Brennstoffversorgung so wie Österreich.
Deutschland ist einer der größten Produzenten von Qualitätspellets in Europa. Italien ist Europas bedeutendster Markt für Pelletöfen und wichtiger Absatzmarkt für österreichische Pelletproduzenten. Frankreich hat beim Einbau neuer Pelletheizungen stark aufgeholt. Das zeigt, welches Wachstum mit Förderungen und verlässlichen Rahmenbedingungen möglich ist.
Zur neuen Broschüre – welche Tipps gibt es, die besonders für Installateure relevant sind?
Stiksl: Die Broschüre beschäftigt sich mit Pelletlagern mit flachem Boden und Saugsonden. Diese Systeme funktionieren zuverlässig, wenn sie richtig geplant, errichtet und betrieben werden. In der Praxis zeigt sich, dass notwendige Reinigungsintervalle nicht immer bekannt sind. Installateure sollten Kunden bereits bei der Übergabe auf die regelmäßige Sichtkontrolle und Reinigung hinweisen. Unser Ziel ist es, Reklamationen zu vermeiden und das Vertrauen in die Technologie zu stärken.
Welche Verantwortung trägt der Installateur bei der Planung eines Pelletlagers?
Stiksl: Der Installateur ist für die Kunden der wichtigste Ansprechpartner für das Heizsystem. Das Pelletlager sollte als Teil der Heizungsanlage gelten und nicht als nebensächlicher Abstellraum. Schon bei der Planung müssen Lagergröße, Jahresverbrauch, Austragungsvolumen, Zugänglichkeit, Befüllweg und Belüftung gemeinsam betrachtet werden.
Wie unterstützt proPellets Austria darüber hinaus das Fachhandwerk?
Stiksl: Installateure sind die wichtigste Stimme zu den Haushalten. Der Austausch mit dem Fachhandwerk ist unerlässlich. Rückmeldungen aus der Praxis helfen zu erkennen, wo Informationsbedarf besteht und wo Probleme auftreten. Im Rahmen unserer proPellets Akademie arbeiten wir an Schulungsangeboten für Installateure, Rauchfangkehrer und weitere Fachgruppen. Dabei geht es um Heiztechnik, Brennstoffqualität, Lagerabnahme, Lagersicherheit und Kundenkommunikation.
Merkt man in der Bevölkerung zunehmend Sympathie für Pelletheizungen?
Stiksl: Österreich ist grundsätzlich ein Pelletland und nachhaltige Wärme aus der Heimat wird mit dem steigenden Sicherheitsbedürfnis der Menschen immer wichtiger werden. Derzeit erleben wir eine gewisse Verunsicherung. Schlagzeilen über Preissteigerungen bei Pellets werden oft ohne längerfristige Einordnung veröffentlicht.
Entscheidend ist, was eine Kilowattstunde Wärme kostet und wie sich die Kosten über mehrere Jahre entwickeln. Trotz der aktuellen Marktanspannung bleiben Pellets gegenüber Heizöl und Erdgas deutlich günstiger. Ein durchschnittlicher Haushalt kann derzeit jährlich etwa 1.800 Euro gegenüber Heizöl und 2.500 Euro gegenüber Erdgas sparen.
Hier spielen Installateure eine wichtige Rolle. Eine sachliche Beratung kann unbegründete Sorgen ausräumen und die Vorteile von Pelletheizungen sichtbar machen.
Pellets werden als stabile bzw. sichere Investition dargestellt; ist es tatsächlich so?
Stiksl: Kein Energieträger ist vollkommen frei von Preisschwankungen. Auch Pellets reagieren auf Nachfrage, Witterung, Rohstoffkosten, Produktionsmengen, Lagerstände und Transportkosten. Entscheidend ist aber der langfristige Vergleich – mit Ausnahme der Ukraine-Krise 2022 und 2023 sind die Pelletpreise inflationsbereinigt über fast 20 Jahre stabil.
Im Unterschied zu Öl und Gas hängt der Pelletpreis nicht unmittelbar an internationalen Rohstoffbörsen, sondern stärker an der heimischen Realwirtschaft. Das bedeutet nicht, dass es keine Ausschläge geben kann. Es bedeutet aber, dass die Preisbildung stärker mit der heimischen Wirtschaft und weniger mit geopolitischen Krisen oder kurzfristigen Spekulationen verbunden ist. Eine Pelletheizung ist darüber hinaus eine langfristige Investition in eine heimische Energieversorgung: Sie stärkt die regionale Wertschöpfung, reduziert fossile Importe und kann über die gesamte Nutzungsdauer erhebliche Brennstoffkosten einsparen.
Was wünschen Sie sich von der Politik, damit Installateure und Kunden besser planen können?
Stiksl: Am wichtigsten sind langfristige und verlässliche Rahmenbedingungen. Ein Heizungstausch wird über mehrere Monate vorbereitet. Wenn Förderungen kurzfristig geändert, gestoppt oder neu angekündigt werden, verschieben Haushalte ihre Entscheidung. Das führt zu Schwankungen bei Installationsbetrieben und Herstellern.
Wir brauchen über mehrere Jahre planbare Fördermodelle und klare Vorgaben für den Ausstieg aus fossilen Heizsystemen.
Was möchten Sie den Installateuren abschließend mitgeben?
Stiksl: Installateurinnen und Installateure entscheiden maßgeblich darüber, welche Heiztechnologie in einem Gebäude für die nächsten 30 Jahre eingesetzt wird. Damit tragen sie große Verantwortung, haben aber auch eine große Chance. Pelletheizungen bieten eine technisch ausgereifte, wirtschaftliche und heimische Lösung, insbesondere für Bestandsgebäude. Wer eine Anlage sorgfältig plant, das Lager als Teil des Heizsystems betrachtet und Kunden umfassend informiert, schafft langfristig zufriedene Konsumenten.
Jede gut funktionierende Anlage ist ein Beitrag zur Unabhängigkeit von fossilen Energieimporten, zur regionalen Wertschöpfung und zum Klimaschutz.
Vielen Dank für das Gespräch und viel Erfolg!

