Auf dem Touchdisplay lassen sich alle nötigen Informationen einfach abrufen. | © Grünbeck
Die Schlosskellerei Affaltrach im Landkreis Heilbronn hat ihre Wasserversorgung neu aufgestellt. Statt das eigene Brunnenwasser wie bisher hauptsächlich für Kühl- und Reinigungszwecke einzusetzen, wird es seit Ende 2025 mit einer Anlage von Grünbeck aufbereitet und kann damit auch für Anwendungen in der Lebensmittel- und Getränkeproduktion genutzt werden.
Geplant und umgesetzt wurde die Lösung gemeinsam mit der Grünbeck-Werksvertretung Wassertechnik NOW. Im Mittelpunkt stehen Filtration und Umkehrosmose. Für die Kellerei ist die Umstellung auch wirtschaftlich relevant: Die Wasseraufbereitung wird bevorzugt dann betrieben, wenn die eigene Photovoltaikanlage überschüssigen Strom produziert.
„Kern und Anlass war, die Wasserversorgung zentral, autark und vor allem ressourcenschonend und nachhaltig aufzubauen“, erklärt Geschäftsführer Marc Baumann.
Umkehrosmose bereitet stark belastetes Brunnenwasser auf
Die technischen Anforderungen waren hoch. Das Brunnenwasser wies nach Unternehmensangaben eine Gesamthärte von 80 bis 100 °dH sowie eine hohe Leitfähigkeit, Sulfat und weitere Störstoffe auf. Ablagerungen in Lagerbehältern und Kühlanlagen erhöhten dadurch den Reinigungs- und Instandhaltungsaufwand und konnten zu Produktionsunterbrechungen führen.
In der neuen Anlage entfernen zunächst zwei Mehrschichtfilter ungelöste Schmutzstoffe. Anschließend übernehmen zwei Umkehrosmoseanlagen mit einer maximalen Leistung von 25.000 Litern pro Stunde die Entsalzung. Eine Membranentgasungsanlage dient nach der Umkehrosmose zur Anhebung des pH-Werts.
Das aufbereitete Wasser wird anschließend in einem 75.000 Liter fassenden Edelstahltank gespeichert und über eine Druckerhöhungs- und Chlordioxidanlage zu den Entnahmestellen verteilt. Für die Nutzung als Kesselspeisewasser kommt zusätzlich eine Enthärtungsanlage zum Einsatz, die die Wasserhärte auf weniger als 0,1 °dH reduziert.
Wassertank dient indirekt als Speicher für Solarenergie
Eine Besonderheit des Projekts ist die Abstimmung der Wasseraufbereitung auf die eigene Energieerzeugung. Steht mehr Solarstrom zur Verfügung, als die Schlosskellerei unmittelbar verbraucht, wird verstärkt Brunnenwasser aufbereitet. Das produzierte Trinkwasser landet im 75.000-Liter-Tank und steht anschließend auch in Zeiten mit geringerer oder fehlender PV-Produktion zur Verfügung.
Ergänzt wird das Konzept durch einen Batteriespeicher mit 500 kWh Kapazität. Seit der Inbetriebnahme der Wasseraufbereitung konnte die Schlosskellerei nach eigenen Angaben den Anteil des selbst verbrauchten Solarstroms um mehr als 20 Prozent erhöhen.
„Wasseraufbereitung, Wasserspeicher, Photovoltaikanlage und Batteriespeicher harmonieren exzellent und bringen uns enorme Vorteile“, sagt Baumann.
Aufbereitung reduziert auch Instandhaltungsaufwand
Die Anlage musste an die bestehende Infrastruktur der Kellerei angepasst werden. Wassertechnik NOW verteilte die Komponenten deshalb auf zwei vorhandene Räume. Bei einer Anlage wurde zudem die Geometrie angepasst, damit sie durch eine bestehende Deckenöffnung in einen Keller eingebracht werden konnte. Die Produktion lief während der Arbeiten und der Inbetriebnahme im November 2025 nach Unternehmensangaben nahezu ohne Unterbrechung weiter.
Die 1928 gegründete Schlosskellerei beschäftigt mehr als 80 Mitarbeiter und bewirtschaftet ein eigenes Weingut mit 60 Hektar Fläche. Gemeinsam mit den Trauben einer Erzeugergemeinschaft verarbeitet der Betrieb jährlich rund 6.500 Tonnen Trauben zu mehr als zehn Millionen Flaschen Wein und Sekt.
Neben der geringeren Abhängigkeit vom öffentlichen Trinkwassernetz soll die neue Aufbereitung auch Ablagerungen und damit Reparatur- und Stillstandszeiten reduzieren. Die Wasserqualität wird von einem externen Labor kontrolliert.
„Durch unsere neue Wasseraufbereitung haben wir nun für alle Anwendungen – von der Behälterreinigung bis hin zur Verwendung in Getränken – die bestmögliche Trinkwasserqualität, die wir durch ein zertifiziertes externes Labor überwachen lassen“, sagt Baumann. „Da wir im Bereich Getränke- und Lebensmittelverarbeitung agieren, ist dies eine essenzielle Grundvoraussetzung.“
