Steigende Nachfrage nach Dienstleistung

10.03.2020 | Allgemein

Der Onlinehandel knabbert in Sachen Einrichtung nicht an den Umsätzen der heimischen Qualitätshändler. Dennoch müssen diese auf hohe Sichtbarkeit im Internet achten, um von den Konsumenten gut wahrgenommen zu werden.

Laut KMU Forschung Austria ist der stationäre Einzelhandel mit Möbeln und Einrichtungsgegenständen 2019 nominell um 1,1 Prozent gestiegen, real ist er unverändert geblieben. Der Online-Handel hingegen entwickelt sich rasant weiter. Laut einer Regiodata-Studie vom vergangenen Dezember gibt jeder Österreicher knapp 980 Euro pro Jahr für Konsumprodukte im Internet aus – im Fünfjahresvergleich bedeutet das eine Steigerung von 50 Prozent. Der Onlineanteil bei den Möbeln/Heimtextilien liegt im Moment bei rund 10 Prozent.
Mag. Christian Wimmer, Geschäftsführer von SERVICE&MORE, sieht dem gelassen entgegen: „Der vielzitierte Online-Kaufrausch hat unsere Handelspartner im Einrichtungsfachhandel nicht getroffen. Das liegt in erster Linie daran, dass wir keine einzelnen Einrichtungsgegenstände verkaufen, sondern maßgeschneiderte, individuelle Wohnlösungen.“ Der Onlinehandel wird laut Wimmer überall dort moderat wachsen, wo vergleichbare Kleinmöbel und Accessoires im eher niedrigen bis mittleren Preissegment gesucht werden oder bei Markenwaren-Einzelstücken, die 1:1 vergleichbar sind.

Fehlende Dienstleistungen im Onlinehandel
Auch einzelne Produkte im höherpreisigen Segment werden nach wie vor lieber im Schauraum getestet und gekauft. Stoffvarianten, Holzmaserungen und Farbtöne wollen gesehen und gefühlt werden. Dazu kommen fehlende Dienstleistungen im Onlinehandel. Wimmer: „Wenn der Wert die 500,– Euro-Marke übersteigt oder ein Teppich 60 kg wiegt, wird nicht einfach auf die Schnelle bestellt, geliefert und aufgebaut und dann bei Reklamationen alles wieder abgeholt.“ Eine ausgereifte Logistik und ein entsprechendes Dienstleistungsangebot sind hier unumgängliche Voraussetzungen für ein funktionierendes Geschäft. Wimmer: „In den nächsten fünf bis zehn Jahren wird hochwertige, flexible und zu planende Ware mit einer hohen Dienstleistungskomponente nach wie vor nur in Maßen im Internet bestellt werden.“
Denn auch die Online-Anbieter sind stark gefordert. Eine attraktive Website ist nur der sichtbare letzte Teil einer Kette von Maßnahmen eines gut und effizient funktionierenden Logistik-, Verpackungs- und Reklamationsmanagements. Die Gefahr der Verluste liegt auf der langen Strecke dazwischen. 

Zum richtigen Zeitpunkt sichtbar sein
Wimmer: „Der unmittelbare Online-Verkauf ist ein Kanal, der von unseren Partnerbetrieben nicht in besonderem Ausmaß bespielt werden muss. Man muss allerdings unbedingt omnichannel präsent sein, analog und digital miteinander verbinden, um am Markt erfolgreich zu sein!“ Der Digital Visibility Report 2019 zeigt die Suchmaschinen-Sichtbarkeit der Einzelhandelsbranche in Österreich. Laut der Erhebung recherchieren 85 Prozent der Österreicherinnen und Österreicher vor dem Kauf zu Produkten über Suchmaschinen. Wimmer: „Es ist also wichtig, als Fachhändler zum richtigen Zeitpunkt im Netz vom Kunden gesehen und vor allem gefunden zu werden – ohne gleich einen Warenkorb anzubieten oder in eine Preisschlacht zu treten.“ 

SERVICE&MORE entwickelt sich über dem Gesamtmarkt
Die Einkaufs- und Dienstleistungsorganisation arbeitet diesbezüglich stetig an ihren Hausaufgaben und die aktuellen Zahlen geben dem Verband recht: Für das Vorjahr kann ein Plus von 7,4 Prozent gegenüber 2018 beim Einkaufsumsatz verzeichnet werden. Rund die Hälfte davon kommt durch bestehende Handelspartner, die andere durch neu hinzugekommene. Damit hat man sich eindeutig besser als der Gesamtmarkt etabliert. 
Für 2020 rechnet Wimmer mit einem überdurchschnittlichen Umsatzwachstum bei den Mitgliedsbetrieben von SERVICE&MORE gegenüber dem Gesamtmarkt. Dieser wird auch für 2020 mit ca. + 1 Prozent prognostiziert. Wimmer: „Unser Ziel ist es, weiterhin gut zu wachsen. Dafür spricht auch die Stimmung bei unseren Handelspartnern, die ein sehr gutes erstes Quartal erwarten.“ Ein nicht unerheblicher Teil des Wachstums kommt aus dem Bodensektor: Dieser profitiert vom wachsenden Immobilienmarkt und wuchs daher im Jahr 2019 bei SERVICE&MORE um beinahe 15 Prozent.
Mitverantwortlich für die gute Entwicklung sind die nach wie vor herrschenden Trends zu mehr Besinnung auf Regionalität und Nachhaltigkeit. Während diese bis dato eher abstrakt vorhanden waren, gehen sie jetzt in eine konkrete Umsetzungsphase. Kunden geben sich nicht mehr mit Worthülsen ab, sie fragen dezidiert nach, woher die Produkte kommen und wie weit der Aktionskreis ist. Wimmer: „70 Prozent unserer Produkte sind österreichischer Herkunft, und der Rest kommt aus den umliegenden Ländern.“ Billig- oder Chinaware ist bei Partnern von SERVICE&MORE nicht zu finden. 

Digitale Tools statt großer Fläche
Während früher die Quadratmeteranzahl der Verkaufsfläche im Einrichtungsfachhandel ein wesentliches Erfolgskriterium darstellte, punkten heute Betriebe mit vernünftigen Größenstrukturen. Mit modernen Tools werden keine 10.000 oder 20.000 m2 benötigt, um Auswahl und Kompetenz zu zeigen. Viel mehr reichen bereits rund 600 m2 im Möbelhandel und rund 200 m2 bei Raumausstattern, um alles präsentieren zu können, was der Kunde für seine Entscheidung braucht. SERVICE&MORE nutzt dafür das einzigartige Virtual Shelf eVA 5.0. Dieses steht derzeit in Österreich exklusiv den Partnern des Verbandes zur Verfügung. eVA 5.0 inspiriert, fordert zur Interaktion auf und unterstützt den Kunden auf dem Weg zu seinem persönlichen Stil, indem es ihm optische Vorschläge für seine individuelle Raumgestaltung unterbreitet. Interessenten erleben damit auf außergewöhnliche Weise unterschiedliche Wohnwelten und lernen die Markenvielfalt der Partnerbetriebe kennen.
Wimmer diagnostiziert der Branche allerdings eine gewisse Mutlosigkeit: „Digitalisierung ist auch „trial and error“. Nur weil eine Sache einmal nicht geklappt hat, heißt das nicht, dass man hier nicht weiter testen und probieren muss. Jetzt ist die Zeit für Veränderung und Optimierung!“

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