Editorial 6/2012

06.06.2012 | News

Wer Steine ins Wasser wirft, der testet die Intelligenz der Fische.

Haben Sie schon von „Schwarmintelligenz“ gehört? Das ist ein Begriff aus der Biologie und beschreibt die „kollektive Intelligenz“ einer Gruppe. Also warum beispielsweise ein Schwarm Fische gemeinsam in Richtung Futter oder Laichplatz schwimmt, obwohl der Einzelne keine Ahnung hat, wohin er eigentlich soll. Dank Internet und Social Media ist Schwarmintelligenz auch beim Menschen in Mode gekommen. Die These ist, dass alle Web-Teilnehmer gemeinsam instinktiv in die richtige Richtung ziehen, einzelne Irrtümer von der Masse korrigiert werden und die Gruppe nicht irren kann. Ich persönlich bin da nicht so sicher. Schließlich gibt es auch so etwas wie „Schwarmdummheit“. Etwa beim Platzsturm im Fußballstadion, wo ein paar Unzufriedene aufs Spielfeld laufen und der Tribünenschwarm hinterherrennt, wie die Lemminge auf dem Weg zur Klippe. Die Mehrheit hat einfach nicht immer automatisch recht, tausende tote Lemminge klagen das an! Deshalb ist in einer funktionierenden Demokratie auch nicht so wichtig, dass immer das passiert, was die Mehrheit will – denn die hat ohnehin die Kraft sich durchzusetzen. Sondern, dass die Rechte derjenigen geschützt werden, die in der Minderheit sind, die eine andere Meinung vertreten und die nicht auf Gedeih und Verderb mit dem Schwarm schwimmen wollen. Alle Diktaturen der Weltgeschichte hatten irgendwann die Mehrheit der Untertanen hinter sich (soviel zum „Ausbau der direkten Demokratie“, von dem viel zu viele Politiker viel zu leichtfertig reden).

Wenn ein Schwarm mal unterwegs ist, dann macht es aber Sinn, seine Intelligenz zu testen. Indem man einen Stein reinschmeißt, zum Beispiel, dann schwirren alle Fische herum und suchen nach neuer Orientierung. So wie der Stein von der Größe der Akropolis, der gerade in den europäischen Teich gefallen ist. Es wird eine Zeitlang dauern, bis der europäische Schwarm wieder eine gemeinsame Richtung gefunden hat, aber das hat auch etwas Gutes: Vielleicht hat die Richtung vorher einfach nicht gestimmt? 

Als Fachmedium nehmen wir gerne die Aufgabe wahr, hie und da ein paar Steinderln in den Branchenschwarm zu schmeißen. In dieser Ausgabe landen gleich vier davon im Wasser: Klaus Dieter Fuhrmann hinterfragt ab Seite 8 den Trend zu stromversorgter 
Gebäudeautomation, Bundesinnungsmeister Michael Mattes thematisiert ab Seite 12 Gegenmeinungen zu gängigen Klimawandel-Theorien, Pinkafeld-Pionier Rudolf Jauschowetz setzt sich ab Seite 18 kritisch mit den „Energiesparlügen“ auseinander, und Planer Alexander Leopold beleuchtet ab Seite 26 den Trend zur boden­ebenen Dusche ebenfalls nicht nur durch die rosarote Brille. 

Wie ist Ihre Meinung zu diesen Themen? Das interessiert mich, schreiben Sie mir: klaus.paukovits@bohmann.at

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