Editorial 10/2020

12.10.2020 | News

Wann kommt die Messen-Auferstehung? Oder: Braucht die Veranstaltungsbranche einen „Messias“?

Wer könnte die Veranstaltungsbranche, im Konkreten die Messe-Veranstaltungen, retten? An wen glaubt die Branche? Gibt es einen „Messen-Messias“ – quasi den gebenedeiten unter den Messe-Veranstaltern, der jene salbungsvollen Worte zur Rettung der großen Branchenevents sprechen wird? Wird eine solche Leuchtturm-Figur überhaupt benötigt? Bevor mir jetzt an dieser Stelle neben Themenverfehlung auch noch Gotteslästerung unterstellt wird und ich mit Steinwürfen des ewigen Redakteursleben verwiesen werde, eine kleine Abhandlung: Der Begriff Messias stammt aus dem Tanach und bedeutet „Gesalbter“. Tanach ist eine von mehreren Bezeichnungen für die Hebräische Bibel, die Sammlung Heiliger Schriften des Judentums … Wer also wird der SHK-Branche ihre Messen zurückbringen – und will das die Branche überhaupt?
Klar will sie das! Also für Industrie, Handel und Medien ist diese kompakte Art der Veranstaltung eine hervorragende Lösung. Direkte Gespräche können nicht von einem Erklär-Video abgelöst werden. Finde ich – vielleicht sieht das aber die jüngere Generation ganz anders. Das Fachhandwerk selbst zeigte in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten abnehmendes Interesse. Vielleicht war daran das lange Hin und Her zwischen Aquatherm und WeBUILD mit schuld? Vielleicht sind generell die Anforderungen im Arbeitsalltag so stark angestiegen, dass man einfach keine Zeit hat, einen Tag oder noch länger in Messehallen zuzubringen? Die Neuigkeiten finden ihren Weg in die Branche – die Industrie hat ja schließlich Interesse daran, ihre Neuprodukte an das Handwerk zu bringen.
Warum ich an dieser Stelle überhaupt so intensiv über das Für und Wider von Messen nachdenke? Sie werden es bereits ahnen: In den letzten Wochen ging es Schlag auf Schlag: Ende September wurde die ISH abgesagt, obwohl der ZVSHK (Anm.: der deutsche „Zentralverband Sanitär Heizung Klima“) vehement dafür lobbiiert hatte. Die Veranstalter entschieden sich, die Branchen-Messe 2021 in Frankfurt lieber ausfallen zu lassen – vernünftig, aber auch verkraftbar? Wir sprachen u. a. dazu mit Iris Jeglitza-Moshage, Senior Vice President Technology, Messe Frankfurt (auf Seite 14 der aktuellen Ausgabe 10/2020). Der nächste Knall ließ nicht lange auf sich warten und bald entschied sich auch die Welser Messe dazu, die erst dieses Jahr neu betitelte WE BUILD (ehemals Energiesparmesse Wels) nicht stattfinden zu lassen. Ebenfalls grundvernünftig, nachdem erst Anfang dieses Jahres die Messe kurz vor dem großen „Lockdown“ über die Bühne ging – erfolgreich, aber irgendwie auch haarscharf vorbei an einem „Messe-Ischgl“. Unabhängig von Corona sanken in den letzten Jahren die Besucherzahlen – liegt das Grundproblem eventuell weitab des Pandemischen? Sinkende Messezahlen waren und sind in den letzten Jahren wenn nicht Problem, dann doch Diskussionsgrundlage. Werden kleinere physische Veranstaltungen, gepaart mit parallelen zusätzlichen Online-Angeboten, diese Art der Veranstaltungen wiederauferstehen lassen können? Ich glaube nicht, dass ich als Veranstalter-Messias tauge. Ziemlich sicher wird gerade jetzt genau über diese Dinge angestrengt nachgedacht. Und wer weiß, vielleicht finden die Veranstalter, Marketing-Chefs und Kommunikations-Gurus genau jetzt (oder zumindest hoffentlich bald) etwas Licht in dieser finsteren Stunde – vielleicht ist das genau jene vielzitierte Chance, die in einer Krise steckt.
Doch nun: eine ebenso erkenntnisreiche wie vergnügliche Lektüre im Namen des gesamten Teams mit der vorliegenden Ausgabe 10/2020.

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