Editorial 2/2016

12.02.2016 | News

Angela Merkel ist für die duale Berufsausbildung. Gut so!

Angela Merkel setzt sich für die Lehre ein. Die duale Berufsausbildung müsse als gleichrangige Säule neben der schulischen Ausbildung erhalten bleiben, sagte die deutsche Kanzlerin in einer Videobotschaft. Das Modell der Lehre ist in den deutschsprachigen Ländern Mitteleuropas etabliert und sorgt dafür, dass die Jugendarbeitslosigkeit niedrig bleibt: Länder mit dualer Berufsausbildung haben im Schnitt zwei Drittel weniger jugendliche Arbeitslose als jene Länder, die auf schulische Berufsausbildung setzen. Darum werde sie die duale Berufsausbildung gegen die Bestrebungen jener europäischen Länder, die eine Bevorzugung der schulischen Ausbildung wollen, verteidigen. Wenn in ein paar Jahren Bilanz über die Regierungszeit Angela Merkels gezogen werden wird, dann wird das bloß eine Fußnote sein. Da werden andere Themen im Mittelpunkt stehen. Etwa ihr Verhalten in der Griechenlandfrage: Ist der rigorose Sparkurs, der einem konkursreifen Land aufgezwungen wird, eine wirtschaftspolitisch nötige Rosskur für eine funktionsuntüchtige Volkswirtschaft, oder wird damit vor allem sichergestellt, dass die großen Banken auf Kosten aller europäischen Bürger ihr Geld zurück­bekommen, das sie den Griechen gegen jede wirtschaftliche Vernunft geliehen hatten? Oder die Fortführung der Energie­wende ihrer Vorgängerregierung, die Merkel gegen große Widerstände durchgesetzt hat: Beginnt damit die Abkehr von der fossil-atomaren Wirtschaft hin zu einer nachhaltigen Gesellschaft, oder ist die einseitige Konzentration auf alternative Stromproduktion nur ein Feigenblatt, mehr noch – ein kostspieliger Fehler, der die Chancen der Energiewende auf lange Sicht sogar behindert? Und natürlich der Satz "Wir schaffen das", der entweder ein Zeichen humanistischer Naivität mit unabsehbaren Folgen für das freie Europa ist, oder ein Zeichen von Mut und von Vertrauen in die Kraft unserer demokratischen Gesellschaftsordnung. Wir werden sehen, welche Lesart sich durchsetzen wird. Unbestritten wird wahrscheinlich sein, dass Muttis unaufgeregt-sachlicher Politikstil wesentlich erfolgreicher war als das eitle Machogehabe ihres Vorgängers und ihrer diversen Koalitions-Partner, die sie in den letzten 11 Jahren verschlissen hat. Man muss in der Politik nicht poltern und schreien und an Türen rütteln und auf Tische hämmern oder was testosterongesteuerte Männer sonst noch so tun, um sich durchzusetzen – diese Erkenntnis wird hoffentlich bleiben.Wirtschaftskammerpräsident Christoph Leitl dankte Merkel übrigens umgehend für ihren Einsatz zugunsten der Lehrausbildung. Dass Lehrabschlüsse zum Studienzugang berechtigen sollten und Meisterprüfungen mit Uniabschlüssen gleichgesetzt werden sollten, fordert auch er seit vielen Jahren. Die deutsche Kanzlerin dabei an seiner Seite zu wissen, schadet gewiss nicht. Die Frau mit der Raute hat bisher noch immer ihren Willen durchgesetzt.
Viel Vergnügen mit der aktuellen Ausgabe 2/16!

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