Branchenvertreter sehen vor allem beim Erneuerbaren-Gase-Gesetz (EGG) dringenden Handlungsbedarf. | © Pexels/Vladimir Srajbr
Die österreichische Gaswirtschaft fordert von der Politik rasche Entscheidungen für den Ausbau von Biomethan und Wasserstoff. Beim Zukunftsforum Grünes Gas 2026 in Wien standen die notwendigen gesetzlichen Rahmenbedingungen im Mittelpunkt, um die Energiewende voranzutreiben und gleichzeitig die Versorgungssicherheit zu gewährleisten.
Branchenvertreter sehen vor allem beim Erneuerbaren-Gase-Gesetz (EGG) und beim Aufbau einer Wasserstoffinfrastruktur dringenden Handlungsbedarf. Nur mit klaren Vorgaben und langfristiger Planungssicherheit könnten die erforderlichen Investitionen ausgelöst werden.
Biomethan soll Wirtschaft und Klimaschutz stärken
Biomethan gilt für die Branche als kurzfristig verfügbare Lösung, da bestehende Gasnetze und Infrastruktur weiter genutzt werden können. Laut einer Studie der Servicestelle Erneuerbare Gase (SEG) könnte der Ausbau der heimischen Biomethanproduktion mehr als 1,2 Milliarden Euro zusätzliche Bruttowertschöpfung schaffen und tausende Arbeitsplätze sichern.
Energie-Staatssekretärin Elisabeth Zehetner sieht in erneuerbaren Gasen einen wichtigen Baustein für ein klimaneutrales Energiesystem: „Biomethan ist dabei ein besonders wichtiger Baustein, weil die Technologie verfügbar ist, bestehende Infrastruktur genutzt werden kann und regionale Wertschöpfung entsteht.“
Ziel der Bundesregierung sei es, die Biomethanproduktion bis 2030 deutlich auszubauen und gleichzeitig die Dekarbonisierung der Industrie zu unterstützen.
Wasserstoff als Schlüssel für Industrie und Versorgungssicherheit
Während Biomethan auf bestehende Strukturen aufbauen kann, erfordert Wasserstoff den Aufbau eines weitgehend neuen Energiesystems. Im Zentrum stehen dabei neue Transportnetze, Speicherlösungen und Fördermodelle.
„Die Gaswirtschaft ist bereit, massiv in den Umbau bestehender Gassysteme zu investieren“, betont Peter Weinelt, Obmann des Fachverbands Gas Wärme. „Was es jetzt noch dafür braucht, sind die gesetzlichen Rahmenbedingungen im Gaswirtschaftsgesetz sowie das Erneuerbaren Gase Gesetz.“
Wasserstoff soll künftig insbesondere in der Industrie, bei Hochtemperaturprozessen sowie zur Absicherung des Energiesystems in Zeiten geringer Stromerzeugung aus Wind- und Solarenergie eingesetzt werden.
Österreich blickt auf europäische Vorbilder
Beim Zukunftsforum wurde auch der internationale Vergleich diskutiert. Länder wie die Niederlande, Frankreich, Spanien und Italien treiben den Aufbau ihrer Wasserstoffwirtschaft bereits voran. Deutschland hat zudem erste Teile seines Wasserstoff-Kernnetzes in Betrieb genommen.
„Die Erfahrung zeigt uns: Neue Energiesysteme sind keine Selbstläufer“, sagt Stefan Wagenhofer, Präsident der Österreichischen Vereinigung für das Gas- und Wasserfach (ÖVGW). „Wir Netzbetreiber sind bereit, den ersten Schritt zu gehen. Jetzt braucht es auch die notwendigen Entscheidungen der Politik.“
Energiewende braucht langfristige Planung
Unter dem Motto „Zwischen Aufbruch und Umbruch“ diskutierten Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Forschung beim Zukunftsforum Grünes Gas über Marktstrategien, internationale Erfahrungen und die Rolle erneuerbarer Gase im künftigen Energiesystem.
Der Tenor der Veranstaltung: Die technologischen Möglichkeiten seien vorhanden. Entscheidend werde nun sein, ob die politischen und regulatorischen Rahmenbedingungen rechtzeitig geschaffen werden, um den Hochlauf von Biomethan und Wasserstoff in Österreich zu ermöglichen.
