Guerilla-Photovoltaik-Anlagen – Tausende unbewilligte PV-Anlagen am Netz

15.04.2024 | News

„Photovoltaik-Anlagen ohne gültigem Netzzutrittsvertrag sind weiter verbreitet als bisher angenommen“, erläutert Netz NÖ Experte Kurt Reinagel. „In unserem Netzgebiet speisen schätzungsweise 2.000-4.000 der sogenannten „wilden“ PV-Anlagen ein.“

Viele dieser Sonnenkraftwerke sind sogenannte Balkonmodule, es sind aber auch zahlreiche große Anlagen darunter. Wie viele Anlagen es genau sind und wie sie verteilt sind, lässt sich aber nur schwer bestimmen. Ratsam ist das Betreiben solcher Anlagen jedenfalls nicht.

Nachteile für Anlagen- und Netzbetreiber

Viele Betreiberinnen und Betreiber von Photovoltaik-Anlagen können es kaum erwarten, Sonnenstrom zu produzieren und ihren Beitrag für eine erneuerbare Energiezukunft zu leisten. Sie handeln mit bestem Wissen und Gewissen, wenn sie ihre errichteten Anlagen sofort ans Netz bringen“, erzählt Reinagel: „Aber wie ein Sprichwort sagt ´gut gemeint, ist nicht immer gut gemacht´.“ Jede Photovoltaik-Anlage führt zu Spannungsanhebungen im Stromnetz. Und da die Guerilla-Anlagen nicht in die Netzberechnungen miteinfließen können, kommt das Netz früher an seine technischen Grenzen. Und das möglicherweise auch unerwartet. „Im schlimmsten Fall kann es zu Stromausfällen kommen“, so Reinagel. Darüber hinaus verursachen diese Anlagen massive Kosten für die erforderliche Netzstabilität und auch Kosten bei der Beschaffung von Regelenergie, da diese Kraftwerke natürlich nicht in der Erzeugungsprognose enthalten sind.

Guerilla-Anlagen haben aber auch für den Anlagenbetreiber selbst Nachteile. So haften sie für mögliche Schäden, die durch eine nicht bewilligte Anlage entstehen. „Und zu guter Letzt wird der erzeugte Strom hergeschenkt“, erläutert Reinagel. Denn jeder Anlagenbetreiber, der seinen Strom einspeisen möchte, braucht einen Energielieferanten, der den erzeugten Strom abkauft. Dementsprechend geht Reinagel davon aus, dass viele dieser Kundinnen und Kunden aus Unkenntnis handeln. Kommt Netz NÖ unbewilligten Anlagen auf die Spur, werden die Anlagenbetreiber angehalten, ihre Anlage ordnungsgemäß bewilligen zu lassen. Schließlich profitieren alle davon.

Balkonkraftwerke

Balkonkraftwerke oder Balkonmodule sind die umgangssprachlichen Bezeichnungen für sogenannten Kleinsterzeugungsanlagen mit einer maximalen Erzeugungsleistung von 800 W (0,8 kW). Grundsätzlich sind diese Balkonmodule melde- aber nicht bewilligungspflichtig. „Seit 2021 wurden uns rund 8.500 Balkonkraftwerke gemeldet. Dazu kommen die Anlagen, die nicht gemeldet wurden.“, so Reinagel.

Das Anmelden der Balkonmodule beim Netzbetreiber funktioniert einfach online unter kundenportal.netz-noe.at. Man benötigt auch keinen Stromabnahmevertrag, da Balkonkraftwerke für die Abdeckung des Eigenverbrauchs vorgesehen sind. Als Betreiber eines Balkonkraftwerkes muss man die Europäischen Normen einhalten. „Achten Sie auf ein CE-Zeichen und einen Konformitätsnachweis einer zertifizierten Prüfstelle“, erklärt Reinagel.

© Netz NÖ / Wurnig

Mehr Informationen unter netz-noe.at

Tags:

Anzeigen

Anzeigen

Newsletter

Aktuelle Events

  • Energiesparmesse Wels

    25.2. bis 1.3.2026 // Messe Wels Die Energiesparmesse in Wels

  • light + building

    08.03.2026 | Frankfurt Architektur und Technik verändern sich weltweit – getrieben von Digitalisierung, Urbanisierung und dem Ziel der Klimaneutralität. Sie prägen heute, wie Städte wachsen, Gebäude genutzt und Räume gestaltet werden. Vom 8. bis 13. März 2026 rückt die Light + Building in Frankfurt am Main zentrale Zukunftsfragen der Licht- und Gebäudetechnik in den Mittelpunkt. Drei Top-Themen geben die Richtung vor, in die sich die gebaute Welt aktuell und künftig entwickelt: „Sustainable Transformation“, „Smart Connectivity“ und „Living Light“.

  • Essen Die SHK+E ESSEN

    17.03. – 20.03.2026 | Essen Die SHK+E ESSEN versammelt die Branche vom 17. bis 20. März 2026 in der Messe Essen. Im Fokus der bedeutenden Fachmesse für Sanitär, Heizung, Klima und Elektro stehen insbesondere hybride Heizungen und Wärmepumpen, sektorübergreifende Lösungen sowie smarte Sanitärtechnik.

Melden Sie sich hier an, um laufend die aktuellsten News zu erhalten.