Die ISEC findet alle zwei Jahre in Graz. | © Studio LippZahnschirm
Rund 550 Expertinnen und Experten aus 42 Ländern haben sich bei der International Sustainable Energy Conference (ISEC) 2026 in Graz getroffen, um zentrale Fragen der globalen Energiewende zu diskutieren. Im Fokus stand dabei nicht nur die technologische Transformation, sondern zunehmend auch die Rolle von Energiesystemen für Sicherheit und Stabilität.
Die Konferenz, organisiert vom AEE – Institut für Nachhaltige Technologien, gilt als Schnittstelle zwischen Forschung, Industrie und Energiepolitik.
Geopolitik als Treiber der Energiewende
Aktuelle Krisen – darunter der Ukraine-Krieg, der Konflikt im Iran und die zeitweise Blockade der Straße von Hormus – prägten die Diskussionen maßgeblich. Sie verdeutlichen die Anfälligkeit globaler Energiemärkte und die direkte Wirkung geopolitischer Ereignisse auf Preise, Inflation und Versorgungssicherheit.
Vor diesem Hintergrund gewinnt die Transformation der Energiesysteme eine neue Dimension. Energieversorgung wird zunehmend als strategische Frage verstanden, die über wirtschaftliche Stabilität hinausgeht.
Fokus auf resiliente und integrierte Energiesysteme
Im Zentrum der Konferenz standen Lösungen, um Energiesysteme robuster zu gestalten. Diskutiert wurden insbesondere der Ausbau erneuerbarer Energien, die sektorübergreifende Integration sowie neue Systemarchitekturen für Strom, Wärme und Industrie.
Ein Schwerpunkt lag auf der Dekarbonisierung von Städten und Industrieprozessen. Energieeffizienz, Elektrifizierung und erneuerbare Wärme gelten dabei als zentrale Hebel für die Transformation.
Neue Technologien und industrielle Umsetzung
Neben etablierten Ansätzen rückten auch neue Technologien in den Fokus – etwa Hochtemperatur-Wärmespeicher, CO₂-Nutzungskonzepte oder innovative Energieträger. Ziel ist es, wissenschaftliche Erkenntnisse schneller in industrielle Anwendungen zu überführen.
Gerade die Skalierung dieser Technologien gilt als entscheidend für das Gelingen der Energiewende.
Internationale Zusammenarbeit gewinnt an Bedeutung
Ein weiteres zentrales Thema war die globale Perspektive. Besonders Schwellen- und Entwicklungsländer sind von Preisschwankungen und Versorgungsrisiken betroffen. Entsprechend wurde die internationale Zusammenarbeit – etwa zwischen Europa und Afrika – als Schlüssel für eine stabile Energiezukunft hervorgehoben.
„Eine wirklich gerechte und widerstandsfähige Energiewende gelingt nur, wenn wir sie als gemeinsame Verantwortung begreifen“, betonte Dr. Kandeh K. Yumkella, ehemaliger Generaldirektor der UNIDO.
Politik und Industrie fordern Tempo
Auch aus politischer Sicht wurde der Handlungsdruck unterstrichen. Staatssekretärin Elisabeth Zehetner verwies auf die Bedeutung innovativer Lösungen und stabiler Rahmenbedingungen: „Das Erreichen der Energie- und Technologiesouveränität […] hängt maßgeblich von der Transformation des Heiz- und Kühlsektors […] ab.“
Industrievertreter sehen vor allem in der internationalen Vernetzung einen entscheidenden Vorteil. „Die industrielle Energiewende gelingt nur, wenn Technologie, Partnerschaften und lokale Expertise zusammenspielen“, sagte Aleš Prešern von Siemens Energy.
Plattform für Austausch und Umsetzung
Die ISEC findet alle zwei Jahre in Graz statt und hat sich als internationale Plattform für erneuerbare Wärme- und Kältelösungen etabliert. Der Fokus liegt zunehmend auf der Umsetzung: Forschungsergebnisse sollen schneller in konkrete Anwendungen überführt werden.
Damit wird die Konferenz nicht nur zum Diskussionsforum, sondern auch zum Impulsgeber für die praktische Transformation der Energiesysteme.
