Klimaanlagen erobern die Welt

29.04.2021 | Klima / Lüftung, News, TOP Klima-Lüftung

Wegen der zu erwartenden globalen Erwärmung wird sich die Zahl der Klimaanlagen in den nächsten 30 Jahren ­weltweit fast vervierfachen.

Anfang 2021 existierten weltweit etwa 1,2 Milliarden Klimaanlagen. Wegen der zu erwartenden globalen Erderwärmung wird diese Zahl in den nächsten 30 Jahren auf etwa 4,5 Milliarden steigen. Betroffen sind vor allem die Industrie- und Schwellenländer mit heißem und feuchten Klima. Der Mittelstand – speziell in den Schwellen­ländern – wird weiter wachsen. Die ein­kommensstärkeren Schichten werden sich ­entsprechende Klimaanlagen auch leisten können. Parallel zu dieser Entwicklung ist mit einem rasanten Anstieg des Strom­verbrauchs zu rechnen.

Definition einer Klimaanlage
Prinzipiell könnte man eine Klimaanlage als ein System sämtlicher Bauteile definieren, die zur Luftbehandlung nötig sind, um in geschlossenen Räumen Temperatur, Frischluftzufuhr, Luftfeuchtigkeit und Luftqualität zu gewährleisten. Natürlich greifen auch Lüftungsanlagen, Heizsysteme oder Wärmerückgewinnung in das Raumklima ein. Die vier wichtigsten thermodynamischen Luftbehandlungsfunktionen sind: Heizen, Kühlen, Ent- und Befeuchten. Wenn z. B. in die Temperatur und Luftfeuchte nicht einge­griffen wird, so spricht man von Teilklimatisierung. Vollklimaanlagen bieten den Nutzern sämtliche Funktionen an.

Zentral oder dezentral?
Bei zentralen Klimaanlagen werden die ­wesentlichen Funktionen der Luftbehandlung wie Temperierung, Reinigung, Be- und Entfeuchtung, Wärmerückgewinnung, Lufttransport in einem zentralen Gerät durch­geführt. Von dieser Anlage aus verteilen sich Luftkanäle zu den einzelnen Räumen. Die konditionierte Luft wird von der Zentrale weggeführt und die aufzubereitende Luft von den Räumen wieder in die Zentrale rück­geführt. Zentrale Klimaanlagen ermöglichen – dank der Baugröße und der eingesetzten Komponenten – hohe Wirkungsgrade. ­Dezentrale Klimaanlagen werden meist nachträglich in Räumen installiert. Wegen der begrenzten Einbausituation sind die ­einzelnen Bauteile vergleichsweise klein ­gehalten. Das kann Wirkungsgrade und ­Wärmerückgewinnung reduzieren, Zugluft und Schallemissionen erhöhen. Dezentrale Klimageräte werden vielfach unter Flur oder in Brüstungen eingebaut.

Vor- und Nachteile
Dezentrale Klimaanlagen erleichtern die ­individuelle Raumnutzung und Abrechnung der Energiekosten. Die Praxis zeigt immer wieder, dass bei der Wartung dezentraler Anlagen erhöhter Zeit- und Transportaufwand erforderlich ist. Zusätzlich können die erforderlichen Wartungsarbeiten in den einzelnen Räumen auch zu Behinderungen der Nutzer führen. Bei einer dezentralen Klimaanlage in Form eines Split-Geräts erfolgt die Kompression des Kältemittels im Freien, während die Luftbehandlungen wie Tem­perierung, Filtration und Förderung im zu kühlenden Raum passieren.

„Für die Zukunft sehe ich in erster Linie einen weiteren starken Trend bei Klimageräten und Wärmepumpen.“ Klaus Koller, ÖKKV-Vizepräsident

ÖKKV im Gespräch – Informationen aus erster Hand
Der Österreichische Kälte- und Klimatech­nische Verein – kurz ÖKKV – ist der am längsten in Österreich tätige Verein, der auf dem Gebiet der Kälte- und Klimatechnik die Interessen seiner rund 370 Mitglieder ­vertritt. Der nicht auf Gewinn ausgerichtete Verein sieht seine wesentlichen Aufgaben in der Unterstützung seiner Mitglieder, die sich über das gesamte Bundesgebiet aufteilen, durch regelmäßige, umfangreiche Information zu allen fachlichen Themen. Diese ­Informationen gewinnen immer mehr an Bedeutung, da die nationalen und inter­nationalen Veränderungen der Normen, Verordnungen und Gesetzgebungen in den letzten Jahren eine große Dynamik erfahren haben.Klaus Koller, Vizepräsident des ÖKKV im Interview zu aktuellen Themen der Branche.

Herr Vizepräsident Koller, wie beurteilen Sie den aktuellen Markt für Kälte- und Klimatechnik in Österreich?
Klaus Koller: Ich denke, dass wir grundsätzlich ganz gut durch die Pandemie gekommen sind, wobei die Auswirkungen durchaus differenziert betrachtet werden müssen. Vor allem in Hinblick auf die ­Unterscheidung im Gewerbe- und Industriebereich, in dem – abhängig vom Tätigkeits­bereich: Tourismus, Gastro etc. – eine mehr oder weniger ausgeprägte Stagnation auf gleichbleibendem Niveau stattfindet. Ganz anders sieht es im Bereich der Klimageräte und Wärmepumpen, in dem Wachstumsraten im zwestelligen Prozent­bereich erzielt werden können; denn hier kommt vor allem das Privatsegment zum Tragen. Komfort in den eigenen vier Wänden im Sommer und eine effiziente, umweltfreundliche Heizung ohne umweltbelastende Emissionen sind nur einige Schlagworte.

Wie wird sich der Markt entwickeln?
Koller: Ich sehe in erster Linie einen ­weiteren starken Trend bei Klimageräten und Wärmepumpen, auch wenn die extremen Zuwächse wie in den letzten beiden Jahren nicht mehr ganz erreicht werden. Starke Treiber dafür sind sicher das zu ­erwartende Wirtschaftswachstum und der nationale Energie- und Klimaplan, der in den nächsten Jahren seine Umsetzung erfahren wird und Systeme auf Basis erneuerbarer Energie fördert. Eine bedeutende Rolle wird auch die Renovierungswelle sein, und in weiterer Folge wird der europäische Green Deal mit all seinen Investitionsprogrammen auch den gewerblichen und industriellen Bereich positiv beeinflussen. Damit kann unsere Branche in eine positive Zukunft ­blicken.

Wann würden Sie ein zentrales bzw. ein ­dezentrales Klimasystem empfehlen?
Klaus Koller: Das ist eine Frage, die man pauschal nicht beantworten kann. Zu viele Faktoren beeinflussen hier die Entscheidung wie unter anderem die geforderte Kälte­leistung, mögliche Systemarchitekturen, räumliche Situation, Effizienz des Systems, Schallemissionen etc. Daraus ergibt sich in den meisten Fällen, dass bei größeren Anlagen eher zentrale Systeme zum Einsatz kommen; bei kleineren Anlagen dezentrale ­Systeme bzw. Geräte. Das muss aber nicht die Regel sein, beispielsweise eignen sich VRV-Systeme (bei dieser Technik verändert sich das Kältemittelvolumen im System) durchaus als sehr energieeffiziente Lösungen, mit denen man monovalente Anlagen fürs Kühlen und Heizen auch für große Leistungen realisieren und zusätzlich noch Wärmerückgewinnungsoptionen nutzen kann. Damit erreicht man eine Kombination von zentraler und dezentraler Situierung der Außeneinheiten, somit ist eine flexible Anpassung an Gebäudestruktur und Lage möglich.

Diesen Beitrag finden Sie ungekürzt auch ab Seite 44 der aktuellen Ausgabe 5/2021!

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