LIM und BIM Stv. Andreas Rotter | © Augustin
Im Juni 2025 wurde einstimmig ein neuer Vorstand der Bundesinnung gewählt. Seitdem steht der steirische LIM Anton Berger als Bundesinnungsmeister an der Spitze der Bundesinnung. Wie geplant kam es 2026 zu einem Wechsel bei den Bundesinnungsmeister-Stellvertretern. Auf Gerald Kopsa folgte der Salzburger Landesinnungsmeister Andreas Rotter. Der „Gelbe“ bat ihn zum Interview:
Herr Rotter, Sie beschreiben sich gerne als Handwerker mit Verstand, Herz und Fingerfertigkeit…
Andreas Rotter: Ja, mein Großvater war bereits 1954 Installateur und ich bin es nun in dritter Generation. Bereits vor meiner Lehrzeit durfte ich im elterlichen Unternehmen mitwirken. Unser Handwerk habe ich von der Pike auf gelernt und für Taschengeld brachte ich die Werkstatt im Familienbetrieb auf Vorderman. Wenn ich nach 44 Jahren Berufserfahrung gefragt werde, welchen Beruf ich erlernen möchte, käme nur ein Beruf in Frage: „Gas-, Wasser-, Heizungs- und Lüftungstechniker“ mit der Ausrichtung auf Kälte- und Regelungstechnik.
Sie haben einige Aus- und Weiterbildungen absolviert – die berufliche Ausbildung ist Ihnen also ein besonderes Anliegen?
Rotter: Die Lehre ist heute wichtiger denn je. Insbesondere in einem Job wie dem unsrigen; wo gibt es noch einen Beruf, der so auf eine nachhaltige Zukunft ausgerichtet ist wie der Installateurberuf? Noch dazu bietet er ausgezeichnete Karrierechancen. Seit 2008 bin ich im WIFI auch als Coach für Gas-, Wasser-, Heizungs- und Lüftungstechnik tätig.
Seit 2011 bin ich mit einem eigenen Betrieb selbstständig und engagiere mich seit 2012 im Salzburger Innungsausschuss, dem ich seit über zehn Jahren seit 2015 als Landesinnungsmeister vorstehe. Zusätzlich bin ich auch als Vertreter der Salzburger Installateurbetriebe Mitglied im Ausschuss der Bundesinnung und erfülle seit 2017 mit viel Freude und Einsatz die Position des Obmanns des Zukunftsforum SHL, einem Zusammenschluss von Unternehmen der Wertschöpfungskette der Heizungstechnik.
Was wollen Sie im Vorstand als Bundesinnungsmeister-Stellvertreter einbringen?
Rotter: Mir ist es ein großes Anliegen, dass wir alle gemeinsam an einem Strang ziehen und unseren Berufsstand weiterbringen. Ich bin sozusagen die Stimme der westlichen Landesinnungen im Vorstand der Bundesinnung. Unserem BIM Toni Berger ist es ein großes Anliegen, dass alle Landesinnungen aktiv mitgestalten können. Seine Linie hat sich bereits am Beginn seiner Zeit als Bundesinnungsmeister gezeigt, als unter Einbringung aller Bundesländer erstmals der Bundesinnungsausschuss am Beginn einer neuen WK-Funktionsperiode ein umfassendes und zukunftsweisendes Leitbild mit interessenpolitischer Strategie der Bundesinnung beschlossen hat.
Was gibt es generell Neues in Sachen Gebäudetechnik in Ihrem Bundesland?
Rotter: Leider gibt es im Bereich erneuerbarer Energie in Salzburg einen Stillstand. Dies hat zur Folge, dass die Kunden erst recht auf die „gute alte“ Gasheizung zurückgreifen. Der Stillstand ist mit der aktuellen Förderlandschaft zu begründen, für die eine Kontinuität benötigt würde, welche seitens der Politik nicht gegeben ist und beim Endverbraucher zu Misstrauen führt.
Wie beurteilen Sie generell Chancen und Risiken des Jahres 2026?
Rotter: Die aktuelle weltpolitische Krisensituation hat dafür gesorgt, dass die Energie- und Treibstoffpreise ins Unendliche gestiegen sind. Industrie und Großhandel reagieren mit Teuerungszuschlägen, welche für uns Installateure in der Folge die Angebotspreise erhöhen. Dies wiederum bedeutet eine Belastung für den Endverbraucher und für uns Installateure zeitaufwendige Preisdiskussionen mit Kunden bereits in dieser Phase.
Wirtschaftskrise und Baukonjunktur – wie könnte sich das in Ihrem Bundesland entwickeln?
Rotter: In Salzburg wird vermehrt Augenmerk auf Wohneinheiten für betreutes Wohnen gelegt. Am freien Markt ist es derzeit noch etwas schwieriger, Wohnungen an den Mann zu bringen, weil die Preise in unserem Bundesland zu den höchsten in Österreich gehören. Die Baukonjunktur hängt derzeit von den geopolitischen Rahmenbedingungen ab – das bleibt leider ungewiss.
Worauf darf sich die Branche freuen?
Rotter: Erfreulicherweise nehmen Reparatur- und Servicearbeiten sowie Teilsanierungen leicht zu. Anfragen bezüglich Klimageräten steigen ebenfalls an. Was immer geht, da wir alle älter werden, ist Barrierefreiheit im Badezimmer.
Wie gestaltet sich Ihr Blick über den Tellerrand – auf andere Gewerke und in andere Bundesländer? Was kann dabei für die Gebäudetechnik in Ihrem Land wichtig sein?
Rotter: Um Installateure, die EPU oder KMU sind, mache ich mir keine Sorgen – sie sind flexibel und passen sich den Marktgegebenheiten an. Größere Unternehmen kämpfen um „nicht vorhandene Aufträge“. Diese Aussagen gelten generell für Bau- und Baunebengewerbe. In ganz Österreich gibt es Handlungsbedarf im Sanierungsbereich (Anm.: bzgl. Wohn- und Mietrecht), um die geplanten Klimaziele erreichen zu können. Dieses Thema ist in der Politik angekommen.
Gibt es neue Förderungen für das Bundesland?
Rotter: Es gibt leider keinen zuverlässigen Fördertopf, auf den wir Installateure bei Beratungen zugreifen können. Bei der Angebotslegung fehlt die Gewissheit, ob Fördermittel zum Zeitpunkt der Realisierung verfügbar sind. Bund und Land schrauben seit dem letzten Quartal 2025 die Förderungen massiv zurück. Das heißt für den Endkunden: Gürtel enger schnallen oder bei fossilen Brennstoffen bleiben.
Welche Fachmessen sind bei Ihnen stets fix eingeplant – gibt es Ideen/Wünsche, was man ändern könnte?
Rotter: Es ist für die Branche sehr erfreulich, dass alle Messen im 1. Quartal – wie z. B. die „Bauen- und Wohnen“, die Frauenthal-Expo und auch die Welser Energiespar Messe steigende Aussteller- und Besucherzahlen registrieren. Eine gute Idee wäre es, die Frauenthal-Expo und die Energiespar Messe Wels alternierend abzuhalten, weil beide das gleiche Publikum ansprechen.
Gibt es Licht am Horizont in Bezug auf Lehrlingszahlen und Qualität der Auszubildenden?
Rotter: Momentan sind die Lehrlingszahlen kein Thema, da generell weniger Aufträge anstehen. Man sieht das an Leihfirmen, die so viel Personal wie noch nie zur Verfügung haben. Durch intensive Anstrengungen unserer Seite ist ein gewisser Umweltgedanke in den jungen Köpfen zu spüren. Das macht mich zuversichtlich, dass sich künftig noch mehr Jugendliche für unseren Beruf interessieren. Die Qualität wird dank ihrer kritischen Weltanschauung beflügelt, weil ein „Green Job“ auch zukunftsorientiert ist. Außerdem steht eine Ausbildungsreform mit neuen Themen und Aufgabengebieten für unsere Brache an. Ein Installateur sollte alle Aufgabengebiete abdecken: Gas-, Sanitär und Heizungstechnik werden zu einem Beruf zusammenwachsen. Zusatzmodule für einen zweiten Lehrberuf sind geplant und gewünscht.
Wie handhaben Sie die Lehrlings-Suche und -Ausbildung in Ihrem Unternehmen?
Rotter: Als Innungsmeister im eigenen Unternehmen tue ich mir leicht, weil meine Mitarbeiter wissen, dass ich seit Jahrzenten in der Ausbildung tätig bin und sie zu 100 Prozent unterstütze und fördere. Hier gehören mittlerweile auch Deutschkurse dazu – sonst klappt es weder in der Berufsschule noch beim Kunden mit der Kommunikation. Auch die Ausbildungsform Lehre mit Matura wird gut angenommen. Was mir etwas Sorgen macht, sind angehende Meister. Die Anmeldezahlen für diese Ausbildung sind leicht rückläufig.
Können Sie Tipps zu aktuellen Lieblingsfilmen/Serien/Lektüren/Podcasts als Empfehlung für unsere LeserInnen geben?
Rotter: Neue Lehrlingsfilme sind gerade in Ausarbeitung und auf der Homepage der Bundesinnung zu finden, auch sozialen Medien werden mit aktuellen News gefüttert.
Haben Sie bei den vielfältigen Beschäftigungen und Aufgaben eigentlich noch Freizeit?
Rotter: Durchaus – das dient dem Ausgleich, weitet den Blick und das ist mir wichtig. Ich bin dem Räuchern von Fisch und Fleisch verfallen und grille gerne für Familie und Freunde. Mit großer Passion bin ich zudem Juror bei den Grillmeisterschaften ABA (Austrian Barbecue Association). Seit meinem 21. Lebensjahr wirke ich im Trachtenverein „Brauchtumsgruppe Salzburg West“ mit und bin dort Stv. Obmann, um bei der Pflege der Volkskultur im Lande mitzuarbeiten. Meine Familie bedeutet mir ebenfalls sehr viel – ich versuche daher, so viel Zeit wie möglich mit ihr zu verbringen. Die Silberhochzeit haben meine Frau Gerti und ich letztes Jahr in großer Dankbarkeit und mit viel Freude gefeiert; auf unsere zwei Söhne sind wir sehr ebenfalls sehr stolz. Unser jüngerer Sohn Thomas geht in meine berufliche Richtung und studiert in Puch/Urstein auf der FH „Green Building – Design und Engineering“. Der ältere Sohn Daniel befindet sich gerade im Rahmen seines Masterstudiums auf einem Auslandssemester in Schweden.
Abschließende Worte?
Rotter: Die Natur braucht uns nicht – wir sind auf diesem Planeten nur „geduldet“ und sollten mit den Ressourcen viel cleverer umgehen. Wir Installateure „wissen, wie´s geht“ und haben für jede Herausforderung eine kundenorientierte und wirtschaftliche Lösung zur Hand. Am besten ist die Energie, die nicht benötigt wird!
Vielen Dank für das Gespräch und viel Erfolg weiterhin!

Auch Landeslehrlingswart MMst. Albert Schinwald war so freundlich und hat uns einige Fragen beantwortet.
Thema Skills und Lehrlingswettbewerbe – sind Sie zufrieden mit den Leistungen?
Auf nationaler Ebene, insbesondere bei den Austrian Skills, nimmt Österreich eine führende Rolle ein und bewegt sich auch im internationalen Vergleich auf einem sehr hohen Niveau. Die Leistungen der Teilnehmer sind beeindruckend, vor allem unter dem hohen Zeit- und Wettbewerbsdruck.
Für Salzburg zeigt sich ein solides Bild mit kontinuierlicher Entwicklung. In den letzten Jahren konnten sich unsere Teilnehmer regelmäßig im guten Mittelfeld positionieren, mit Tendenz nach oben. Gleichzeitig ist der Wettbewerb sehr anspruchsvoll, da auch die anderen Bundesländer starke Leistungen bringen und kontinuierlich auf hohem Niveau arbeiten.
Grundsätzlich besteht immer Potenzial zur Weiterentwicklung. Die Herausforderung liegt weniger bei den Lehrlingen selbst, sondern vielmehr im Umfeld. Gerade bei Spitzenkandidaten ist es oft schwierig, die notwendige Zeit für intensive Vorbereitung freizumachen, da diese im Betrieb stark eingebunden und entsprechend schwer entbehrlich sind. Umso wichtiger sind gezielte Unterstützung, Motivation und Rückhalt durch Betriebe und das persönliche Umfeld.
Was sind die wichtigsten Aufgaben des Teams – können Sie unseren Lesern bitte die Zuständigen in Sachen Lehrlingsbeauftragten vorstellen?
Als Landeslehrlingswart liegt mein Schwerpunkt nicht im schulischen Bereich, sondern in der organisatorischen und fachlichen Betreuung der Lehrlinge im Rahmen der Wettbewerbe auf Landes- und Bundesebene.
Zu meinen zentralen Aufgaben gehört die Koordination zwischen Kandidaten, Betrieben und Veranstaltern, um eine reibungslose Teilnahme an nationalen Bewerben sicherzustellen. Dazu zählen unter anderem die Bereitstellung und Organisation von Materialien, die Wartung und Aktualisierung der Werkzeuge sowie die Sicherstellung, dass sämtliche Arbeitsmittel dem aktuellen Stand der Technik entsprechen.
Eine besondere Herausforderung stellt die laufende Anpassung der Wettbewerbsanforderungen dar. So wurde beispielsweise für die aktuellen Meisterschaften ein neuer, praxisorientierter Arbeitsplan auf dem Stand 2026 eingeführt. Dabei wird neben der fachgerechten Ausführung insbesondere auf höchste Maßgenauigkeit geachtet, bereits geringste Abweichungen im Millimeterbereich führen zu Punkteabzügen. Diese Präzision verlangt den Teilnehmern ein hohes Maß an Konzentration, Fachkompetenz und Übung ab.
Darüber hinaus bin ich in verschiedenen Fachausschüssen tätig, insbesondere im Arbeitsausschuss für Aus- und Weiterbildung. Dort beschäftigen wir uns mit der Weiterentwicklung der Lehrlingsausbildung bis hin zur Meisterprüfung, einschließlich der inhaltlichen Gestaltung von Ausbildungsordnungen und Prüfungsanforderungen. Aktuell wird auch das Berufsbild modernisiert, um den technischen und wirtschaftlichen Anforderungen der Zukunft gerecht zu werden.
Zusätzlich wirke ich im Arbeitsausschuss Normen und Technik mit. Ein aktueller Schwerpunkt liegt dabei auf der sicheren und normgerechten Umsetzung von Propan-Wärmepumpensystemen. Aufgrund der physikalischen Eigenschaften von Propan, insbesondere seiner höheren Dichte gegenüber Luft und seiner Entzündlichkeit, sind hier höchste Sicherheitsstandards erforderlich. Ziel ist es, klare technische Richtlinien zu definieren, die sowohl den gesetzlichen Vorgaben entsprechen als auch eine sichere Installation und Nutzung gewährleisten.
Insgesamt ist die Tätigkeit als Lehrlingswart sehr vielseitig und reicht von organisatorischen Aufgaben über fachliche Weiterentwicklung bis hin zur aktiven Mitgestaltung der Zukunft unseres Berufsstandes.
