PV und Solar: Zwei Seiten einer Medaille, geeint durch die Liebe zur Energiegewinnung aus der Sonne. | © Nussbaumer
Wie ist es um die Branche bestellt – wie sieht es in Richtung PV und Solar aus und diesbezüglich vor allem in Richtung Handwerk?
Rimpler: Wir sind ja sehr international unterwegs aber für uns ist Österreich natürlich sehr wichtig. Die Branche hinkt im Augenblick etwas hinter den selbstgesteckten Ausbauzielen hinterher – es ging vom starken Wachstum hin zu einem eher flacheren, jedoch auf hohem Niveau. 2025 gab es ein Wachstum von ca. 1 GW Peak. Weiters sind Bestandsanlagen bzw. das „Repowering“, vor allem von größeren Anlagen, ein wichtiger Bereich.
In Bezug auf das Handwerk benötigt es gut ausgebildete Handwerker, da die Anlagen immer komplexer werden.
Hackstock: Die Solarwärme ist im Vergleich zur Photovoltaik ein schlafender Riese. Ihre Nutzung ist nach wie vor zu gering und wir arbeiten noch mit vielen anderen – leider oft fossilen – Energieträgern.
Warum würden Sie Ihre jeweilige Technologie, Bauherren oder Sanierern ans Herz legen?
Rimpler: Bei der Revitalisierung von bestehenden Anlagen aber auch im Neubau heißt Überschussproduktion nicht mehr nur „automatisch einspeisen“, sondern dieser Überschuss bedeutet viel mehr, dass ich ihn sinnvoll im eigenen Gebäude verwenden soll.
Hackstock: Die Solarenergie ist die billigste und preisstabilste Energiequelle, die wir haben. Nur bei der Solarwärme weiß man, was die Kosten der nächsten Jahre sein werden. Da sind die Betriebskosten mit der Investition von Beginn an bereits bezahlt – egal wie sich die Märkte entwickeln.
Das Elektrizitätswirtschaftsgesetz (ElWG) ist nun endlich beschlossen worden. Da hat es kurz so ausgeschaut, als würde dieses günstige Stromgesetz den Strom teurer machen. Zumindest haben das die Interessenverbände bekrittelt. Wie kann denn so was passieren bzw. sind Sie mit dem Endergebnis zufrieden?
Rimpler: Ich will das politisch nicht kommentieren; das ist umgesetzt und es wurde eine Zweidrittelmehrheit gefunden. Was der Kunde zahlt, sind jedoch nicht nur die Strompreise, sondern vor allem die Netztarife. Da wird es leichte Anstiege geben; hinzukommen damit einhergehende Steuern. Die Netze werden tendenziell anspruchsvoller. Aber ich stimme Roger zu, mit einer Investition in Solartechnik (egal welche) weiß man von Beginn, was diese bringen wird.
Hackstock: Das Elektrizitätswirtschaftsgesetz betrifft die Solarwärme nicht; bei uns ist es eher das Wärme-Gesetz, das nach wie vor fehlt. Das eben den Austausch von fossilen Heizungen durch erneuerbar Heizungen regelt und in diesem Fahrwasser auch der Solarwärme den Weg ebnen kann.
Eine provokante Frage zwischendurch: Was hielt man bei my-PV von der Idee, dass Photovoltaikhersteller den Netzausbau finanziell stützen?
Rimpler: Das ist ein interessanter Ansatz; eigentlich reden wir ja immer davon, dass wir diese Technologien unterstützen wollen, statt die Hersteller zu bestrafen.
Es wird von Entscheidungsträgern, Gebäudetechnikern und Nutzern Energie- und Technologie-Unabhängigkeit gefordert. Einerseits wegen der Gasunabhängigkeit von Russland (vor allem in den letzten Jahren) und andererseits, um die Fertigung der Paneele im eigenen Land zu halten. Hat da die Solarthermie die Nase vorn?
Rimpler: Ich fange mal bei der Wertschöpfung an, die sich am Beispiel der PV ganz leicht erklären lässt. Der Vorwurf lautet, die PV-Module kommen überwiegend aus China. Dort gibt es wettbewerbsfähige Hersteller. Aber – je nach Anlagengröße – gehen lediglich 15 bis 17 Prozent der Anlagenkosten nach China. my-PV Produkte werden in Österreich entwickelt und produziert. Hinzu kommt außerdem der m. M. n. wichtige Fakt, dass viel der Wertschöpfung trotzdem beim Handwerk liegt – hier haben wir garantierte lokale Wertschöpfung.
In Bezug auf die Technologieoffenheit muss ich fast schmunzeln. Solarthermie bekommt einen Solarbonus von ca. 2.500 Euro Grundförderung pro Anlage. Für die PV-Wärme gibt es gar nichts. Somit haben wir förderungstechnisch keine Technologieoffenheit. Auf der anderen Seite bin ich sehr wohl dafür, dass wir CO2 besteuern und auch fossile Energien, weil diese eben nicht mit ihren wahren Kosten besteuert sind.
Wie sieht das die Solarthermie-Seite?
Hackstock: Eine Förderung der PV gibt es immer noch. Es gibt leider auch nach wie vor klimaschädlichen Subventionen, die sich immer noch in einer Größenordnung von 4 bis 5 Milliarden Euro pro Jahr bewegen, wie der Klimafond und das Wirtschaftsforschungsinstitut schon mehrfach ausgerechnet haben. Das ist eben ein ungleicher Wettbewerb; wenn das wegfiele, bräuchte man die Förderung der erneuerbaren auch nicht mehr.
PV wie auch Solarwärme werden bis heute gefördert – vielleicht nicht in dem Marktsegment von my-PV, aber in der restlichen Photovoltaik schon. Früher war die Förderung bei PV bei den Kleinanlagen viel besser als bei Solarthermie; erst in den letzten Jahren ist bei den Kleinanlagen durch die Investitionszuschussförderung eine ungefähre Gleichrangigkeit erreicht worden. Wir leben in sehr turbulenten Zeiten, wo man merkt, dass wir uns auf Wirtschaftspartner und Lieferketten nicht mehr verlassen können. Deswegen ist dieses „Made in Europe“ bzw. „Made in Austria“ so in den Vordergrund gerückt. Wir dekarbonisieren Deutschland, Italien, die Schweiz mit unserer Technologie und helfen dort den Haushalten und Betrieben, ihre Wärmeversorgung von Öl und Gas wegzukriegen. Da sind wir als Solarthermie ein Export-Kaiser.
Rimpler: China hat sich immer schon Bereiche herausgegriffen, die es industriestrategisch voranbringen möchte. Das haben wir in Europa nicht ganz so sauber gemacht; jetzt kommt die EU gerade drauf, dass manche Industriezweige nur schwer aufrecht zu erhalten sind. China hat die PV quasi steuerlich im Voraus subventioniert und hört nun damit auf, weil sie ohnehin vorne mit dabei ist. Man kann es aber auch so sehen, dass China massiv die Energiewende in Europa unterstützt hat. Anfang der 90er Jahr haben wir die Vorteile der Globalisierung positiver gesehen. Ich denke schon, dass wir wieder zurückkehren müssen zu dem Punkt, die Probleme des Planeten gemeinsam zu lösen.
Wir haben bereits zuvor die Unterscheidung zwischen Klein- und Großanlagen gehabt. Jetzt würde mich bei my-PV interessieren, wie das umsatzmäßig im Geschäftsanteil aussieht?
Rimpler: Der überwiegende Anteil geht bei uns in den sogenannten Residential-Markt; das sind die üblichen Dachanlagen von etwa 1 bis 20 kWp für die Warmwasserbereitung und die Heizungsunterstützung. Wir vertreiben über das Fachhandwerk und über Großhändler und wissen wir oft gar nicht, dass ein Projekt entstanden bzw. abgeschlossen ist – das macht es schwierig das Ganze prozentuell fest zu machen.
Anschlussfrage zu Stromspeichermöglichkeiten: wie stark haben die in den letzten Jahren zugelegt (Anm.: etwa auf Grund der Netzkostenproblematik oder wegen des Blackout-Themas)?
Rimpler: Die Tendenz geht ganz klar in Richtung Speicherung und hin zur Maximierung des Eigenverbrauchs. In Deutschland sehen wir Einspeisetarife, die mit dem Stromangebot zusammenhängen, da werden quasi zwangsläufig Batterien dazu gebaut. Das ergänzt sich sehr gut mit anderen Technologien. Ein Projekt-Beispiel dazu: Ein Einfamilienhaus, das mit einer Wärmepumpe beheizt ist; dennoch bleibt PV-Überschuss über die Wärmepumpe und über den Batteriespeicher hinweg, um zusätzlich mit unseren Produkten Heizungsunterstützung zu betreiben.
Wird das auch im mehrgeschossigen Wohnbau zunehmend genutzt?
Rimpler: Ich würde sagen ja. Man kommt schön langsam drauf, dass man die konventionelle Art der Warmwasserbereitung mit unseren Lösungen kombinieren kann. Es gibt ein schönes Projekt in Wien, wo unsere Technik als Unterstützung einer Fernwärme-Übergabe-Station eingesetzt wird. Die Wärmeverteilung im Haus – im Besonderen die Warmwasserbereitung – ist wirklich verlustbehaftet; da muss alleine schon aufgrund der Legionellen-Anforderungen permanent zirkuliert werden. Darum macht dezentrale Warmwasserbereitung in den Wohneinheiten mit unserer Technik Sinn.
Gibt es neue Speichermöglichkeiten, die sich bei der Solarthermie aufgetan haben?
Hackstock: Beim Warmwasserspeicher selbst hat sich nichts verändert. Es wird seit 20 Jahren an chemischen Speichern geforscht, die über den Prototyp allerdings leider nie hinausgekommen sind. Die zwei großen Richtungen in den letzten Jahren waren das Gebäude als Speicher (Anm.: Bauteilaktivierung) und die Eisspeicher; vor allem Wärmepumpe, Solarthermie und Eisspeicher in Kombination. Ein Beispiel hierfür ist der IKEA in Wien – es sind jedoch hauptsächlich Gewerbekunden, keine Privathaushalte. Häufiger stößt man auf Projekte, die mit Bauteilaktivierung realisiert werden; vor allem wegen der Doppelnutzung mit der Kühlung. Dank einbetonierten Wasserschlangen – etwa in der Zwischendecke oder im Fundament – kann das Gebäude im Sommer gekühlt und natürlich auch im Winter beheizt werden. Dafür ist die Solarwärme ideal, weil das eine Heizung mit geringer Vorlauftemperatur ist und damit auch die Laufzeit der Solarwärmeanlage verlängert wird.
Abschließend würde mich noch interessieren, wie sehen Sie mögliche zukünftige Entwicklungen für PV- und Solarthermie?
Hackstock: Wenn die Wärmewende komplett vollzogen wird – wovon wir leider noch weit entfernt sind, weil zwei Drittel Österreichs wärmetechnisch noch fossil versorgt wird –, dann wird die Solarwärme gebraucht werden und zwar als preis- und auch versorgungsstabile, vor Ort verfügbare Energiequelle. Das würde die Biomasse, von der wir auch nicht unendlich zur Verfügung haben, für die „Winterlücke“ schonen und Stromspitzen im Netz wegen der vielen Wärmepumpen verhindern.
Rimpler: Strom ist der Energieträger der Zukunft. Das wird noch stärker in der Wärmebereitstellung Einzug halten – in der Warmwasserbereitung und in der Raumwärme, aber auch im Bereich der Elektrowärme. Da gibt es bereits reale Betriebserfahrungen mit einem rein elektrischen Heizungssystem, das PV-unterstützt wird, und das erstaunlich gute Effizienzwerte aufweist.
Danke für das spannende Gespräch!
