Petar Nikic, ist einer von vielen engagierten Lehrern an der BS Mollardgasse in Wien. | © Martin Pechal
Wie lange sind Sie bereits Lehrer an der Berufsschule und was unterrichten Sie?
Petar Nikic: Seit September 2016 bin ich als Lehrer an der Berufsschule tätig. Ich unterrichte ausschließlich theoretische Fächer; darunter angewandte Installationstechnik, Umwelttechnik, Projektmanagement, Computerunterstütztes Fachzeichnen sowie Laborübungen.
Parallel zu meinen Aufgaben an der Berufsschule bin ich seit 2019 in der Erwachsenenbildung tätig. Im Werkmeister- und Meisterkurs unterrichte ich die Fächer Angewandte Informatik, Heizungstechnik mit Schwerpunkt Heizlastberechnung sowie alternative Energiesysteme. Darüber hinaus bin ich auch im Unternehmerkurs für das Fach Fachkalkulation verantwortlich. Seit 2022 bin ich außerdem als kommissioneller Prüfer – sowohl in der Werkmeisterschule als auch im Unternehmerkurs – tätig. Die Anforderungen sind sehr unterschiedlich.
Inwiefern haben sich die SchülerInnen in den letzten Jahren verändert?
Nikic: Die SchülerInnen sind definitiv ernster geworden in den letzten Jahren; gleichzeitig ist der Respekt etwas verloren gegangen. Nach Corona ist die Motivation gesunken. Viele sagen, dass der normale Schuldruck gefehlt hat – und das ist leider so geblieben. Hinzu kommt eine wachsende Abhängigkeit von elektronischen Geräten; die Schüler merken es und betiteln es mittlerweile selbst als „Handysucht“. Soziale Kontakte gehen nicht zuletzt dadurch immer mehr verloren. Schüler werden kälter, emotionsloser und ihr Bezug zur Realität geht schleichend verloren. Es werden da oft falsche Werte und Illusionen vermittelt.
In den letzten zwei Jahren kommt auch der Einsatz von KI (Künstlicher Intelligenz) – u. a. mit Anwendungen wie ChatGPT – immer häufiger vor. Schüler tun sich schwer, zwischen Wahrheit und Fake zu unterscheiden. Das fördert Unsicherheit – in Bezug auf finanzielle Ängste, Kriege und diverse diffuse andere Bedrohungen. Das Arbeiten mit KI erfolgt oft ohne Hinterfragen und logisches Mitdenken. Das Erwärmen von 160 Liter Badewasser mit einem 20 kW Gasgerät, dauert dann etwa 42 Stunden, was natürlich Unsinn ist – aber keiner hinterfragt die Ergebnisse – der KI wird geglaubt …
Sind die Installateure „speziell“ im Vergleich zu anderen Berufsgruppen?
Nikic: Ja, absolut. Für viele zählt das Credo „Einmal Installateur immer Installateur“. Man wird nicht als Installateur geboren, man wächst hinein. Ältere Monteure geben nicht nur Wissen und Techniken weiter, sondern auch bedeutende Werte und Tugenden die Handwerker haben müssen. Installateure verbinden alte Handwerkskunst mit neuen Techniken; sie sind Allrounder. Zudem ist die Verantwortung im Job groß – wir arbeiten tagtäglich mit dem Element und Grundnahrungsmittel Wasser, das die Menschheit zum Überleben braucht. Gebäudetechniker sind wichtig und nicht ersetzbar!
Was mögen Sie am meisten an Ihrer Arbeit?
Nikic: Durch den Lehrerjob lernt man innerhalb kurzer Zeit, sehr viele Menschen und Charaktere kennen und begleitet sie bei ihrer Persönlichkeitsentwicklung. Es ist mir eine große Ehre jungen Menschen mein Wissen weiterzugeben. Wir sind alle diesen Weg gegangen und kennen die Herausforderungen unserer Lehrlinge. Durch die Arbeit mit jungen Menschen halten wir uns selbst geistig jung.
Was sind die größten Herausforderungen im beruflichen Alltag?
Nikic: Wir haben viele neue Kollegen in den letzten Jahren dazubekommen; das hat neuen Schwung in den Lehrkörper gebracht. Dass nicht alles immer rund läuft, ist klar. Es braucht Zeit, bis sich alles einspielt. Moderne Medien wie PC, Beamer und Laptop mit den traditionellen Strukturen der „alten Schule“ zu verbinden, ist eine spannende und herausfordernde Aufgabe; gerade in dieser Verbindung von Bewährtem und Neuem liegt großes Potenzial für einen lebendigen und zeitgemäßen Unterricht.
Wo sehen Sie realistische Verbesserungsmöglichkeiten innerhalb des Systems?
Nikic: Ich möchte folgende Punkten nennen:
Ein eigenes WLAN innerhalb des Gebäudes – die Problematik mit dem Handynetz in der „Burg“ sind bekannt (dicke Mauern, schlechter Empfang); einen Arbeitsplatz für jeden Lehrer; Abbau des Bürokratismus – wir wollen Wissen vermitteln und nicht Zeit mit Bürotätigkeiten verschwenden; wenn wir etwas brauchen, wird es oft schnell langwierig; man denke nur an Freigaben vom Magistrat (z. B. für wichtige Utensilien wie Beamer); ein großer und wichtiger Wunsch wäre die Inflationsanpassung – mehr Budget pro Lehrling für Material in den Werkstätten. Viele Übungen können allein aus Materialgründen nicht durchgeführt werden.
Das KUS Netzwerk (www.kusonline.at) bietet ein umfangreiches Programm – von Seminaren über Unterstützung für Nachhilfe bis hin zu Veranstaltungen wird da viel geboten; wie nützen Sie das Angebot als Lehrer und warum? Wird es von Schülern ausreichend in Anspruch genommen?
Nikic: Während der aktiven Lehrzeit, wird es tatsächlich etwas weniger genützt. Oft jedoch später – z. B. als Vorbereitung für die Lehrabschlussprüfung, da viele Kurse wie LAP-Vorbereitungskurse und Schweißkurse, erst nach der Schulzeit gemacht werden.
Gibt es Vernetzung unter den BS-LehrerInnen über die Landesgrenzen hinaus?
Nikic: Praktisch gar nicht. Leider ist der tägliche Stress so hoch, dass Networking nicht über Bundeslandgrenzen hinaus geht. Alle paar Jahre kommen Delegationen aus anderen Ländern, um sich unser duales Ausbildungssystem anzusehen.
Haben Sie neben Ihrer Lehrtätigkeit und den notwendigen Administrations-To-Dos die Zeit und die Energie für andere Tätigkeiten?
Nikic: Diese Gabe und intrinsische Motivation haben glücklicherweise viele LehrerInnen – wir sind quasi unerschöpflich. Gewisse Aktionen und Schulprojekte ergeben großen Sinn, da die Unterrichtsqualität damit besser wird. Unser Direktor, Bernhard Swatek, hat vor einem Jahr ein Projekt namens „Lernpaket“ ins Leben gerufen; der Lehrstoff wird darin in kleine Lernpakete eingeteilt, am Stand der Technik aktualisiert und kontinuierlich verbessert. In den vergangenen 30 Jahren ist noch nie so viel Unterrichtsmaterial in so kurzer Zeit aufbereitet und angepasst worden.
Vielen Dank für Ihre Antworten und alles Gute weiterhin!

Im Gespräch mit Anna Beaucamp und Airadin Dalipi – beides Schüler aus der Klasse von Petar Nikic. Sie absolvieren die Gebäudetechnik Lehre unterstützt von AMS und Waff:
Warum hast du dich für die Ausbildungsrichtung und die Lehre entschieden?
Beaucamp: Ich habe im Bereich Wasserversorgung studiert sowie meine Abschlussarbeit geschrieben und wollte von der Theorie in die Praxis; ein weiterer Grund war der Respekt (vor der Relevanz) der Wasser- und Gasinfrastruktur.
Dalipi: Es hat mich immer schon interessiert, einen handwerklichen Beruf auszuüben und da mein Onkel einen Installateursbetrieb hat, fiel die Wahl leicht.
Was gefällt dir am besten an der Ausbildung und in der Schule?
Beaucamp: Ich mag die KollegInnen; wir sind alle wieder Schüler und machen uns irgendwie eine
gute Zeit daraus; manchmal batteln wir uns, oft helfen wir uns aus.
Dalipi: Mir gefällt das selbstständige Arbeiten in der Schule, die Möglichkeit mich in der Arbeit einbringen zu können und auch das Gelernte zu Hause gleich umsetzen zu können – aktuell saniere ich mein Bad.
Wo liegen für dich die größten Herausforderungen?
Beaucamp: Allgemein darin wieder in der Schule zu sein und der mitunter doch etwas staubig pädagogische Ansatz bzw. Lehrplan.
Dalipi: Mich fordert der Blockunterricht, also der Wechsel zwischen Schule und Praxis.
Euer Lehrgang ist Waff- und AMS-gestützt – was bedeutet das für euch als SchülerInnen?
Beaucamp: Teilweise ist es ein großer bürokratischer Aufwand – z. B. eine Krankmeldung muss ich telefonisch an alle Beteiligten (Waff, AMS, Lehrherr, Schule) kommunizieren.
Dalipi: … genau, und bei der Gesundschreibung wieder dasselbe.
Beaucamp: Wir haben aber auch Counseling-Gespräche und grundsätzlich ist es ein super Angebot für QuereinsteigerInnen.
Dalipi: Das Angebot an sich ist sehr hilfreich und war für mich ausschlaggebend, die Lehre machen zu können bzw. nicht von vorne beginnen zu müssen, nachdem ich die Lehre schon einmal abgebrochen hatte.
Was möchtest du anderen Interessierten mit auf den Weg geben?
Beaucamp: Sanitärinstallationen sind etwas lebenswichtiges – es ist ein Handwerk und ein Berufsstand ohne dem die Menschen nicht auskommen können. Wir sind zukunftsrelevant.
Dalipi: Grundinteresse ist Voraussetzung!
Was sind deine Pläne nach Abschluss?
Beaucamp: Raus aus der Lehre und rein in die Praxis!
Dalipi: Auf jeden Fall im Betrieb zu bleiben und zumindest noch zwei Jahre Praxis-Erfahrung als Facharbeiter sammeln.
Vielen Dank für eure Antworten und alles Gute weiterhin – viel Erfolg!
