Dr. Elisabeth Berger ist Interessenvertreterin der Heizungsindustrie bei der Vereinigung Österreichicher Kessellieferanten (VÖK).
VÖK
Die Welser WE BUILD liegt gefühlt schon wieder eine Ewigkeit zurück. Am Anfang der COVID-19-Pandemie sprach manch einer sogar von einer neuen Zeitrechnung – „vor bzw. nach COVID“ … Auch wenn wir dem gewohnten Kalender treu bleiben wollen – die Wärmewende beschäftigt uns ungebremst. Dazu sprach „Der österreichische Installateur“ mit Dr. Elisabeth Berger vom VÖK darüber, was dieses Jahr alles passiert ist und noch passieren soll.
Im Moment wird gerade stark das Förder-Programm „Raus aus dem Öl“ forciert – wie ist dazu die Position des Kesselverbandes?
Dr. Elisabeth Berger: Positiv ist, dass der Fokus nun verstärkt auf die Gebäudetechnik anstatt auf die Gebäudehülle gelegt wird. Energieeinsparung wird vor allem im Gebäudebestand vorwiegend mit hochwertiger Gebäudetechnik erzielt. Als nicht zeitgemäß erachten wir Technologieverbote und Innovationshemmnisse, wie sie bei diesem Förderprogramm implizit festgeschrieben werden. Das oberste Ziel sollte die Reduktion des Energieverbrauchs sein und die Vermeidung von noch mehr CO2-Eintrag in die Atmosphäre.
Parallel dazu ist die Wärmepumpe ungebrochen auf Erfolgskurs; sieht das der VÖK als Segen oder Fluch?
Berger: Wärmepumpen sind eine großartige Technologie und vielfältig einsetzbar. Darum erfreuen sie sich auch großer Beliebtheit. Es gibt aber viele Gebäude, bei denen es nicht sinnvoll ist, und darum gibt es eben auch eine Vielfalt an Holzkesseln, Brennwertthermen und -kesseln, Solarthermie etc.
„Green Gas“ und „Green Oil“ sind – nachdem sie in den letzten Jahren große Hoffnungsträger für den Energiemarkt waren – nun doch nicht überall für den privaten Gebrauch zugelassen – ist hier das letzte Wort gesprochen oder gibt es noch Chancen für den Betrieb von Thermen und Kessel?
Berger: Tatsächlich ist der „all elctric“-Ansatz kläglich an der Realität gescheitert. Seit vielen Jahren wird Strom aus PV und Wind in den Medien gehypt und entsprechend hoch gefördert – mit dem Ergebnis, dass nicht einmal zwei Prozent unseres Energiebedarfs damit gedeckt werden können (rechnerisch natürlich). Jedem verantwortungsvollen Energiepolitiker ist klar, dass unser Energiebedarf ohne Gas und Öl noch lange nicht gedeckt werden kann. Selbst wenn alle Äcker und Wiesen in Österreich mit PV-Panelen überdacht sind und dazwischen Windräder reingepackt werden, wird es nicht ausreichen, um unseren Energiebedarf so zu decken. Die Vorstellung, dass wir nun viele „Mellachs“ bauen, wo in technisch hocheffizienten KWK Strom und Wärme produziert wird, ist sicher für die Energieversorger ein interessantes Modell. Allerdings werden diese Anlagen natürlich mit Gas betrieben und der tatsächliche Wirkungsgrad ist eher bescheiden, da die Wärme nur teilweise verwendet werden kann – der Rest verpufft ungenutzt. Mit noch mehr Steuer- und Fördergeld (die Stromrechnung ist schon jetzt voll mit Umlagen und dgl.) ist das für wenige ein interessantes Modell – ökonomisch ist es sicher nicht. Und wer will schon bei Strom und Wärme von einem Konzern abhängig sein? Die meisten Menschen stellen sich unter Energiewende Unabhängigkeit vor und wollen eher Strom und Wärme selbst vor Ort produzieren. Wenn wir nicht sehenden Auges von der Pandemie ins Blackout laufen wollen, dann braucht es alle Aggregatsformen der Energieträger – aber weniger davon und möglichst erneuerbar. Ich warte bis dato vergeblich auf ein realistisches Szenario, wie Gas und Öl substituiert werden sollen.
Hat der VÖK Ideen, wie die Energie- und Klimakrise gelöst werden könnte?
Berger: Nur durch Reduktion! Wir setzen auf den Einsatz effizienter dezentraler Wärme- und Warmwasserlösungen, die nur genau das produzieren, was tatsächlich zu einem bestimmten Zeitpunkt und in ausreichender Menge benötigt wird. Der Maßstab ist der geringstmögliche Energieeinsatz – das trifft Brennwertkessel mit Solareinbindung, Wärmepumpen und Hybridgeräte mit PV-Einbindung, aber natürlich auch Brenstoffzellen. Der Bürger muss die Chance haben, sich aktiv einzubringen und Verantwortung zu übernehmen, ein Bewohner einer zentral beheizten Wohnung kann das nicht. Österreich setz stark auf den monovalenten Ansatz – Deutschland forciert Hybridlösungen: Kann eine Wärmepumpe ihre Stärken im Sommer und in der Übergangszeit ausspielen, so ist im kalten Winter ein Kessel deutlich effizienter. Gleichzeitig wird der Betreiber von Energiepreisen unabhängiger – aber vielleicht ist das hier gar nicht erwünscht …
Wie sehr kam bzw. kommt COVID der Wärmewende in die Quere? Gab es signifikante Einbrüche im Umsatz oder sind die Kesselhersteller weitestgehend unbeschadet durch die Krise gesteuert?
Berger: Ganz im Gegenteil – die Menschen waren im Homeoffice tätig und wurden mit Homeschooling zusätzlich belastet. Die eigene Wohnung bzw. das eigene Haus ist ganz stark in den Mittelpunkt des Interesses gerückt. War es vor Corona wichtiger, in toll ausgestatteten Hotels Wellnessurlaub zu machen, ist nun das eigene Haus bzw. die eigene Wohnung das Zentrum der Erholung. Hochwertige Heiz- und Warmwassererzeuger sind und waren weiterhin gefragt. Händewaschen und damit warmes Wasser ist als wichtigste Hygienemaßnahme bei den Menschen angekommen. Unsere Betriebe waren und sind gut ausgelastet, sodass sie rasch auf Schichtbetrieb umgestellt und alle Vorsichtsmaßnahmen getroffen werden konnten – so haben alle sehr bald wieder voll gearbeitet und sind dennoch gesund durch die Pandemie gekommen. Ölkessel wurden getauscht, allerdings wechseln viele auf automatische Holz- und Pelletskessel – die sind komfortabel und dank gut gesteuerter Verbrennung emissionsarm und rauchfrei. Hier sind die Verkäufe auf Vorjahresniveau, der Tausch von Öl zu Öl hat sich halbiert.
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