Kälte- und Klimatechniker Jonas Danninger aus Herzogsdorf in Oberösterreich | © SkillsAustria/Wieser
Von 22. bis 27. September treffen bei den WorldSkills 2026 in Shanghai rund 1.400 Nachwuchsfachkräfte aus mehr als 70 Ländern und Regionen aufeinander. In 64 Wettbewerbsberufen werden die Besten ihres Fachs ermittelt. Österreich reist mit 48 Teilnehmerinnen und Teilnehmern an und stellt damit nach Angaben von SkillsAustria das größte Team Europas.
Sieben Mitglieder des österreichischen Nationalteams waren bereits bei den EuroSkills 2025 im dänischen Herning im Einsatz. Sie bringen damit Erfahrung mit mehrtägigen Wettbewerben, Zeitdruck und internationaler Konkurrenz nach Shanghai. Dazu zählen die beiden Europameister Jonas Danninger und Elena Mathis sowie EM-Bronzemedaillengewinner Tarik Begeta.
Die Dimension der WorldSkills ist allerdings auch für sie neu. Für die Berufs-WM werden in Shanghai rund 1,2 Millionen Besucher erwartet.
Zwei Europameister treten erneut an
Jonas Danninger gewann 2025 EM-Gold in der Kälte- und Klimatechnik und wurde zusätzlich als „Best of Nation“ ausgezeichnet. In Shanghai muss der Mitarbeiter von Hauser Kältetechnik komplexe Kälte- und Klimaanlagen montieren, Fehler identifizieren und Systeme unter Zeitdruck in Betrieb nehmen.
„Der Europameistertitel ist schön. Aber in Shanghai hilft er mir nicht. Dort fängt alles wieder bei null an“, sagt Danninger. Für die Vorbereitung reiste er bereits zum Training nach China. Neben den fachlichen Aufgaben seien auch Rahmenbedingungen wie Zeitverschiebung und ungewohnte Umgebung Teil der Vorbereitung.
Ebenfalls als amtierende Europameisterin reist Elena Mathis nach Shanghai. Die Vorarlbergerin gewann bei den EuroSkills den Bewerb Hotel-Rezeption. Bei den WorldSkills werden unter anderem Reklamationen, Reservierungen, Verkaufsgespräche und unerwartete Situationen im Hotelbetrieb simuliert.
„Natürlich wird die Konkurrenz in Shanghai enorm stark sein. Aber genau deshalb fährt man zu WorldSkills. Man möchte herausfinden, wo man international steht und sein Bestes geben“, sagt Mathis.
Begeta will nach EM-Bronze erneut aufs Podium
Internationale Medaillenerfahrung bringt auch Tarik Begeta mit. Der Wiener holte bei den EuroSkills Bronze in der IT-Netzwerk- und Systemadministration.
Bei der WM muss er unter anderem Netzwerke planen, Server konfigurieren, Systeme absichern und technische Probleme unter Zeitdruck lösen. „Ich möchte mich immer mit verschiedensten Leuten messen – und WorldSkills ist dafür die perfekte Möglichkeit“, sagt Begeta.
Dass sich die Anforderungen in seinem Beruf laufend verändern, sieht er dabei als zusätzlichen Anreiz. Neue Technologien würden ständig neue Lernmöglichkeiten eröffnen und zugleich bestehende Abläufe verändern.
Nach Platz vier soll in Shanghai mehr gelingen
Nur knapp an einer EM-Medaille vorbeigeschrammt sind Hannes Sortsch und Sandro Flatz. Beide erreichten bei den EuroSkills Rang vier und wurden mit einer „Medallion for Excellence“ ausgezeichnet.
Maschinenbau-CAD-Techniker Flatz will die Erfahrung aus Herning nun für seinen zweiten internationalen Wettbewerb nutzen. „Natürlich beschäftigt einen der vierte Platz“, sagt er. „Man weiß, dass nicht viel auf eine Medaille gefehlt hat. Gleichzeitig ist genau das ein Ansporn für mich, noch härter zu arbeiten und es bei den WorldSkills besser zu machen.“
Auch Koch Hannes Sortsch sieht die Europameisterschaft vor allem als Vorbereitung auf die nächste Stufe. „EuroSkills waren für mich der erste echte Gradmesser auf internationalem Niveau. Dort habe ich gesehen, was möglich ist – und wo ich noch zulegen kann. Genau das nehme ich jetzt mit nach Shanghai“, sagt Sortsch.
In seinem Wettbewerb erfährt er erst vor Ort, welche Gerichte und Aufgaben zu bewältigen sind. Die Bandbreite reicht von spontanen Aufgabenstellungen bis zur Haute Cuisine. Bei den EuroSkills hatte ihm nach eigener Aussage ein einzelner Fehler eine mögliche Medaille gekostet.
EuroSkills-Erfahrung als Vorteil
Auch CNC-Fräser Deniz Mutun war bereits in Herning dabei. Eine Medaille gelang ihm dort nicht, die Erfahrung mit einem internationalen Großwettbewerb sieht er dennoch als Vorteil für Shanghai.
„In Herning war vieles neu für mich. In Shanghai werde ich deutlich besser vorbereitet an den Start gehen. Ich weiß heute besser, was mich erwartet und worauf es im Wettbewerb ankommt“, sagt Mutun. Sein Ziel formuliert er klar: „Wenn man bei WorldSkills antritt, dann möchte man natürlich ganz vorne dabei sein. Mein Ziel ist es, Gold für Österreich zu holen.“
Raphael Beutel bringt ebenfalls EuroSkills-Erfahrung mit. Bei den WorldSkills tritt er gemeinsam mit Oliver Pape im Teambewerb Industrie 4.0 an. Die beiden müssen Produktionsprozesse vernetzen, Systeme programmieren, Daten analysieren und bei Störungen reagieren. Für die sieben österreichischen Teilnehmer mit EuroSkills-Erfahrung bietet Shanghai damit die nächste internationale Standortbestimmung. Ihre bisherigen Ergebnisse reichen von EM-Gold und Bronze bis zu Platzierungen knapp außerhalb der Medaillenränge. Bei den WorldSkills treffen sie nun auf ein nochmals größeres Teilnehmerfeld – und beginnen wie die übrigen 41 österreichischen Teammitglieder wieder bei null.
