Zur Lehrlingssituation in Österreich

27.06.2023 | News, News

Franz D. Schnöller ist nicht nur Geschäftsführer der seit 1901 als Familienmeisterbetrieb geführten Firma BARWA –
er ist zudem Bundesinnungsmeister-Stellvertreter, Landeslehrlingswart und bildet auch selbst Lehrlinge aus.

Beste Voraussetzungen also, um über den aktuellen Status quo der Lehr­lingsaussbildung zu reden:

Wie bewerten Sie die Lehrlingssituation 2023 in Österreich?
SCHNÖLLER:
Ernüchternd. Vor allem die schulischen Leistungen und die Darbietun­gen bei den Lehrabschlussprüfungen sind teilweise katastrophal. Es besteht dringen­der Handlungsbedarf.

Wie könnte das konkret aussehen?
SCHNÖLLER:
Vorrangig wäre ein annä­hernd einheitlich hohes Ausbildungsniveau nach Abschluss der Pflichtschule unbedingt notwendig – neben den mangelnden Deutschkenntnissen sind vor allem die feh­lenden mathematischen Grundlagen pro­blematisch. Auf Grund der Facettenvielfalt unseres Berufs erscheint eine gewisse Aus­weitung unseres dualen Ausbildungssys­tems hinsichtlich einer Lehrzeitverlänge­rung bzw. einer Präferenzanpassung als erforderlich – eine diesbezügliche Entwurf­serarbeitung ist momentan im Gange.

Nachdem Sie als Bundesinnungsmeister-Stellvertreter zusätzliche Agenden hinzugewonnen haben, wer kümmert sich zukünftig um Wiens Lehrlinge? Oder geht sich der Landeslehrlingswart in Personalunion dazu aus?
SCHNÖLLER:
Momentan lässt sich das noch vereinbaren. Ich bin natürlich bereit, den Landeslehrwart abzugeben, sofern eine ge­eignete personelle Nachfolge gefunden wird.

Wer wird Österreich bei der Berufs-EM in Polen im September für unsere Branche vertreten? Und trauen Sie sich, eine vorsichtige Prognose über den Ausgang der Euroskills abzugeben?
SCHNÖLLER:
Unsere Teilnehmerin ist Julia Kirchner aus Tirol – sie befindet sich momen­tan schon in der Intensiv­Vorbereitung. Selbstverständlich gibt es eine Prognose: Österreich wird nach den EuroSkills im No­vember 2023 zumindest um eine Europa­meisterin reicher sein.

Ist für die WorldSkills Lyon 2024 schon alles ausgefightet oder sind diesbezüglich noch Entscheidungen offen?
SCHNÖLLER:
Die bevorstehende Staats­meisterschaft im Herbst 2023 in Salzburg dient als Qualifizierung für die nächstjähri­gen internationalen Bewerbe – es ist also noch alles offen.

Gibt es aktuell ein „Leuchtturm-Bundesland“, das als besonderes Vorbild in Sachen Lehrlingsausbildung hervorgehoben werden kann?
SCHNÖLLER:
Jedes Bundesland hat andere Herangehensweisen und gewisse Vorteile. Mittlerweile denke ich aber, dass hinsichtlich des Lernerfolgs Internatslösungen zielfüh­rend sind. Die Leitstellung eines Bundes­lands kann und will ich nicht feststellen – und das ist auch nicht unser Ziel.

Bitte nennen Sie drei Punkte, die Lehrlinge für die Erhöhung ihrer Erfolgschancen beherzigen sollten!
SCHNÖLLER:
Auf Grund der breiten Fäche­rung des Gewerbes wird jedenfalls eine ge­wisse Weiterbildung im Eigenstudium not­wendig sein. Die angebotenen Weiterbil­dungs­ und Nachhilfeangebote sollten un­bedingt angenommen werden. Mein konkreter Tipp an die Jugend: Bleibt interessiert – Google kann auch für berufli­che Zwecke verwendet werden und An­schauungsmaterial sowie Erklärungen zur Verfügung stellen.

Was sind die wichtigsten Agenden seitens der Bundesinnung in Hinblick auf die Lehrlinge unseres Landes?
SCHNÖLLER:
Momentan ist die Vereinheit­lichung der Lernziele bzw. der Prüfungsmo­dalitäten in allen Bundesländern im Gange. Außerdem wird eine Anpassung der Ausbil­dung bezüglich der diversen Alternativ-En­ergie-Umsetzungen unumgänglich sein.

Abschließende Worte?
SCHNÖLLER:
Die Aufstufung der Meister­ bzw. Befähigungsprüfung über Ingenieurni­veau ist eine klare Bestätigung für unser Handwerk. Es gibt einfach keine Alternative zum Ins­tallateur für das immer wichtiger werdende Wohlbefinden in den eigenen vier Wänden. Kommt auf die krisensichere Seite und wer­det Teil der österreichischen Installateure!

Vielen Dank für das Gespräch und alles Gute für Ihre Aufgaben!

Lesen Sie den ungekürzten Artikel auf Seite 12 der aktuellen Ausgabe 7-8/2023 oder am KioskAustria!

© Franz D. Schnöller

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