“Es gilt wieder Unternehmertum zu beweisen”

28.11.2025 | Branchenmeldungen, Slider

Unsere Interviewtour durch die Bundesländer führte uns zu Jahresende nach Vorarlberg zu Landesinnungsmeister Karl Heinz Strele. Die Zeiten, in denen man sich bequem zurücklehnen konnte sind vorbei, Unternehmertum ist wieder gefragt.

Die wirtschaftliche Situation in unserer Branche ist schwierig, auch 2026 ist keine Entspannung zu erwarten. Die Herausforderungen sind bekannt und gekommen um zu bleiben. Die Branche wurde lange durch eine anhaltende Hochkonjunktur verwöhnt, jetzt haben sich die Zeiten gewandelt. Es gilt gemeinsam Antworten zu finden.

Wie beurteilen Sie die aktuelle wirtschaftliche Lage? Wie ist das Jahr in Vorarlbergbisher verlaufen? Welche speziellen Hürden galt es zu nehmen?

KARL HEINZ STRELE: Die Situation in unserer Branche ist, wie generell im Bau und im Baunebengewerbe sehr herausfordernd und oftmals schwierig. Das stark reduzierte Neubauvolumen, der Wegfall der Förderungen im Heizungssanierungsbereich und eine generelle Investitionszurückhaltung ob der ständig negativen Wirtschaftsberichte in allen Medien sorgen für eine niedrigere und viel kurzfristigere Auslastung unserer Betriebe. Gleichzeitig hat der Preiskampf bei öffentlichen und privaten Ausschreibungen massiv zugenommen.

Was braucht es Ihrer Meinung nach um die Baukonjunktur wieder in Schwung zu bringen? Ab wann ist mit einem nachhaltigen Aufschwung zu rechnen?

STRELE: Wenn ich für diese Aufgabenstellung diese eine Lösung hätte, wäre ich vermutlich in kurzer Zeit reich oder zumindest berühmt. Eckpunkte dafür sind sicher Schaffung von Modellen für leistbares Wohnen, unter anderem mit einer Reduktion von Finanzierungshürden (Wohnbauförderung, Generationenkredite, steuerliche Begünstigungen etc.), die Schaffung von Investitionsanreizen sowie gemeinsame Anstrengungen zu unternehmen, wieder eine positive und zuversichtliche Geschäftsstimmung im Land zu erzeugen.

Förderungen gelten als unverzichtbar um die Wärmewende zu realisieren. Wie stehen Sie zu Förderungen? In welchen Bereichen gibt es Handlungsbedarf?

STRELE: Förderungen waren in den letzten Jahren ein starker Investitionstreiber und sorgten für ein starkes Umsatzwachstum bei unseren Betrieben, den Händlern und Herstellern. Leider auch mit allen ihren sich daraus ergebenden Nachteilen. Und leider haben sich viele Marktakteure und die Bevölkerung an Förderungen zur Marktbelebung gewöhnt. Generell bin ich für ein Zurückfahren eines Großteils der Förderungen, die breit über uns alle und oft grundlos verteilt werden. Gerade im Energie- und Heizungsbereich lassen sich andere sinnvolle Steuerungsinstrumente finden.

Vor kurzem wurde die Sanierungsoffensive 2026 mit den zentralen Förderungsschwerpunkten Kesseltausch und thermisch- energetische Sanierungen auf den Weg gebracht. Wie sind Ihre Erwartungen dazu?

STRELE: Ich hoffe auf eine Wiederbelebung der heuer schwachen Nachfrage und eine Zunahme von konkreten Aufträgen für 2026, um das vermutlich weiterhin schwache Neubaugeschäft etwas zu kompensieren.

Worauf kann sich die Branche im nächsten Jahr freuen?

STRELE: Eine wirtschaftliche Erholung und generelle Verbesserung der Stimmungslage. Weiters kommen interessante Entwicklungen im Bereich KI-unterstützter Software speziell auch für das Handwerk und Gewerbe auf uns zu.

Was sind die wichtigsten Herausforderungen für die Landesinnung in den letzten Wochen des Jahres? Blicken wir ein wenig weiter: welche Themen sind für Sie 2026 vorrangig? Was steht auf Ihrer Agenda?

STRELE: Wir führen derzeit intensive Gespräche mit der Wirtschaftskammerspitze hinsichtlich einiger Marktentwicklungen im Land. Weiters befinden wir uns mit der neuen Führung der Bundesinnung in einem spannenden Strategieprozess. Und natürlich sind wir bereits an den Vorbereitungen für die kommenden Veranstaltungen, Jahresgespräche, Netzwerktreffen etc., die bereits im ersten Quartal 2026 stattfinden werden. Im Dezember ist es terminlich bewusst eher ruhig, um sich dann ab Mitte Jänner wieder zu intensivieren.

Wie eng arbeitet Ihre Landesinnung mit anderen Bundesländern zusammen bzw. was kann man bei einem Blick über den Tellerrand lernen?

STRELE: Die Zusammenarbeit der Bundesländer untereinander ist sehr gut und vertrauensvoll. Alle Innungsmeister und die Geschäftsführerinnen und Geschäftsführer sind motiviert und bestrebt, das Beste für unsere Branche zu erwirken. Und ja, bei unseren mehrmaligen unterjährigen Treffen oder einem konkreten Kontakt im Anlassfall gibt es immer etwas zu lernen. Viele Dinge müssen nicht neu gedacht oder erfunden werden, wenn ein anderes Bundesland schon eine passende Lösung parat hat.

Gibt es Vernetzungen mit anderen Innungen (Metaller, Rauchfangkehrer, Fliesenleger o.ä.)? Wenn ja, welche?

STRELE: Wir pflegen ein langjähriges Netzwerk und den persönlichen Kontakt unter anderem mit den genannten Innungen mit regelmäßigem Austausch und Bereinigung oder Optimierung von allfälligen Schnittstellenproblemen, wie sie im gemeinsamen Bauablauf vorkommen können. Heuer haben wir uns zudem mit unseren deutschen Innungskollegen aus dem benachbarten Lindau zu einem interessanten Gespräch und Kennenlernen getroffen. Fortsetzung folgt.

Der Lehrlingsmangel beschäftigt die Branche seit vielen Jahren, wie stellt sich die Situation in Vorarlberg dar? Wie hoch ist der Anteil von weiblichen Lehrlingen? Was braucht es um einen Beruf in unserer Branche für Jugendliche attraktiv(er) zu machen? Durch welche Strategien ließe sich gegensteuern? Gibt es dazu Initiativen Ihrer Landesinnung?

STRELE: Leider ist auch unsere Branche von rückläufigen Lehrlingszahlen betroffen -sowohl bei männlichen als auch weiblichen Lehrlingen, letztere von einem bereits niedrigen Niveau. Wir als Innung sowie ein Großteil unserer Mitgliedsbetriebe investieren sehr viele Gedanken, Zeit und Geld für verschiedenste Initiativen, um künftige Lehrlinge für unseren schönen Beruf zu begeistern. Dass Handwerk und Lehre in der Bevölkerung, und hier spreche ich bewusst die Geschwister, Eltern und Großeltern an, allgemein ein mäßiges Image aufweisen, ist leider eine unangenehme Tatsache. Darüber gilt es nachzudenken, um gute Lösungen und Strategien zu finden.

Die Lehrlingsausbildung in Österreich wird reformiert, wie beurteilen Sie die Neuerungen?

STRELE: Wir sind mit den mehrheitlich beschlossenen Veränderungen nicht glücklich, werden und müssen diese jedoch umsetzen und nach Möglichkeit mitgestalten. Jedenfalls erwarten wir und vor allem unsere Berufsschule einige Herausforderungen, die gelöst und neu organisiert werden müssen.

Wie handhaben Sie die Lehrlings-Suche und -Ausbildung in Ihrem Unternehmen? Wie kann es gelingen gut ausgebildete Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen im Unternehmen zu halten?

STRELE: Unsere Lehrlinge erhalten bei uns eine sehr persönliche, praxisorientierte, aber auch fordernde Ausbildung in einem Familienbetrieb. Anerkennende Wertschätzung, eigenverantwortliches Handeln und interessante Aufgaben sind sicher ein Beweggrund für unsere Mitarbeiter, sich bei uns einzubringen.

Welche Bedeutung für den Installateur haben Fachmessen aus Ihrer Sicht? Was muss eine B2B Fachmesse heute „können“ um das nötige Interesse bei den Gewerbetreibenden Ihrer Branche zu finden?

STRELE: Das ist bekanntermaßen ein schwieriges Themenfeld, da die Besucher- und Ausstellerzahlen quer über einen Großteil dieser im Grunde wichtigen Messen schon viele Jahre rückläufig sind. In Zeiten von Internetinformationen, Online-Produktvorstellungen und -schulungen, Roadshows großer Konzerne oder Hausmessen großer Handelskonzerne, sowie immer knapper werdender persönlicher Zeitressourcen ist es schwierig, die notwendigen Besucher zu diesen Messeangeboten zu lotsen. Die Hauptaufgabe der Messeorganisatoren besteht sicher daran, den bleibenden Nutzen und das Erlebnis für die künftigen Besucher neu zu definieren und auch zu vermarkten.

Abschließende Worte?

STRELE: Wir wurden in den letzten Jahrzehnten durch eine anhaltende Hochkonjunktur verwöhnt und sind in vielen unternehmerischen Bereichen träge geworden. In den nun schwierigen Zeiten gilt es wieder Unternehmertum zu beweisen, sich zu entwickeln, zu lernen und mit Zuversicht die sich im Umbruch befindliche Wirtschaft für sich, die Mitarbeiter und unsere Branche zu gestalten.

Herzlichen Dank für das Gespräch!

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  • Relevantes aus dem Normenwesen

    02.12.2025 // SHL-Center Wien, Marksteinergasse 3, 1210 Wien
    Aktuelle Normen im Überblick: Die Schulung behandelt unter anderem ÖNORM B 2531 (Trinkwasserinstallationen), H 12828 (WW-Heizungsanlagen), H 5195-1 (Wärmeträger) und H 5155. Ziel ist es, Installateuren fundiertes Wissen zu aktuellen Entwicklungen und Anforderungen im Normenwesen zu vermitteln. Dauer: 9:00 bis 17:00 Uhr. Die Teilnahme ist kostenlos. Referent: Ing. Michael Mattes.

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    04.12.2025 // SHL-Center Wien, Marksteinergasse 3, 1210 Wien
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