Die Veranstaltungen auf der Burg Deutschlandsberg suchen ihresgleichen. | © Barbara Fürst
Am 9. Dezember war es wieder soweit, unter dem Motto „Initiativ für Österreich“ lud der VFE in Kooperation mit der WKO und Energie Netze Steiermark zum Dialog nach Deutschlandsberg. Die Burg bot wieder den perfekten Rahmen für die hochkarätig besuchte Veranstaltung, das traumhafte Winterwetter trug das Seine zu der außergewöhnlich guten Stimmung unter den Teilnehmerinnen und Teilnehmern bei.
Geothermie in Österreich
Den Start der Veranstaltung machte das schon bekannte Speed-Dating, bei dem ausgewählte Industriepartner kurz und kompakt ihre aktuellen Lösungen, Produkte und Komponenten zu Fragen der TGA und Haustechnik präsentierten. Parallel dazu fanden vor geladenen Gästen Round Table Gespräche statt. Hydro-Geologe Nikolaus Petschacher. BSC, MSc, Hydro GmbH, referierte zum Thema Geothermie in Österreich. Er zeigte auf, welch großes Potenzial in dieser Energieform in Österreich liegt. Sowohl die oberflächennahe wie auch die Tiefen-Geothermie können maßgeblich zur erfolgreichen Energiewende beitragen. Gerade bei zweiter Methodik scheitern Projekte allerdings oft an den extrem langen Vorlaufzeiten, immensen Kosten und nicht zuletzt auch an Nutzungskonflikten, wie zum Beispiel bei einem Projekt im Raum Fürstenfeld.
Vorzeigeprojekt zur energetischen Gebäudesanierung
Den Anschluss machte die Präsentation von Mariella Neuwirther, Leitung Geschäftsentwicklung der Roots Energy GmbH. Das Roots Haus in der Linzer Straße in Wien Penzing ist ein Beispiel- und Simulationsobjekt für die umweltfreundliche und emissionsfreie Wärmeversorgung. Das „Roots Haus“ zählt durch die Mustersanierung zu den Leuchttürmen der Wiener Wärmewende und dient dem Unternehmen als Firmenzentrale. Es gilt als Antwort, wie ein bewohntes Bestandobjekt kostengünstig umgerüstet werden kann, zum Einsatz kommen die unterschiedlichsten technischen Lösungen. Das zentrale Element dieses Projekts ist das Wärmesystem „Solethermie“. Aufbauend auf den Erkenntnissen des Leuchtturmprojekts „SmartBlock Geblergasse“ wurde das Gebäude von Gas auf eine hocheffiziente Wärmeversorgung umgestellt. Das Haus nützt die Umweltwärme aus Erde und Luft, die über Soleleitungen zu den einzelnen Geschoßen transportiert wird. Die sogenannten Solethermen, Mini-Sole-Wasser-Wärmepumpen, ersetzen die Gasheizung und sorgen für Raumwärme, Warmwasser und Temperierung im Sommer. Die Umweltwärme wird aus mehreren Quellen, wie Koaxial-Erdsonden, Tischkühler und Solarthermie-Kollektoren gewonnen. Zudem kommen ein Eisspeicher und Flächenkollektoren zum Einsatz.
Die Politik ist ein Dienstleistungsunternehmen
Im bis auf den letzten Platz besetzten Vortragssaal eröffnete Mag. Josef Wallner, Bürgermeister Deutschlandsberg das Hauptprogramm. Für ihn ist die Zusammenarbeit mit Gustav Gründler und seinem Team eine Art Musterschüler. Die Veranstaltungen auf der Burg Deutschlandsberg suchen ihresgleichen. „Gustav bringt Menschen zusammen, die sich um die Zukunft kümmern und etwas bewegen“, sprach er den Teilnehmerinnen und Teilnehmern aus der Seele.
Auch Simone Schmiedtbauer, Landesrätin für Wohnbau, Sanierung, Revitalisierung und Wasserwirtschaft ließ es sich nicht nehmen Gustav Gründler ausdrücklich für sein Engagement zu danken. Sie appellierte daran die Zukunft trotz der großen Herausforderungen optimistisch zu sehen. Sie will „Mut machen zum Durchhalten“. Die Energiewende ist nicht aufzuhalten und bietet Österreich auch wirtschaftlich große Chancen. „Wie schnell kommen wir in die Umsetzung? Was es braucht sind Allianz, Mut und Innovationskraft der heimischen Unternehmen, eine kreative Wissenschaft und nicht zuletzt die passenden Rahmenbedingungen von Seiten der Politik“, so die Landesrätin. Dabei zeigte sie sich auch durchaus selbstkritisch: „Ich bin in der Steiermark für den Wohnbau zuständig, fordert mich, nutzt mich aus! Politik ist keine Sache des Selbstzwecks, sondern ein Dienstleistungsunternehmen“, fasste sie ihr Verständnis zur Politik zusammen.
Der Energieschatz vor der eigenen Haustüre
Ein gutes Beispiel für ein innovatives, heimisches Unternehmen ist die Rabmer Bau- und Umwelttechnik. Mag. Ulrike Rabmer-Koller führt den Familienbetrieb in zweiter Generation. Sie zeigte auf, dass Energie aus Abwasser einen wesentlichen Beitrag zur Wärmewende im Wohnbau leisten kann. „Energie aus Abwasser ist erneuerbare Energie, steht ganzjährig ohne Speicher zur Verfügung. Gewonnen werden kann sie aus Kläranlegen, dem öffentlichen Kanal und auch im Inhouse-Bereich – zum Beispiel bei Gebäuden ab circa 60 Wohneinheiten, oder in der Hotellerie in Häusern ab rund 150Zimmern“, erklärte die Unternehmerin. Und zum Abschluss meinte sie: „Energie aus Abwasser – ein Energieschatz, die Quelle direkt vor der Haustür“.
Von der Pfanne in den Tank
Um die nachhaltige Energienutzung ging es auch im Vortrag von Ewald Marco Münzer, BA, MBA, geschäftsführender Gesellschafter Münzer Bioindustrie GmbH. Das international tätige Unternehmen mit Sitz in Sinabelkirchen hat sich darauf spezialisiert Altspeisefett zu sammeln und aufzubereiten. Eine höhere Biokraftstoff-Beimischung ist für ihn einer der Schlüssel um die Klimaziele zu erreichen. Derzeit liegt der Anteil in der EU bei Diesel bei sieben Prozent. Würde man dem Diesel zehn Prozent Biodiesel beimischen, wären die Klimaziele bei der Mobilität zu erreichen. Eine Tonne Altspeisefett entspricht einer Tonne Biodiesel, man spart dadurch ein Hektar an landwirtschaftlich genutzter Fläche- auch das ein wichtiger Aspekt in Hinblick auf Nachhaltigkeit.
Der Ukrainekrieg – ein Wendepunkt in Europa
Den Abschluss des Vortragsprogrammes macht der Impulsvortrag von Mag. Christian Wehrschütz, Journalist und ORF Korrespondent. „Der Krieg in der Ukraine – ein politischer und militärischer Wendepunkt in Europa“, so der Titel seines Vortrages. Seine Worte machten betroffen und nachdenklich. In packender Art und Weise erklärte er Zusammenhänge und Entwicklungen, zeigte er das anhaltende Konfliktpotenzial und die komplexen Beziehungen, die einen Frieden fast unmöglich machen, auf. Wehrschütz weiß, wovon er spricht. Viele Fragen sind offen. Die Ukraine kann heute rund 50 Prozent der benötigten Waffen bereits selbst produzieren, ohne den Einsatz des amerikanischen Starlink ist ein Krieg aber nicht zu führen. Welche Strategie verfolgt die USA? „Sie will die wichtigste Supermacht der Welt bleiben! Auf wessen Kosten, zu welchem Preis?“, fragte er in den Raum. In Bezug auf die Rolle der EU stellte er fest: „In der EU fehlt jede Strategie. Es gibt eine große Diskrepanz zwischen dem, was europäische Politiker sagen und was sie dann schlussendlich auf die Waage bringen.“ Wehrschütz meinte: „Russland wird nicht zusammenbrechen, die Ukraine auch nicht – aber wir sehen immer mehr Tote, verheerende Schäden, immer mehr Auswanderer – wer soll das alles wieder aufbauen?“ Bei allem unendlichen Elend, den der Krieg verursacht, gilt es jetzt auch Chancen zu nutzen. Gerade mit Nischenprodukten können sich österreichische Unternehmen in der Ukraine profilieren, ein Beispiel dafür ist Saubermacher. „Man darf aber nicht warten bis wieder Frieden herrscht, sondern muss jetzt den Fuß in die Tür stellen. In der Ukraine gibt es den unternehmerischen Geist noch, der bei uns angesichts der Bürokratie verloren gegangen ist. Wollen Sie in Österreich oder in der Ukraine einen Betrieb gründen? Ich würde es in der Ukraine machen“, so Wehrschütz. Bei der Drohnentechnologie ist die Ukraine schon heute führend. In der Agrarwirtschaft werden sie zu einer Schlüsseltechnologie ist Wehrschütz überzeugt. „Die Ukraine wir zu einem führenden Partner bei der Digitalisierung und der KI werden, in Deutschland sind wir im Vergleich dazu noch in der Steinzeit. Die Ukraine ist ein innovatives Hochtechnologieland“, ist er überzeugt und hofft, wie alle, auf ein Ende des Krieges und einen stabilen Frieden: „Wir stehen heute in einer Schlüsselphase bei den Verhandlungen. Es dringt sehr wenig nach außen, was als gutes Zeichen gedeutet werden kann. Es geht jetzt um die essentiellen Fragen“ – ist zu hoffen, dass diese endlich gelöst werden können.
Der Impulsvortag von Christian Wehrschütz machte nachdenklich und betroffen, warf große Fragen auf, bot viel Stoff zur Diskussion. Der anschließende Imbiss im Burg-Weinkeller bot dafür die beste Gelegenheit. Bei steirischen Schmankerln und einem guten Glas Wein fand die Veranstaltung ihren gelungenen Ausklang. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer waren sich in ihrem Resümee einig: Was es heute braucht sind Veranstaltungen wie dieser Dialog, der auch einen Blick über den eigenen Tellerrand bietet und erlaubt. Ihr Dank gilt Gustav Gründler und seinem engagierten Team.
Autorin: Barbara Fürst
