Bauwerksbegrünung wird erstmals verbindlich geregelt und über alle Projektphasen hinweg standardisiert. | © Weiss-Tessbach
Mit der neuen ÖNORM B 1131 tritt am 15. April 2026 erstmals ein umfassendes Regelwerk in Kraft, das Begrünung direkt im Bauwesen verankert. Begrünte Dächer und Decken gelten damit nicht länger als Zusatz, sondern als integraler Bestandteil von Planung, Ausschreibung und Ausführung.
Österreich nimmt damit im europäischen Vergleich eine Sonderrolle ein: Als einziges EU-Land verfügt es über eigene Normen für Dach-, Fassaden- und Innenraumbegrünung und schafft so einen durchgängigen Standard für Bauwerksbegrünung.
Von der Zusatzlösung zum Planungsstandard
Der Wechsel von der bisherigen L-Norm zur neuen B-Norm markiert einen grundlegenden Paradigmenwechsel. Bauwerksbegrünung wird erstmals verbindlich geregelt und über alle Projektphasen hinweg standardisiert.
„Mit der neuen ÖNORM B 1131 schaffen wir einen neuen Stand der Technik, auf dem Qualität […] einheitlich geplant, umgesetzt und bewertet werden kann“, erklärt Martin Haas, Vorstandsvorsitzender des Verbands für Bauwerksbegrünung.
Die Norm ist das Ergebnis eines mehrjährigen Überarbeitungsprozesses und integriert aktuelle Entwicklungen wie Solargründächer, Retentionssysteme und biodiversitätsfördernde Lösungen.
Neue Anforderungen für Planung und Umsetzung
Mit der ÖNORM B 1131 werden zentrale technische und planerische Anforderungen neu definiert. Dazu zählen unter anderem:
- klare Vorgaben zum Brandverhalten von Dachbegrünungen
- standardisierte Lösungen für Solar- und Retentionsgründächer
- präzisierte Anforderungen an Substrate und Dränschichten
- Mindestaufbauhöhen für extensive Begrünungen
Zudem rückt die Anpassung an den Klimawandel stärker in den Fokus. So werden etwa Maßnahmen zur Regenwasserspeicherung und biodiversitätsfördernde Elemente systematisch berücksichtigt.
„Die Norm […] schafft eine bessere Orientierung für alle Beteiligten und ermöglicht es, auch anspruchsvollere Projekte sicher […] umzusetzen“, so Katharina Mauss von GRÜNSTATTGRAU.
Praxisumsetzung als nächster Schritt
Mit dem Inkrafttreten beginnt nun die entscheidende Phase: die Anwendung in der Praxis. Organisationen wie GRÜNSTATTGRAU übernehmen dabei eine zentrale Rolle bei Schulungen, Wissensvermittlung und Umsetzung.
„Entscheidend ist jetzt, dass sie in der Praxis ankommt. Wir […] sind Bindeglied zwischen Bauwesen und Begrünungsbranche“, betont Susanne Formanek, Geschäftsführerin von GRÜNSTATTGRAU.
Begleitend zur Einführung werden Weiterbildungen und Seminare angeboten, um Planer:innen, Ausführende und öffentliche Auftraggeber auf die neuen Anforderungen vorzubereiten.
Signalwirkung über Österreich hinaus
Auch auf europäischer Ebene hat die neue Norm Bedeutung. Sie gilt als Referenz für klimaangepasstes Bauen und könnte langfristig Impulse für vergleichbare Regelwerke in anderen Ländern setzen.
Für die Branche markiert die ÖNORM B 1131 einen wichtigen Schritt: Bauwerksbegrünung wird nicht nur technischer Standard, sondern zunehmend strategisches Element nachhaltiger Stadt- und Gebäudeentwicklung.
