Ellen Swallow Richards | © Wikimedia Commons / Public Domain
Technische Berufe galten lange als Männerdomäne. Dennoch haben Frauen schon früh entscheidende Beiträge zur Entwicklung von Energie-, Gebäude- und Infrastrukturtechnik geleistet. Ihre Ideen wirken bis heute nach – von Solarenergie über Lüftungs- und Klimasysteme bis hin zu funktionaler Wohnplanung. Die Frauen, über die Sie nun lesen, stehen exemplarisch für unterschiedliche Bereiche der Technikgeschichte. Ihre Geschichten zeigen, wie Frauen trotz großer Hürden Innovationen voranbrachten – mit Neugier, praktischem Denken und dem Mut, neue Wege zu gehen.

Ellen Swallow Richards (USA)
Frühe Forschung zur Wasserhygiene
Ich wurde 1842 im US-Bundesstaat Massachusetts geboren. Als Chemikerin beschäftigte ich mich mit der Qualität von Trinkwasser und Gewässern. Ich untersuchte Wasserproben und setzte mich dafür ein, dass Städte ihre Wasserversorgung verbessern. Sauberes Trinkwasser und hygienische Infrastruktur sind heute selbstverständlich – doch die wissenschaftlichen Grundlagen dafür mussten erst geschaffen werden. Meine Arbeiten gelten als wichtiger Ausgangspunkt moderner Umwelt- und Wassertechnik.

Maria Telkes (Ungarn)
Solarenergie für Gebäude
Ich wurde 1900 in Budapest geboren und arbeitete später in den Vereinigten Staaten als Chemikerin. Mich faszinierte die Idee, Gebäude mit Sonnenenergie zu beheizen. In den 1940er-Jahren entwickelte ich gemeinsam mit Architekten eines der ersten Häuser, das mit Solarenergie beheizt wurde. Wir experimentierten mit Materialien, die Wärme speichern konnten.

Margaret Ingels (USA)
Expertin für Raumklima
Ich wurde 1888 im US-Bundesstaat Kentucky geboren und studierte Maschinenbau. Besonders interessierte mich, wie Innenräume mit frischer Luft versorgt werden können. In den 1920er-Jahren arbeitete ich an der Verbesserung des Schleuderpsychrometers zur Messung der Luftfeuchtigkeit und entwickelte die Formel der „effektiven Temperatur“, die Temperatur, Luftfeuchtigkeit und Luftbewegung kombiniert. Diese Erkenntnisse sind bis heute Grundlage moderner Heizungs-, Lüftungs- und Klimaanlagen.
Neben meiner Forschung hielt ich Vorträge über Klimaanlagen in Wohngebäuden und arbeitete eng mit der Industrie zusammen, unter anderem mit Unternehmen wie Carrier.

Olive Dennis (USA)
Ingenieurin für Komforttechnik
Ich wurde 1885 in den Vereinigten Staaten geboren und arbeitete für die Baltimore & Ohio Railroad. Dort entwickelte ich technische Lösungen, um Reisen komfortabler zu machen. Als Engineer of Service reiste ich mehr als 400.000 Kilometer mit Zügen und entwickelte Verbesserungen für Beleuchtung, Belüftung und Klimatisierung. Dazu gehörten verstellbare Sitze, bessere Beleuchtung und hygienischere Sanitärräume.
Mit Ingenieuren von Carrier arbeitete ich außerdem an einer der ersten vollständig klimatisierten Zugverbindungen – ein wichtiger Schritt für moderne Klimasysteme.

Hertha Ayrton (GB)
Pionierin der Elektrotechnik
Ich wurde 1854 in England geboren und beschäftigte mich mit Mathematik und Physik. Besonders interessierte mich die Elektrizität.
Ich erforschte elektrische Lichtbögen, die für die frühe elektrische Beleuchtung wichtig waren, und veröffentlichte zahlreiche wissenschaftliche Arbeiten. Meine Forschung trug dazu bei, elektrische Systeme besser zu verstehen – eine wichtige Grundlage moderner Gebäudetechnik.

Margarete Schütte-Lihotzky (Österreich)
Funktionale Planung von Wohnräumen Ich wurde 1897 in Wien geboren und studierte Architektur. Schon früh wollte ich Wohnungen so planen, dass sie den Alltag der Menschen erleichtern. Bekannt wurde ich durch die Frankfurter Küche, eine kompakte Einbauküche mit kurzen Wegen und klaren Funktionszonen. Viele dieser Prinzipien – effiziente Planung, integrierte Technik und funktionale Räume – prägen bis heute die Gestaltung moderner Küchen und Wohnräumen im Allgemeinen.
