Über 20 Prozent mehr Lehrlinge in technischen Zeichenberufen. | © Bacon Gebäudetechnik GmbH/Christoph Liebentritt
Der Frauenanteil in technischen Berufen steigt – auch in der Gebäudetechnik. Beim Unternehmen Bacon ist die Zahl weiblicher Lehrlinge im Bereich Technische Zeichnerinnen in den vergangenen sechs Jahren um mehr als 20 Prozent gewachsen. Gleichzeitig nimmt das Interesse junger Frauen an technischen Ausbildungswegen sichtbar zu.
Dennoch bleibt der Anteil insgesamt vergleichsweise gering. Laut Unternehmen ist aktuell etwa jede elfte Bewerbung in diesem Bereich weiblich.
Frühe Einblicke als entscheidender Faktor
Für den steigenden Anteil sieht das Unternehmen vor allem gezielte Informationsarbeit als ausschlaggebend. Ein Schwerpunkt liegt auf der Berufsorientierung in Pflichtschulen.
„Wir erleben seit vielen Jahren, wie unbekannt die Berufsfelder der Gebäudetechnik besonders bei Mädchen sind“, sagt Christian Eberherr von der IGO Industries-Gruppe. „Gerade im Alter von 12 bis 13 Jahren entstehen oft die ersten konkreten Vorstellungen […] Umso wichtiger ist es, diese Möglichkeiten sichtbar zu machen.“
Mitarbeiterinnen besuchen dazu jährlich rund 15 Schulen und gestalten Workshops gemeinsam mit Lehrkräften. Ziel ist es, frühzeitig Interesse zu wecken – auch wenn die tatsächliche Berufswahl oft erst Jahre später erfolgt.
Nachhaltigkeit als Motivationsfaktor
Ein weiterer Treiber für das wachsende Interesse liegt im inhaltlichen Wandel der Branche. Themen wie Energieeffizienz, Klimaschutz und nachhaltige Gebäudetechnik sprechen zunehmend junge Zielgruppen an.
„Smarte Gebäudetechnik hat hier viel zu bieten: Sie reduziert den Energieverbrauch, senkt Emissionen und fördert grüne Energie“, erklärt Thomas Balázs, Geschäftsführer von Babak und Bacon. „Wir tüfteln und finden die ökologisch wie ökonomisch klügste Lösung.“
Technische Berufe im Wandel
Dabei hat sich auch das Berufsbild verändert. Statt körperlicher Arbeit stehen heute Planung, Berechnung und Projektsteuerung im Vordergrund. Entsprechend vielfältig sind die Karrierewege – von der technischen Zeichnung über die Kalkulation bis zur Projektleitung.
Ein Beispiel ist Technikerin Susanne Schanbacher, die als Zeichnerin startete und heute an Großprojekten arbeitet. Ihr Tätigkeitsfeld reicht von der Planung über BIM-Modellierung bis zur Baustellenkoordination.
Töchtertag als Erfolgsformat
Wie groß das Interesse inzwischen ist, zeigt auch der Töchtertag der Unternehmen Bacon und Babak. Während anfangs nur drei Teilnehmerinnen dabei waren, nahmen zuletzt rund 50 Mädchen teil – ein deutlicher Anstieg innerhalb weniger Jahre.
Für die Unternehmen ist das ein positives Signal, aber kein Grund zur Entwarnung.
Wandel braucht Sichtbarkeit
„Der Wandel hin zu mehr Frauen in technischen Berufen ist bereits voll im Gange – aber er braucht laufende, konsequente Informationsangebote“, betont Balázs. „Junge Menschen entscheiden sich nicht aufgrund von Hochglanzkampagnen, sondern aufgrund dessen, was sie sehen und erleben.“ Damit bleibt die Herausforderung bestehen: technische Berufe frühzeitig sichtbar zu machen – und Vielfalt in der Branche langfristig zu verankern.
