LIM Andreas Rotter, Stv. SHL-BIM und Obmann des Zukunftsforum SHL. | © Jana Mack
In einzelnen Stunden lagen die Werte bei über 6.900 ppm – fast beim Siebenfachen des Richtwerts. Das ist ein reales Leistungs- und Gesundheitsproblem – und damit ein Auftrag an unsere Branche.
Gute Luftqualität in Innenräumen ist eine Grundvoraussetzung, trotzdem wird Lüftung in der Praxis oft als „Nice-to-have“ behandelt: Fenster auf und zu – im Zweifel bleibt wegen Lärm, Kälte oder Energiekosten eben zu. Die Erfahrungen aus den Schulen bestätigen, was Installateure aus der Praxis kennen: Ohne durchdachte Lüftungssysteme lassen sich Gebäude nicht sinnvoll betreiben. Mechanische Lüftung mit Wärmerückgewinnung senkt die CO₂-Werte deutlich – das bedeutet weniger Müdigkeit, weniger Infektionsrisiken und bessere Bedingungen für Kinder und Lehrkräfte. Was in Schulen sichtbar ist, gilt ebenso für Büros, Betriebe und Krankenhäuser: Schlechte Luft kostet Konzentration, Produktivität und Gesundheit. Gute Lüftung ist damit ein Wettbewerbs- und Standortfaktor – nicht nur eine Frage des Komforts. Gleichzeitig erleben SHL-Betriebe, wie schwer sich Lüftung durchsetzen lässt. Ausgerechnet hier wird zuerst gespart. Wenn Lüftungen in Ausschreibungen, Förderprogrammen oder politischen Diskussionen keinen angemessenen Stellenwert haben, wird es schwierig, ihren Mehrwert zu zeigen.
Für das Zukunftsforum SHL ist klar: Wenn wir Sanitär-, Heizungs- und Lüftungstechnik sagen, dann muss das „L“ stärker sichtbar werden. Die Branche hat in den letzten Jahren bei der Wärmewende viel erreicht. Jetzt ist der Moment, die gleiche Energie in gesunde Raumluft zu investieren. Dafür benötigt es Rahmenbedingungen, die Betriebe unterstützen. Installateure brauchen Planungssicherheit, wenn sie in Lüftungs¬kompetenz investieren – von der Aus- und Weiterbildung bis hin zu praxistauglichen Vorschriften. Strategien und Förderlandschaften im Gebäudebereich dürfen Lüftung nicht isoliert, sondern im Zusammenspiel mit Heizung und Sanierung betrachten. Installateure sind die Vertrauenspersonen vor Ort – sie sehen die „dicke Luft“ und können Lösungen anbieten: von der kontrollierten Wohnraumlüftung über Schullüftungen bis zu komplexen Anlagen in Spitälern. Insbesondere nach einer Sanierung, wenn Gebäude „dicht“ gemacht werden, muss eine bedarfsgerechte Wohnraumlüftung bereits in der Planungsphase mitgedacht werden – Schimmelbekämpfung im Nachhinein ist keine Lösung für gesunde Luft und echte Behaglichkeit.
Gute Luft darf kein Luxusgut sein – nicht für Kinder im Klassenzimmer, nicht für Beschäftigte im Büro und nicht für Kranke im Krankenhaus. Sie ist Teil der Grundversorgung. Wer heute in Lüftung investiert, investiert in Gesundheit, Bildung, Produktivität – und in das Selbstverständnis unserer Branche als Partner für gutes Raumklima.
