Das Handwerk bietet auch 2026 starke Karriereoptionen. | © WKO
Im Vergleich dazu erreichte die Zahl aller Studierenden im Semesterjahrgang 2024/25 mit insgesamt 401.934 eingeschriebenen Personen einen neuen Höchststand in Österreich. Nach Angaben des Bundesministeriums für Bildung lag der Frauenanteil bei den Studierenden über alle Hochschulformen hinweg (einschließlich Fachhochschulen, Privatuniversitäten, Pädagogische Hochschulen) bei über 50 Prozent.
Es gibt also etwa viermal so viel Studierende wie handwerkliche Auszubildene in der Republik. Trotzdem bietet das Handwerk auch 2026 starke Karriereoptionen. Vor diesem Hintergrund ist es kaum nachvollziehbar, dass sich das Installations-Handwerk mit der Rekrutierung der weiblichen Auszubildenden bisher so schwergetan hat. Nur etwa
90 der insgesamt 4.182 Ausbildungsplätze wurden bis Ende 2025 mit jungen Frauen besetzt. Ein Anteil von gerade mal 2,15 Prozent. Zum Vergleich: das Rauchfangkehrer-Handwerk hat mit etwa 14 Prozent (276 Lehrlinge in Österreich, 39 davon sind weiblich) einen wesentlich höheren Frauenanteil in der Berufsausbildung. Da ist also noch reichlich „Luft nach oben“. Das sieht auch Bundesinnungsmeister Anton Berger so: „Frauen in technischen Berufen sind mitunter noch immer die Ausnahme, aber jedenfalls eine wirtschaftliche Notwendigkeit. Wer den Fachkräftebedarf in der heutigen Zeit decken will, muss Geschlechterklischees in der Berufswahl endlich hinter sich lassen. Wir in der Installations- und Energietechnik sind offen für jeden engagierten Menschen, der den Beruf des Installateurs bzw. der Installateurin erlernen will! Wir bieten ein faires Gehalt und Möglichkeiten für eine Karriere genauso, wie einen zukunftssicheren und sinnstiftenden Job – für alle!“
Hinzu kommt die Tatsache, dass angesichts der technischen Entwicklungen auch im SHL-Handwerk zukünftig mehr Kopfarbeit als Muskelkraft gefragt sein wird. Innovative Smart-Home-Technologie und klimaschonende Heizkonzepte wollen verstanden, bedient gemessen sowie erläutert werden. Darüber hinaus geht es nicht immer nur um Technik, sondern auch um den guten Geschmack. In diesem Zusammenhang gilt es die weibliche Kompetenz in Sachen Stil und Designberatung zu nutzen – ein Aspekt, der speziell im Sanitärbereich beachtet werden sollte. Anspruchsvolle Bäder entstehen schließlich durch das Arrangement funktionaler Ablagen, schöner Armaturen sowie stimmungsvollen Lichtkonzepten in Kombination mit pflegeleichten Oberflächen. Zudem sind es häufig Frauen, die hier entscheiden und damit letztlich das Budget verantworten. Sie akzeptieren die weibliche Kompetenz in handwerklichen Berufen gern und erfreuen sich an einer Beratung auf Augenhöhe.
Köpfchen statt Muskeln
Auch das Vorurteil – Frauen können ja nicht schwer tragen – ist mit Blick in die Zukunft als überholt zu betrachten. Mit dem digitalen Wandel werden die körperlichen Belastungen handwerklicher Berufe tendenziell geringer. Moderne Hebehilfen und Exoskelette machen es zudem möglich, auch schwere Wärmeerzeuger rückenschonend zu bewegen. Außerdem ist man im Handwerk in der Regel als Team unterwegs – da sollte man sich helfend ergänzen können.
Des Weiteren ist davon auszugehen, dass der Organisationsgrad im Installations-Betrieb zukünftig eher steigen wird. Damit wächst zugleich der Bedarf an kreativem, kommunikativem und gestaltendem Potential. Ob im Bestellwesen, der Lagerlogistik, in der Personalplanung, der Beratung, der CAD-Badplanung oder in der KI-gestützten Telefon-Hotline. Eine Kraft im Büroalltag zu haben, die in ihrer Berufsausbildung schon beim Kunden und/oder einer Baustelle vor Ort war, ist von unschätzbarem Vorteil. Das gilt auch für spätere Berufs-Wiedereinsteigerinnen.
Entwicklung und Maßnahmen
Um die Energie- und Wärmewende zu stemmen, sowie die zukünftigen Herausforderungen in der Installations- und Gebäudetechnik zu bewältigen, braucht es flächendeckend ausreichend qualifizierte Fachkräfte. Die demografische Entwicklung in Österreich führt außerdem dazu, dass eine zunehmend alternde Bevölkerung mit barrierearmen Bädern und modernen Wärmekonzepten versorgt werden will. Auf der anderen Seite verliert das Handwerk aktuell zu viele Fachkräfte. Grund dafür sind in Rente gehende Vertreter der so genannten Babyboomer-Generation, während kaum genügend Lehrlinge hinzukommen. Der nicht besetzte Ausbildungsplatz von heute verursacht schließlich die fehlenden Gesellen und Meister von morgen. Diese Entwicklung kann sich in den kommenden Jahren noch verschärfen, da wir bei jungen Menschen leider einen Trend zur Akademisierung vernehmen und immer größere Schwierigkeiten haben, ausreichend qualifizierte Bewerberinnen und Bewerber für handwerkliche Ausbildungsplätze zu finden. Dafür benötigen wir ein Umdenken in der Gesellschaft, aber auch im Fachhandwerk selbst. Dort muss das Potential, das Frauen mitbringen wesentlich besser erkannt, beworben und genutzt werden. Bemerkenswerte Ansätze empfiehlt die Bundesinnung der Sanitär-, Heizungs- und Lüftungstechniker mit den „Säulen zur erfolgreichen Nachwuchsstrategie für Ausbildungsunternehmen der Sanitär-, Heizungs- und Lüftungstechnik“ ihren Mitgliedern:
1.) Sichtbarkeit schaffen: Durch die Teilnahme an Initiativen für Frauen und Mädchen öffnen Betriebe ihre Türen für die Zielgruppe, bevor Berufsklischees verfestigt sind.
2.) Strukturelle Anpassung: Familienfreundliche Arbeitszeitmodelle für Arbeiternehmer:innen bieten.
3.) Gezielte Förderung: Unternehmen sollen an Programmen wie FIT (Frauen in Handwerk und Technik) teilnehmen, die Unternehmen dabei unterstützen, Lehrstellen für Frauen attraktiv zu gestalten und Vorurteile im Team abzubauen.
4.) Vorbilder (Role Models): Sichtbarmachen von weiblichen Personen, die den Beruf ausüben jungen Lehrlingen eine langfristige Karriereperspektive aufzeigen (Abbau von Geschlechterstereotypen).
5.) Geschlechtersensible Ausschreibung offener Stellen und Ausbildungsplätze.
Man kann diese Initiativen nur begrüßen, denn Vielfalt im Handwerk hat auch ökonomische Faktoren. Zahlreiche Studien belegen, dass Unternehmen wirtschaftlich besser performen, wenn sie Diversität und Inklusion im Betrieb umsetzen.
Text von: Dieter Last, Handwerksmeister, Fachjournalist und Mitglied im Arbeitskreis Baufachpresse e. V.
