Seit 2021 an der Spitze von Techem Wassertechnik Österreich: Zoran Jelen verantwortet Vertrieb, Marketing, Prozesse und Personal. | © Thomas Steinlechner
Ein runder Geburtstag bietet immer eine Gelegenheit, nicht bloß zurück, sondern nach vorne zu blicken. Techem Wassertechnik feiert 30 Jahre in Österreich. Techem Messtechnik widmet sich sogar noch länger dem Energieverbrauch und der Gebäudeeffizienz. Aber wohin geht die Reise? Techem-Wassertechnik-Geschäftsführer Zoran Jelen spricht über die Zukunft der Gebäudetechnik.
Herr Jelen, nach 30 Jahren Wassertechnik, wie geht es Techem heute in dieser angespannten Marktlage?
Jelen: Die Baukonjunktur steht insbesondere im Neubau ziemlich unter Druck. Gleichzeitig gewinnt der Bestand weiter an Bedeutung, was uns bei Techem zugutekommt: Trinkwasserhygiene, Effizienz und regulatorische Anforderungen sorgen für eine anhaltende Nachfrage unserer Services. Genau hier kann Techem nämlich seine Stärken ausspielen – mit Mess- und Wassertechnik aus einer Hand sowie ganzheitlichen Lösungen für einen sicheren, effizienten Gebäudebetrieb.
Was hat sich in den vergangenen 30 Jahren am stärksten verändert?
Jelen: Ganz grundsätzlich sind die Konsument*innen in jeder Hinsicht besser informiert und fragen über alle Branchen hinweg deutlich mehr nachhaltige und energieeffiziente Produkte und Dienstleistungen an. Direkt bei Techem Wassertechnik haben wir in den vergangenen Jahren eine der bedeutendsten Transformationen unserer Entwicklung vollzogen: Weg vom klassischen Wartungsanbieter, hin zu einem breit aufgestellten, modernen Dienstleister mit zusätzlichen Geschäftsfeldern, zukunftsorientierten Services und einem starken Partnernetzwerk.
Wie wird sich die Gebäudetechnik-Branche künftig weiterentwickeln?
Jelen: Gebäude werden stärker vernetzt und zunehmend selbstoptimierend sein. Im Wasserbereich bedeutet das vor allem: kontinuierliches Monitoring, intelligente Steuerung und klarer Fokus auf Ressourceneffizienz und Betriebssicherheit. Der zentrale Wandel geht vom reaktiven zum proaktiven Gebäudemanagement – digitale Systeme machen Risiken frühzeitig sichtbar und ermöglichen vorausschauendes Handeln. Ein Beispiel dafür ist eine neue Funktion, die wir aktuell im Techem-Kundenportal implementieren: Bleibt eine Wohnung länger leer, werden die Betreiber automatisch auf ein potenzielles Legionellenrisiko hingewiesen.
Die Grundlage dafür sind digital erfasste Verbrauchsdaten aus Wärme- und Wasserzählern, die Techem im Rahmen der Abrechnungsdienstleistung ohne Ablesung vor Ort erhält. Zeigen diese Daten über längere Zeit keinen Verbrauch, kann das auf einen Leerstand hinweisen.
Welche Daten gewinnen Sie noch aus der Analyse von Gebäuden?
Jelen: Über Heizkostenverteiler, Wärme- und Kältezähler sowie Kalt- und Warmwasserzähler werden Verbrauchswerte und Zählerstände gemessen und digital weiterverarbeitet. Je nach technischer Ausstattung können daraus auch Hochrechnungen, Vergleichswerte und Verbrauchsentwicklungen abgebildet werden. In Kombination mit digitalen Services wie dem Techem-Kundenportal werden diese Informationen bereitgestellt und nachvollziehbar aufbereitet. Hausverwaltungen erhalten etwa Zugriff auf Zählerstände, Geräteinformationen, Abrechnungsstatus, Stammdaten und objektbezogene Informationen. Bewohner*innen können ihre monatlichen Verbräuche – etwa für Heizung, Kalt- und Warmwasser sowie Kühlung – einsehen und mit früheren Zeiträumen vergleichen.
Welche Konsequenzen ziehen sie aus den gewonnenen Daten?
Jelen: Auf operativer Ebene werden Verbrauchs- und Zustandsdaten genutzt, um Abrechnungs- und Messprozesse zu verbessern. Auffällige Verbrauchsmuster, technische Abweichungen oder unplausible Werte können frühzeitig erkannt und geprüft werden. Das erhöht die Datenqualität und reduziert Fehler in der Heizkostenabrechnung. Für Kunden fließen die Daten zunehmend in digitale Services ein. Dazu gehören transparente Verbrauchsinformationen für Bewohner, Benchmarking auf Gebäude- und Portfolioebene sowie Analysen zur Energieeffizienz.
Für Eigentümer und Verwalter entsteht so eine Grundlage für fundiertere Entscheidungen im Gebäudebetrieb. Insgesamt führen die Daten also nicht nur zu einer genaueren Abrechnung, sondern zunehmend zu einem datengetriebenen System für effizienteren, transparenteren, nachhaltigeren Gebäudebetrieb.
Welche Erkenntnisse überraschen Ihre Kunden am häufigsten?
Jelen: Viele Betreiber unterschätzen, wie viel Optimierungspotenzial im laufenden Betrieb steckt. Häufig sehen wir unnötig hohe Temperaturen, ineffiziente Zirkulation oder Stagnationsprobleme in Leitungen. Durch die Transparenz, die unsere Messtechnik- und Wassertechnikservices ermöglichen, werden diese Themen sichtbar und damit lösbar.
Techem bietet als Neuheit ein Heizungswasser-Betriebssicherheitsservice an. Wie funktioniert dieses Service?
Jelen: Mit dem Heizungswasser-Betriebssicherheitsservice überwachen und sichern wir die Qualität des Heizungswassers laufend, erkennen potenzielle Probleme wie Korrosion oder Verschlammung frühzeitig und setzen notwendige Maßnahmen, bevor Schäden entstehen. Damit stellen wir sicher, dass Anlagen effizient laufen und Ausfälle oder teure Sanierungen gar nicht erst auftreten. Unsere Kund*innen erhalten ein Rundum-Service mit klar definierten Leistungen, regelmäßigen Checks und vollständiger Dokumentation, ohne zusätzlichen Koordinationsaufwand. Kurz gesagt: Wir übernehmen die Verantwortung für die Wasserqualität im Heizsystem.
Wie unterstützt Ihr Heizungswasser-Service die Installateure?
Jelen: Für Installateure bringt das Heizungswasser-Betriebssicherheitsservice deutlich mehr Transparenz, Planbarkeit und Sicherheit im laufenden Betrieb. Durch die laufende Überwachung der Wasserqualität werden Probleme frühzeitig erkannt, lange bevor sie zu Störungen oder Schäden führen.
Das verändert die Wartung grundlegend: Statt auf akute Ausfälle reagieren zu müssen, können Maßnahmen gezielt geplant und effizient umgesetzt werden. Das reduziert ungeplante Einsätze und erhöht die Qualität der Arbeit. Ein wesentlicher Vorteil liegt in der zusätzlichen Rechtssicherheit: Durch die kontinuierliche Kontrolle und vollständige Dokumentation sind Anlagenzustände jederzeit nachvollziehbar. Das schafft eine klare Grundlage, sowohl gegenüber Betreibern als auch im Hinblick auf Haftungsfragen und Garantie- und Gewährleistungsansprüche. Auch Fehler lassen sich schneller identifizieren und zielgerichtet beheben. Das spart Zeit vor Ort und erhöht die Effizienz. In Summe verschiebt sich die Rolle des Installateurs: weg vom reinen Störungsbehebungsdienst hin zu einem planbaren Service- und Beratungspartner für einen sicheren, effizienten und regelkonformen Anlagenbetrieb.
Techem hat auch – gemeinsam mit Danfoss – eine Smart-Heating-Lösung im Angebot. Ihre Rolle dabei?
Jelen: Konkret ermöglichen diese Smart-Heating-Lösungen, den Energieverbrauch auf Raumebene präzise und komfortabel zu steuern, abgestimmt auf den tatsächlichen Bedarf der Nutzer. Unsere Rolle liegt dabei klar in der Integration: Wir verbinden diese intelligenten Heizlösungen mit unseren Services und unserem Know-how im Gebäudebetrieb. Eine besonders sinnvolle Ergänzung ergibt dabei unser Fokus auf die Wassertechnik, etwa in der Kombination mit einem optimal eingestellten Heizsystem und qualitativ gesichertem Heizungswasser. So helfen wir unseren Kund*innen ganzheitlich, ihre Gebäude effizienter, transparenter und komfortabler zu betreiben, und ihren Energieverbrauch aktiv zu steuern, statt nur zu erfassen.
Wo sehen Sie noch Hürden beim breiten Launch von smarten Heizsystemen?
Jelen: Die größten Herausforderungen sehen wir aktuell im Bestand. Konkret in komplexen Strukturen, unterschiedlichen Systemlandschaften und begrenzten Ressourcen bei Betreibern. Deshalb setzen sich zunehmend einfache, integrierte Lösungen und Service-Modelle durch, die ohne großen Aufwand implementiert werden können.
Welche Rolle wird KI künftig im Gebäudebetrieb spielen?
Jelen: Künstliche Intelligenz wird eine zentrale Rolle im Gebäudebetrieb spielen, gerade auch in der Wassertechnik. Sie hilft dabei, Abweichungen frühzeitig zu erkennen, bei Hygieneparametern oder im Anlagenverhalten, und unterstützt die automatische Optimierung. Ziel ist ein sicherer und gleichzeitig ressourcenschonender Betrieb.
