BIM Anton Berger, Gerald Kopsa (Bundeslehrlingswart und LIM NÖ), BIM Stv. und LLW (Wien) Franz Schnöller sowie Bernhard Swatek, Direktor der Berufsschule SHT Mollardgasse Wien und seinem StellvertreterThomas Wendler (Bilder v. l. n. r.) | © Berger/Kopsa/Weinwurm/Pechal
Der „Gelbe“ sprach zu den wichtigsten Neuerungen mit BIM Anton Berger, BIM Stv. und LLW (Wien) Franz Schnöller, Gerald Kopsa (Bundeslehrlingswart und LIM NÖ) sowie Bernhard Swatek, Direktor der Berufsschule SHT Mollardgasse Wien und seinem Stellvertreter Thomas Wendler:
Wer hat an der Ausbildungsordnung Neu aller mitgewirkt?
Berger: Im Prinzip hat das der entsprechende Arbeitsausschuss Aus- und Weiterbildung erarbeitet und mit allen Beteiligten und dem Sozialpartner abgestimmt. Danach wurde der Entwurf dem zuständigen Ministerium für Wirtschaft, Energie und Tourismus, der Verordnungsgeberin, übermittelt, das die offizielle Begutachtung durchgeführt hat.
Was waren die relevantesten Wünsche seitens der Innung?
Schnöller: Es war uns wichtig, in der Ausbildungsordnung sämtliche Facetten der modernen Installationsgewerbes inklusive „Green Skills“ und die modernen Technologien abzubilden und an die Arbeitswirklichkeit unserer Installateure anzugleichen. Gleichzeitig sollten die herkömmlichen Bestandsanlagen für die erforderlichen Wartungsarbeiten bzw. Instandsetzungen nicht aus dem Auge verloren werden. Die Steuer- und Regelungstechnik ist ebenfalls ein relevanter Baustein in der innovativen Gebäudetechnik und findet ebenfalls dementsprechende Berücksichtigung.
Kopsa: Ein allgemeiner Wunsch war es, zu ermöglichen, dass man vollwertig Gas-, Sanitär- und Heizungstechnik erlernt und zusätzlich ein Spezialmodul absolvieren kann, was so davor nicht möglich war. Wir mussten uns an den gesetzlichen Richtlinien und Rahmenbedingungen orientieren, dass jede Modullehre mind. ein Spezialmodul haben muss und die max. Lehrzeit von vier Jahren (inkl. dem Spezialmodul!) nicht überschritten werden darf. Eine große Hoffnung besteht, dass jeder Lehrling zukünftig auch das Spezialmodul in Anspruch nimmt, da man in Folge wirklich mit einer Top-Ausbildung als Fachkraft im neuen Beruf durchstarten kann. Der neue Lehrberuf, wird nun zeitgemäß als „Installations- und Energietechnik“ benannt; das Spezialmodul wird Klima- und Automatisierungstechnik heißen. Die Lehre wird eine Lehrzeit von 3 bis max. 4 Jahren umfassen; die Lehrzeit des freiwilligen Spezialmoduls wird 0,5 Jahre betragen.
Welche Punkte waren für die Berufsschulen besonders wichtig?
Swatek: Für uns an den Berufsschulen war entscheidend, dass die Ausbildungsordnung die tatsächlichen technischen Entwicklungen widerspiegelt und gleichzeitig in der Praxis umsetzbar bleibt. Wir müssen die Inhalte nicht nur lehren, sondern auch organisatorisch abbilden können – mit Werkstätten, Laboren, Lehrpersonal und einer sinnvollen Jahresstruktur. Besonders wichtig war daher eine klare Kompetenzorientierung, damit die Lehrlinge Schritt für Schritt zu einem modernen Berufsbild hingeführt werden, das Wasser-, Wärme- und Energietechnik gleichermaßen umfasst. Ebenso zentral war die Abstimmung mit den Innungen, damit schulische und betriebliche Ausbildung weiterhin nahtlos ineinandergreifen.
Wendler: Ein besonders wichtiger Punkt war die intensive Abstimmung zwischen den Berufsschuldirektionen hinsichtlich der Umsetzbarkeit. Schließlich galt es zu klären, wie die neuen und bestehenden Inhalte sinnvoll und qualitativ hochwertig, schulisch abgebildet werden können. Zudem mussten auch die Anforderungen der integrativen Berufsausbildung entsprechend berücksichtigt werden. Von besonderer Bedeutung war u.a. die Sicherstellung des Qualifikationsniveaus 4 gemäß EQR beziehungsweise NQR!
Worüber wurde am hitzigsten debattiert?
Berger: Das waren sicher die Inhalte aus der Bundesinnungsausschuss-Sitzung; diese sind nicht dafür geeignet hier breitgetreten zu werden. Es wurde jedoch ein klarer Weg skizziert und diesen werden wir bestmöglich beschreiten!
Schnöller: Die Umsetzung der, teilweise neuen, Strukturierungen und vor Allem der Aufteilung der Lehrjahre war zweifelsfrei eine Herausforderung. Wir sind froh, schlussendlich gemeinsam mit den Berufsschulen eine zeitgemäße Lösung für die Ausbildung unserer Lehrlinge auf den Weg bringen zu können.
Swatek: Aus schulischer Sicht gab es naturgemäß intensive Diskussionen darüber, wie die neuen Inhalte zeitlich und organisatorisch in den Lehrplan integriert werden können. Die Balance zwischen traditionellen Grundlagen – die weiterhin unverzichtbar sind – und neuen Technologien (wie Regelungs-, Klima- und Energietechnik) war nicht trivial. Auch die Frage, wie stark die einzelnen Lehrjahre belastet werden dürfen, wurde engagiert diskutiert. Am Ende war aber klar: Die Ausbildung muss anspruchsvoll sein, aber sie muss auch realistisch und für alle Berufsschulen österreichweit umsetzbar bleiben.
Was sind nun aus eurer Sicht die wichtigsten Verbesserungen im Vergleich zur „alten“ Ausbildungsordnung?
Berger: Das ist aus meiner Sicht die Attraktivierung für neue Lehrlinge auf Grund des geänderten Berufsbildes nach außen hin. Ich gehe davon aus, dass die Veränderungen letztlich Verbesserungen darstellen, denn es sind in vielen Bereichen noch Hausübungen zu erledigen. Es geht um Ausbildungsberechtigungen u.v.m.; aber auch da arbeiten wir mit voller Energie, um das fristgerecht auf die Reihe zu bringen.
Schnöller: Die unzertrennliche Zusammengehörigkeit für die Wasser- und Heizungsthemen erscheint mir als schon längstens erforderlich und als wichtiger Schritt in eine moderne Zukunft des Gewerbes. Außerdem konnten nicht mehr zeitgemäße Inhalte entfernt werden.
Swatek: Für die Berufsschulen ist die größte Verbesserung die klare Strukturierung und Modernisierung der Kompetenzbereiche. Die neue Ausbildungsordnung bildet die Realität der Haustechnik viel besser ab. Wir können nun zeitgemäßer unterrichten, weil veraltete Inhalte reduziert und dafür Zukunftsthemen gestärkt wurden. Das erleichtert uns die pädagogische Planung und macht die Ausbildung für junge Menschen attraktiver. Gleichzeitig wird die Durchgängigkeit zwischen Betrieb und Schule gestärkt, was die Qualität der gesamten Lehre hebt.
Wendler: Eine wesentliche Verbesserung sehe ich in der sehr guten Abstimmung zwischen den Berufsschuldirektionen sowie in der engen Zusammenarbeit mit den jeweiligen Landes- und Bundesinnungen. Gleichzeitig wurden die Lehrpläne fachlich und inhaltlich auf einen aktuellen Stand gebracht. Sie schaffen nun eine gute Grundlage, um aktuelle und praxisrelevante Themen – insbesondere auch im Bereich der Green Skills und neuer Technologien – in der Ausbildung entsprechend zu berücksichtigen; zudem sind sie so gestaltet, dass auf zukünftige Entwicklungen angemessen reagiert werden kann.
Kopsa: Die Inhalte wurden aktualisiert und überarbeitet; z.B. der Bereich „Öl“ wurde auf ein Minimum reduziert, jedoch nicht gänzlich entfernt, da es ansonsten möglicherweise ein Problem in der Praxis gegeben hätte. Der zeitgemäße Bereich „Klimaschutz“ wurde ebenfalls entsprechend forciert (Beispiele hierzu sind Themen wie Smart Home, Digitalisierung, Wärmepumpen, Regelungstechnik und Hydraulik.
Wie lange hielt die Ausbildungsordnung bisher – bzw. anders: wie lange hält eine solche Ordnung im Normalfall, bis sie erneuert werden muss?
Berger: Das ist abhängig von den beruflichen Entwicklungen und diese lassen sich nicht prognostizieren. Sollten neue Techniken, Energieformen o.ä. kommen, so wird es auch an diesen jetzt justierten Schrauben wieder Veränderungen bedürfen.
Swatek: Aus schulischer Sicht zeigt die Erfahrung, dass Ausbildungsordnungen meist so lange halten, wie die technische Entwicklung es zulässt. In unserem Gewerbe schreitet die Innovation aber sehr schnell voran. Daher ist es realistisch, dass alle paar Jahre Anpassungen notwendig werden. Wichtig ist, dass wir flexibel bleiben und frühzeitig gemeinsam mit den Innungen und dem Ministerium reagieren, wenn neue Technologien oder gesetzliche Rahmenbedingungen dies erfordern.
Waren sich die Bundesländer – zumindest jeweils auf Seiten der BS-Direktoren und der Innungen – einig oder gab es da unterschiedliche Wünsche und Sichtweisen?
Berger: Da gab es Auffassungsunterschiede auf Grund nicht optimaler Kommunikation; es war eine große Herausforderung hier wieder alle ins Boot zu holen und einen gemeinsamen Kurs einzuschlagen. Es gibt bundesländerspezifische Eigenheiten und Entwicklungen sowie Beschulungsmodelle, und diesen muss auch bestmöglich Rechnung getragen werden. Da sind wir zurzeit in einem sehr guten Austausch und ich bin zuversichtlich, dass wir hier gut unterstützen können.
Schnöller: Da gab es viele Diskrepanzen und das ist im Nachhinein betrachtet auch gut so, weil durch die unterschiedlichen Ansichten sowie die Kompromissbereitschaft aller Beteiligten, der Feinschliff für die aktuell gültige Fassung erzielt werden konnte. Es zeigt die Relevanz einer Abstimmung zwischen den Berufsschulen und den Innungen im dualen Ausbildungssystem.
Swatek: Natürlich gab es unterschiedliche Sichtweisen – das ist bei einem bundesweiten Schulsystem völlig normal. Jede Berufsschule hat andere räumliche Voraussetzungen, andere Werkstätten und andere regionale Schwerpunkte. Gerade deshalb war der Austausch so wichtig. Wir haben intensiv diskutiert – aber immer konstruktiv. Am Ende hat uns die Vielfalt der Perspektiven geholfen, eine Ausbildungsordnung zu entwickeln, die für alle Bundesländer funktioniert und gleichzeitig genügend Spielraum für regionale Besonderheiten lässt.
Wendler: Natürlich gab es unterschiedliche Wünsche, Sichtweisen und teilweise auch unterschiedliche Rahmenbedingungen in den einzelnen Bundesländern. Gerade deshalb war der intensive Austausch untereinander so wichtig. Wir konnten die jeweiligen Vor- und Nachteile frühzeitig diskutieren und gemeinsam nach Lösungen suchen, die möglichst breit mitgetragen werden können. Dieser Abstimmungsprozess hat aus meiner Sicht sehr gut funktioniert.
Kopsa: Naturgemäß gab es seitens der Innungen der einzelnen Bundesländer sowie seitens der BS-Direktoren verschiedene Wünsche und Sichtweisen – es wurden aber alle Beteiligten miteinbezogen und ich denke, dass wir am Ende des Tages die Ausarbeitung so gestaltet haben, dass alle Wünsche, soweit es den gesetzlichen Rahmenbedingungen entsprochen hat, berücksichtigt wurden und schlussendlich für alle Beteiligten eine sehr gute Umsetzbarkeit, bzw. ein gutes Ergebnis, erzielt wurde.
Nachdem Ihr euch geeinigt hattet, wie lange hat das Wirtschaftsministerium gebraucht, um die neue Ordnung freizugeben?
Berger: Das mit „geeinigt“ klingt ja nach Streit und da wars bestimmt nicht. Es dauerte dann ca. 12 Monate – inklusive kleiner Abstimmungen und Anpassungen – und jetzt ist es dankenswerterweise abgesegnet worden.
Gab es von Ministeriumsseite Vorgaben oder Änderungswünsche?
Schnöller: Nein. Bei der Abstimmung zum Rahmenlehrplan wurde einmal mehr verdeutlicht, wie wichtig der nachhaltige Umgang mit Ressourcen ist; das wird in der Ausbildungsordnung auch gebührend hervorgehoben.
Abschließende Worte?
Berger: Mit der entsprechenden positiven Einstellung und einem guten Dialog mit allen Bundesländern, haben wir gemeinsam eine moderne Ausbildung zustande gebracht. Dieser Austausch und Dialog haben uns noch enger zusammenwachsen, und die großen Sorgen und Ängste mancher Betroffenen schwinden lassen. Ich bin mit der jetzigen Stimmung sehr zufrieden.
Schnöller: Was lange währt, wird endlich gut! Wir haben gemeinsam eine für das Gewerbe und den Installateurs-Nachwuchs zukunftsweisende Ausbildungsordnung auf den Weg gebracht, mit der wir die Versorgung der österreichischen Bevölkerung (mit Wasser und Wärme) langfristig sicherstellen können.
Swatek: Für mich war besonders positiv zu sehen, wie eng und lösungsorientiert Innungen und Berufsschulen zusammengearbeitet haben. Die neue Ausbildungsordnung ist ein gemeinsames Werk – und sie ist ein starkes Signal für die Zukunft unseres Gewerbes! Wenn wir diesen Dialog weiter pflegen, werden wir auch kommende Herausforderungen gut meistern und unseren Lehrlingen eine Ausbildung bieten, die modern, praxisnah und zukunftssicher ist.
Wendler: Die neue Ausbildungsordnung und der darauf abgestimmte Rahmenlehrplan ist insgesamt sehr stimmig und wir können hier von einem wirklich „guten Wurf“ sprechen können. Natürlich wird eine derart umfassende Umstellung in der Praxis auch die eine oder andere Herausforderung bzw. Überraschung mit sich bringen. Entscheidend ist, dass wir uns weiterhin gut untereinander abstimmen und auf auftretende Fragestellungen rasch und konstruktiv reagieren. Unser gemeinsames Ziel muss es sein, den Lehrlingen eine moderne, qualitativ hochwertige und zukunftsorientierte Ausbildung zu ermöglichen!
Kopsa: Ich bin überzeugt davon, dass uns mit der neuen Ausbildungsordnung der Grundstein für eine großartige und zeitgemäße Ausbildung gelungen ist, welche nicht nur in Zeiten wie diesen den Klimaschutz berücksichtigt, und in der Ausbildung für jeden technisch orientierten Jugendlichen, spannende Anreize gegeben sind. Weiters bin ich mir sicher, dass mit dieser Ausbildung ein wesentlicher Grundstein für die nächsten Jahrzehnte der Branche gelegt wurde.
Vielen Dank für Ihre Antworten!
