Ausgezeichnet wurden Projekte der FH Kärnten, der Hochschule Campus Wien und der TU Wien. | © BDOE/Stefan Seelig
Die Zukunft des Betonbaus liegt in ressourcenschonenden Konstruktionen, digitalen Planungsprozessen und einer konsequenten Kreislaufwirtschaft. Das zeigen aktuelle Forschungsprojekte österreichischer Hochschulen ebenso wie die Ergebnisse der Concrete Design Competition 2025/26. Gleichzeitig setzen heimische Bauunternehmen bereits zahlreiche dieser Ansätze in der Praxis um.
Forschung setzt auf Materialeffizienz und Robotik
An der Universität für Bodenkultur Wien arbeiten Forschende an robotergestützt gefertigten Betonfertigteilen, die den Materialeinsatz um 20 bis 40 Prozent reduzieren können, ohne die Tragfähigkeit zu beeinträchtigen.
Auch das Forschungsprojekt C3PO der Hochschule Campus Wien verfolgt das Ziel, den Betonbau effizienter zu gestalten. Im Fokus stehen 3D-gedruckte Bauteile aus klinkerarmen Zementen sowie topologieoptimierte Konstruktionen. Seit Herbst 2025 wird dieser Ansatz im Nachfolgeprojekt C3PRO gemeinsam mit der TU Wien und 27 Industriepartnern weiterentwickelt.
Parallel gewinnt die Kreislaufwirtschaft an Bedeutung. Im Projekt CarboRate untersucht die Vereinigung der Österreichischen Zementindustrie gemeinsam mit Smart Minerals, wie Betonabbruch durch Carbonatisierung dauerhaft CO₂ binden kann. Ziel ist es, recycelte Baustoffe künftig auch als CO₂-Speicher zu nutzen.
Digitalisierung hält Einzug auf die Baustelle
Wie weit digitale Methoden bereits in der Baupraxis angekommen sind, zeigt unter anderem der Semmering-Basistunnel. Dort kommen Laserscans, BIM-Modelle, Lean-Management und Künstliche Intelligenz entlang der gesamten Projektabwicklung zum Einsatz – von der Planung bis zum späteren Betrieb.
Wettbewerb zeigt Ideen des Nachwuchses
Diese Entwicklungen spiegeln sich auch in der diesjährigen Concrete Design Competition wider. Unter dem Motto „Transform“ reichten Studierende und Nachwuchsforschende 31 Projekte ein, die neue Ansätze für ressourcenschonendes Bauen mit Beton präsentieren.
Juryvorsitzender Werner Sobek sieht den Schlüssel der Transformation darin, Bauwerke mit möglichst geringem Materialeinsatz zu errichten und gleichzeitig Rückbau sowie Recycling mitzudenken.
„Beton ist der Hebel, ohne den uns die Transformation des Bauwesens nicht gelingen wird“, sagt Claudia Dankl, Vorstand von Beton Dialog Österreich und stellvertretende Geschäftsführerin der Vereinigung der Österreichischen Zementindustrie. „Die Concrete Design Competition motiviert alle zwei Jahre Studierende an Österreichs Hochschulen, sich mit der Zukunft des nachhaltigen Bauens auseinanderzusetzen und Beton neu zu denken.“
Ausgezeichnet wurden Projekte der FH Kärnten, der Hochschule Campus Wien und der TU Wien – von robotergestützten Betonträgern über Basaltfaser-Bewehrungen bis hin zu Konzepten für die Wiederverwendung bestehender Bauteile.
Innovationen erreichen die Baupraxis
Viele der im Wettbewerb gezeigten Ideen werden bereits umgesetzt. So setzt die PORR verstärkt auf Recyclingbeton, digitale Planungsmethoden und emissionsärmere Baustoffe. Im Recycling Center Himberg wurden im vergangenen Jahr rund 83.500 Tonnen Beton wiederverwertet.
Darüber hinaus arbeitet das Unternehmen gemeinsam mit Forschungspartnern an KI-gestützten Verfahren zur Bewertung von Recyclingbeton und optimiert Tragwerksberechnungen, um Material einzusparen.
„Viele der in der Jurysitzung diskutierten Ideen sind bereits in der Baupraxis angekommen – vom Baustoffrecycling über die Digitalisierung bis hin zu neuen Betonrezepten“, erklärt Josef-Dieter Deix, COO der PORR AG und Jurymitglied.
Die aktuellen Forschungsprojekte und Wettbewerbsbeiträge zeigen, dass die Transformation des Betonbaus bereits begonnen hat. Materialeffizienz, Digitalisierung und Kreislaufwirtschaft entwickeln sich zunehmend zu zentralen Bausteinen einer nachhaltigeren Bauweise.
