Die Diskussion rund um das kürzlich beschlossene österreichische Elektrizitätswirtschaftsgesetz zeigte vor allem eines: Die politische Einigung ist komplex – ebenso wie die Frage, wie stark ein Gesetz Strompreise tatsächlich senken kann. Ob es als „Billigstromgesetz“ oder „Günstiger Strom Gesetz“ bezeichnet werden sollte, war dabei ein medienwirksamer Streitpunkt. Klar ist jedoch: Es braucht ein Signal an Haushalte, Gewerbe und Industrie, dass elektrische Energie künftig wieder leistbarer werden soll.
Doch jenseits der Namensdebatte rückt ein zentraler Zusammenhang in den Fokus, der sich anhand von Marktdaten klar belegen lässt: Der wirksamste Hebel zur nachhaltigen Senkung der Stromkosten ist nicht ein politischer Begriff – sondern der Ausbau erneuerbarer Erzeugungstechnologien.
Erneuerbare senken den Strompreis: Zusammenhang am Day-Ahead-Markt sichtbar
Wie stark Erneuerbare direkt auf das Preisniveau wirken, zeigt sich besonders deutlich am sogenannten Day-Ahead-Strompreis in Österreich. Dieser Preis wird an der Strombörse für jede einzelne Viertelstunde des Folgetages durch Angebot und Nachfrage ermittelt.
Der Mechanismus ist standardisiert: Stromerzeugung und -verbrauch werden täglich bis 12 Uhr in Form von Angeboten für den Folgetag gegenübergestellt. Die Börse berechnet daraus den jeweiligen Market Clearing Price (MCP) – also den Preis, der für jede Viertelstunde des Folgetages gilt.
Entscheidend ist dabei die erwartete Erzeugung aus Wasserkraft, Windenergie, Solarenergie und Biomasse. Je höher der Anteil dieser erneuerbaren Quellen an der Stromproduktion, desto niedriger fällt der Day-Ahead-Strompreis aus.
Marktdaten 2025: 1 % mehr Erneuerbare senkt den Preis um rund 1 €/MWh
Die Auswertung aller Viertelstundenwerte des Jahres 2025 – vom 1. Jänner bis 14. Dezember – macht den Zusammenhang sichtbar: Steigt der Anteil erneuerbarer Stromproduktion, sinkt der Preis für elektrische Energie für den nächsten Tag.
Im großen Bild ergibt sich ein klarer statistischer Effekt: Der Preis fällt um rund 1 Euro pro Megawattstunde (€/MWh), wenn der Anteil an erneuerbarer Stromproduktion um 1 Prozentpunkt steigt.
Preisstabilität braucht Erzeugungswachstum
Während gesetzliche Maßnahmen vor allem kurzfristige Entlastung oder strukturelle Marktregeln schaffen können, liegt die nachhaltige Strompreisstabilisierung vor allem auf der Erzeugungsseite: Mehr erneuerbare Produktion bedeutet mehr günstige Energie im Markt – und damit sinkende Börsenpreise, die sich langfristig auch auf Endkundenpreise auswirken können.
Der Erneuerbarenausbau ist damit nicht nur ein Klimaschutzinstrument – sondern auch ein zentraler wirtschaftlicher Hebel für leistbare Energie in Österreich.
