Aktuell sind die Speicher mit rund 62 TWh Gas befüllt. | © Atle Mo/Unsplash
Extreme Temperaturen zu Jahresbeginn zeigen einmal mehr, wie wichtig eine verlässliche Energieversorgung ist. Mit Tiefstwerten von -25,7 Grad in Liebenau, -24,3 Grad in Schwarzau im Freiwald und -20,9 Grad in Tannheim wurde Österreich bereits früh im Jahr mit außergewöhnlicher Kälte konfrontiert. Gerade unter solchen Bedingungen kommt einem Energieträger eine zentrale Rolle zu: Gas.
Verlässliche Energie bei Dunkelflaute
Wenn Flüsse wenig Wasser führen, Photovoltaikanlagen wegen anhaltender Bewölkung kaum Strom liefern und auch der Wind ausbleibt, stoßen erneuerbare Energien an physikalische Grenzen. Besonders an kalten Wintertagen, an denen der Energiebedarf für Heizung und Strom stark ansteigt, wird diese Situation zur Herausforderung.
Gas übernimmt in solchen Phasen eine stabilisierende Funktion. Im Jahr 2025 lieferten österreichische Energieversorger laut dem Bundesministerium für Wirtschaft, Energie und Tourismus insgesamt 7,2 Terawattstunden Gas für die sichere Stromversorgung.
„Gas ist dringend notwendig“, sagt Michael Mock, Geschäftsführer des Fachverbands Gas Wärme, „denn vor allem im Winterhalbjahr sorgt Gas für eine zuverlässige Stromerzeugung. Zudem entlasten Gasheizungen die Stromnetze und darüber hinaus ist Gas auch Garant für die störungsfreie Fernwärmeversorgung.“
Gas als Rückgrat der Stromversorgung im Winter
Über das gesamte Jahr hinweg deckt Gas im langjährigen Schnitt rund 15 Prozent des österreichischen Strombedarfs. In kritischen Phasen kann dieser Anteil jedoch deutlich steigen. An einzelnen Tagen liefert Gas mehr als 40 Prozent der für die Stromproduktion benötigten Energie.
Besonders problematisch ist die sogenannte „kalte Dunkelflaute“ – eine Wetterlage, bei der niedrige Temperaturen mit geringer Wasserführung, fehlender Sonneneinstrahlung und schwachem Wind zusammentreffen. In solchen Situationen steigt der Stromverbrauch stark an, während erneuerbare Quellen nur eingeschränkt verfügbar sind. Für Energieversorger stellt dies eine der größten Herausforderungen dar.
Perfektes Backup durch Speicherfähigkeit
Ein entscheidender Vorteil von Gas ist seine Speicherfähigkeit. In geologischen Tiefenspeichern kann es nahezu verlustfrei über lange Zeiträume eingelagert werden und steht bei Bedarf sofort zur Verfügung. Steigt der Strombedarf kurzfristig an, lassen sich zusätzliche Gaskraftwerke rasch hochfahren und ins Netz integrieren.
Seit den 1970er Jahren hat sich die österreichische Gasinfrastruktur als verlässlicher Pfeiler der Energieversorgung bewährt. Darüber hinaus gewinnt Gas auch im Kontext der Energiewende an Bedeutung: Biomethan und Wasserstoff erweitern das Spektrum um erneuerbare Optionen. Ein weiterer Vorteil ist die fehlende Feinstaubbelastung bei der Verbrennung von Gas – im Gegensatz zu vielen Holzfeuerungen.
Hoher Speicherstand sorgt für Versorgungssicherheit
Österreich verfügt über neun große Gasspeicher mit einer Gesamtkapazität von mehr als 100 Terawattstunden (TWh). Damit kann mehr Gas eingelagert werden, als Haushalte, Industrie und Gaskraftwerke zusammen in einem Jahr verbrauchen.
Aktuell sind die Speicher mit rund 62 TWh Gas befüllt – das entspricht einem Füllstand von etwa 60 Prozent. Dieser hohe Speicherstand bildet eine wichtige Grundlage für die Versorgungssicherheit während der Heizperiode und bei anhaltenden Kältephasen.
Stabilität im Energiesystem
Die aktuellen Wetterextreme verdeutlichen: Gas bleibt ein zentraler Bestandteil der österreichischen Energieversorgung, insbesondere als flexibel verfügbares Backup in Zeiten hoher Nachfrage und geringer erneuerbarer Stromerzeugung. Damit spielt Gas auch künftig eine wichtige Rolle für Versorgungssicherheit, Netzstabilität und eine funktionierende Energiewende.
