Gebäudetechniker – der beste Beruf

25.02.2025 | Innung, Slider

Der „Gelbe“ sprach mit dem Niederösterreichischen Landesinnungsmeiser Gerald Kopsa über die Chancen der Branche im Jahr 2025, die größten Herausforderungen des Jahres sowie zahlreichen Vorteile des schönen Gebäudetechnik-Berufes.

Wie beurteilen Sie Chancen und Risiken des Jahres 2025?
GERALD KOPSA: Die Risiken – wenn man es so bezeichnen möchte – sind sicherlich die Einstellung der Förderung von „Raus aus Öl und Gas“, welche meiner Meinung nach ein fatales Signal an den Endkunden ist. Es sind noch unzählige ältere Anlagen (egal welcher Brennstoff) im Einsatz, die sicherlich von vielen Endkunden getauscht werden würden, aber auf Grund der Einstellung der Heizkesseltausch – Förderung weiterhin mit einem teils sehr schlechten Wirkungsgrad vom Endverbraucher weiter betrieben werden.

Ich kann nur – so wie auch schon unser Bundesinnungsmeister – an die Politik in vielerlei Hinsicht appellieren, wieder eine vernünftige Förderung ins Leben zu rufen. Zum einen geht es um unsere Branche und auch die Arbeitsplätze unserer Mitarbeiter sowie zum anderen natürlich auch um die Arbeitsplätze in der Industrie. Nicht zu vergessen sind natürlich auch die Klimaziele, welche erreicht werden sollen. Die angedrohten Strafzahlungen für die Nichteinhaltung können wir dem Staat durch eine vernünftige Förderung ersparen.

Die Chancen sehe ich darin, dass es für den Endkunden momentan immer schwieriger wird, einen Top Installateur mit guter Beratung zu finden, sofern er nicht ohnehin schon einen langjährigen Sanitär- und Heizungsinstallateur seines Vertrauens hat. Nachdem immer öfter leider auch unseriöse Notdienste die Leute abzocken, sind viele Endkunden schon misstrauisch geworden. Meiner Meinung nach kann bei seriöser Beratung im Sinne des Kunden und gesicherte Qualität eine Neuakquise aber durchaus gelingen.

Was sind die wichtigsten Herausforderungen der Landesinnung dieses Jahr?
KOPSA: Wir werden uns wie schon vorhin beschrieben mit den uns zur Verfügung stehenden Mitteln dafür einsetzen, dass es wieder zu einer vernünftigen Förderung für den Heizkesseltausch kommt.

Wir (mein Team und ich) werden auch versuchen, die Landesförderung nach Möglichkeit entsprechend zu gestalten, falls es seitens des Bundes keine Möglichkeiten einer Bundesförderung mehr geben sollte.

Weiters arbeiten wir nach wie vor daran, um zumindest eingeschränkt für bestimmte Normen einen kostenlosen Normenzugang zu erhalten.

Wirtschaftskrise und Baukonjunktur – wie wird sich das in Ihrem Bundesland entwickeln?
KOPSA:
Das ist sehr schwierig im Voraus zu beurteilen. Hier gilt klarerweise: Wenn größere Wohnbauförderungen wegfallen, dann gerät auch der großvolumige Wohnbau stark ins Stocken. Größere Betriebe weichen dann auf „kleinere“ Arbeiten aus. Das ist natürlich insgesamt für die Branche dann nicht gut, da in Summe mehr Firmen mit weniger Aufträgen zurecht kommen müssen. Es ist ebenfalls ein Appell an die verantwortlichen Leute der Politik zu richten, bitte den Wohnbau zu fördern. Einerseits ist das ein wichtiges Standbein für unsere Branche und andererseits wird der Wohnraum dringend benötigt.

Von der Auftragslage in unserer Branche generell kann ich nur berichten, dass die Stimmung grundsätzlich noch sehr gut ist.

Worauf kann sich die Branche freuen?
KOPSA: Die Preise sind wieder stabil und somit ist die Planbarkeit wieder gegeben. Ich bin der Ansicht, dass das Volumen der Instandhaltung steigen wird, da die Wohnimmobilien, die in den letzten Jahren im Zuge des Baubooms gebaut wurden, auch zunehmend Instand gehalten werden müssen.

Wie eng arbeitet Ihre Landesinnung mit anderen Bundesländern zusammen bzw. was kann man bei einem Blick über den Tellerrand lernen?
KOPSA: Natürlich arbeiten wir mit allen anderen Landesinnungen sehr eng zusammen. Abgesehen von unseren Ausschusssitzungen der Bundesinnung treffen wir uns regelmäßig bei Landesinnungsmeisterkonferenzen.

Es gibt auch einen stetigen gegenseitigen Austausch von Experten aus den Bundeslän- dern in themenbezogenen Fachausschüssen (z.B. Aus- und Weiterbildung, Normen und Technik).

Gibt es Vernetzungen mit anderen Innungen (Metaller, Rauchfangkehrer, Fliesen- leger o.ä.)? Wenn ja, welche?
KOPSA:
Es gibt unzählige Vernetzungen, welche laufend gepflegt werden. So arbeiten wir z.B. sehr eng mit den Rauchfangkehrern zusammen. Ebenso gibt es eine enge Kooperation mit den Elektrotechnikern, mit denen wir vor kurzem erst den technischen Leitfaden für den Einbau von Wärmepumpen zusammen ausgearbeitet haben. In Zukunft wird es ja so sein, dass eine geplante Wärmepumpenanlage über 3,68 kVA in NÖ beim Netzbetreiber gemeldet und von diesem genehmigt bzw. bewilligt werden muss, bevor mit den Arbeiten begonnen werden darf. Hintergrund ist jener, dass die Netze schön langsam an ihre Grenzen stoßen. Natürlich gibt es anlassbezogenen Kontakt auch mit den Fliesenlegern und ebenfalls pflegen wir ein sehr gutes partnerschaftliches Verhältnis mit der EVN / Netz NÖ.

Wie handhaben Sie die Lehrlings-Suche und -Ausbildung in Ihrem Unternehmen?
KOPSA: Grundsätzlich kommen wir zu neuen Lehrlingen im Bekannten- und teilweise auch Verwandtenkreis.

Abschließende Worte?
KOPSA: Ich bin nach wie vor der Meinung, dass wir den besten Beruf haben, den man nur lernen kann. Ebenso gibt es in unserer Branche alle Möglichkeiten zur Weiterbildung. Im Gegensatz zu früher ist es heute durchaus machbar, nach der Lehre die Matura oder ein Studium zu absolvieren, um in allen Bereichen und Ebenen eines Unternehmens Fuß fassen zu können.

Dass die Meisterausbildung heute auf dem NQR Level 6 angesiedelt ist, belegt ihre qualitative Hochwertigkeit. Und egal, ob sich jemand selbstständig machen möchte oder nicht: Mit einer Meisterausbildung macht man nichts falsch. Exzellent ausgebildete Mitarbeiter sind auf dem Arbeitsmarkt immer gefragt, insbesondere wenn diese auch in der Lage sind, ein Projekt selbstständig von der Planung bis zur Übergabe auch in der Praxis umzusetzen. Auf jeden Fall wird unsere Branche immer krisensicher sein, da ein Gas- und Sanitärtechniker bzw. ein Heizungs- oder Lüftungstechniker immer gebraucht werden wird. Davon bin ich fest überzeugt.

Vielen Dank für das Gespräch und alles Gute für 2025!

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