LIM OÖ Mag. Markus Redl, MSc. | © Redl
Der „Gelbe“ sprach mit Oberösterreichs LIM Redl über notwendige Planungssicherheit in puncto Förderungen ebenso wie die Herausforderung des Fachkräftemangels und er konnte u. a. auch mit spannenden Serientipps aufwarten:
Was gibt es Neues in Ihrem Bundesland?
Redl: Die Gebäudetechnik entwickelt sich in ganz Österreich zunehmend zur Schlüsselbranche der Energiewende. In Oberösterreich sehen wir – trotz des nicht planbaren Themas Förderungen – einen überwiegend guten Auftragsbestand. Gleichzeitig beschäftigt uns die Verfügbarkeit qualifizierter Mitarbeiter immer stärker, die stagnierende Baukonjunktur und der Personalabbau im Industriebereich führen nicht automatisch zur Verfügbarkeit geeigneter Fachkräfte. Dir. Stefan Hutter, ein sehr erfahrener Schulleiter, hat die Leitung unserer Berufsschule übernommen. Es freut mich sehr, dass der Austausch und die Zusammenarbeit zwischen Landesinnung und Berufsschule so gut funktionieren. Außerdem hat die Schule ein neues Heizungslabor u. a. für Luftwärmepumpen errichtet, das österreichweit Standards setzt.
Wie beurteilen Sie generell Chancen und Risiken des Jahres 2026?
Redl: Nachdem schon fast drei Viertel dieses Jahres vergangen sind, kann man diesbezüglich schon ein kurzes Zwischenresümee ziehen. Ich glaube, dass dieses Jahr und auch die darauffolgenden Jahre große Chancen unter anspruchsvollen Rahmenbedingungen für unsere Branche bieten. Der Sanierungsmarkt wird langfristig wachsen, weil Energieeffizienz, Versorgungssicherheit und Klimaschutz immer mehr an Bedeutung gewinnen und keine kurzfristigen Trends sind. Es handelt sich dabei um dauerhafte Aufgaben, denen sich die Gesellschaft, der Gesetzgeber bzw. die Förderlandschaft nicht verschließen können. Die Risiken liegen meiner Ansicht nach weniger in der grundsätzlichen Nachfrage als vielmehr in den förderpolitischen Rahmenbedingungen. Unternehmen und Kunden benötigen Planungssicherheit. Häufig wechselnde Fördermodelle oder kurzfristige gesetzliche Änderungen führen sowohl bei Kunden als auch bei Betrieben zu Verunsicherung. Daraus resultieren Nachfrageschwankungen, welche es für die Betriebe extrem schwierig machen. Eine weitere Herausforderung sehe ich in der Verfügbarkeit qualifizierter Arbeitskräfte. Hier müssen wir gemeinsam – Unternehmen und Politik – Anstrengungen unternehmen, um diesem Trend entgegenzuwirken.
Wirtschaftskrise und Baukonjunktur – ist die Talsohle langsam durchschritten? Wie entwickelt sich das in Ihrem Bundesland?
Redl: Es gibt Anzeichen einer Stabilisierung; leider auf recht niedrigem Niveau. Von einem echten Aufschwung würde ich nicht sprechen. Vor allem der Neubau liegt weiterhin unter früheren Niveaus. Dieser Bereich wird sich, m. M. n., auch nicht so schnell erholen. Selbst wenn plötzlich Investitionsanreize für den Neubau geschaffen werden, unterliegen diese Projekte langen Vorlaufzeiten. Der Sanierungsbereich wird künftig stärker an Bedeutung gewinnen bzw. gewinnen müssen – schon aufgrund der EU-Strategie zur Dekarbonisierung. Für die Installateurbetriebe in Oberösterreich ist das grundsätzlich positiv, da gerade hier unsere Kernkompetenzen gefragt sind. Entscheidend wird sein, dass Investitionen durch verlässliche Rahmenbedingungen unterstützt werden. Es ist jedoch von größter Bedeutung, dass wir die Ziele der EU mit Maß und Ziel in unserem Land umsetzen, denn es hilft nichts, wenn durch zu hoch gesteckte Ziele unsere Wirtschaft unter Druck gerät.
Worauf darf sich die Branche freuen?
Redl: Unsere Branche wird in den kommenden Jahren eine zentrale Rolle bei der Energie- und Wärmewende einnehmen. Kaum ein anderes Gewerbe verbindet Klimaschutz, Versorgungssicherheit und Komfort so unmittelbar. Mit modernen Heizungs-, Lüftungs- und Sanitärsystemen leisten unsere Betriebe täglich einen messbaren Beitrag zur Reduktion von Energieverbrauch und CO₂-Emissionen. Das macht unseren Beruf nicht nur wirtschaftlich interessant, sondern auch gesellschaftlich besonders relevant. Ganz besonders wichtig ist dies für das Image und die Akzeptanz bei den Jugendlichen, die wir dringend als Nachwuchskräfte benötigen. Ihnen ist es wichtig, quasi auf der richtigen Seite zu stehen und durch die eigene Leistung im Job einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz leisten zu können.
Wie gestaltet sich Ihr Blick über den Tellerrand – auf andere Gewerke und in andere Bundesländer? Was kann dabei für die Gebäudetechnik in Ihrem Land wichtig sein?
Redl: Die Zukunft der Gebäudetechnik liegt wohl in einer verstärkten Zusammenarbeit mit anderen Gewerken, da die interdisziplinären Themen Gebäudeleittechnik, Lastspitzenmanagement, Energieoptimierung, Energieplanung und thermische Gebäudeoptimierung wichtiger sind als früher. Dies wird unter dem Stichwort „Sektorenkopplung“ zusammengefasst. Auch der Austausch mit anderen Bundesländern ist besonders wertvoll, man kann viel von anderen lernen und viele Herausforderungen – etwa Fachkräftesicherung, Digitalisierung oder die Umsetzung der Energiewende – betreffen ganz Österreich. Gute Lösungen sollten wir daher nicht mehrfach entwickeln, sondern gemeinsam umsetzen.
Gibt es neue Förderungen für das Bundesland? Was wackelt, was bleibt, was kommt wieder?
Redl: Förderungen bleiben ein wichtiges Instrument, allerdings wünschen wir uns vor allem eines: Verlässlichkeit. Für Betriebe und Kunden ist weniger entscheidend, ob eine Förderung besonders hoch ausfällt, sondern dass sie langfristig planbar ist. Kurzfristige Änderungen oder Förderstopps erschweren Investitionsentscheidungen erheblich. Aus diesem Grund hätten wir uns sehr gefreut, wenn es einen nahtlosen Übergang der Bundesförderung und damit schon ab September eine neue Förderung gegeben hätte. Dadurch hätten wir auch den Herbst noch für Aufträge nutzen können.
Welche Fachmessen sind stets fix eingeplant – gibt es da Ideen/Wünsche was man ändern könnte?
Redl: Wir bleiben „unserer“ Energiesparmesse in OÖ treu und werden dorthin auch wieder die Branche einladen – gemeinsam mit der Bundesinnung zum geselligen Austausch. Ich glaube, dass es ganz wichtig ist, eine solche Fachmesse im eigenen Land zu haben. Es wäre schön, wenn wir hinsichtlich der Aussteller in allen Themenfeldern wieder die Stärke vergangener Jahre erreichen.
Gibt es Licht am Horizont in Bezug auf Lehrlingszahlen und Qualität der Auszubildenden?
Redl: Die Formulierung ist mir deutlich zu negativ. Wir sehen laufend bei den Lehrlingswettbewerben, dass hervorragende Jugendliche zu unseren Betrieben finden und zu hochqualifizierten Fachkräften werden. Mir ist aber natürlich bewusst, dass es bei einer großen Zahl von Lehrlingen für die Betriebe herausfordernd ist, diese zum erfolgreichen Berufsabschluss zu führen. In Verbindung mit dem Megathema Energiewende bin ich zuversichtlich, dass wir auch in Zukunft gute Leute finden. Deshalb bleibt die Nachwuchsarbeit eine Daueraufgabe, der wir uns in der Innungsarbeit ganz intensiv widmen, von Lehrlingswerbung in den sozialen Medien über die Teilnahme bei Berufsmessen bis hin zur flächendeckenden Berufsinformation in den Mittelschulen.
Welche Anreize könnte man noch setzen, um Zahlen und Motivation zu erhöhen?
Redl: Wir haben gerade die gesamte Ausbildungsordnung grunderneuert und an die Bedürfnisse der Betriebe angepasst; das war eine große Herausforderung und extrem viel Arbeit, aber jetzt steht das Konstrukt. Der aktuelle Zeitpunkt ist von grundsätzlicher Bedeutung für die Ausrichtung des Lehrplans für die nächsten Jahre. Gemeinsam mit der hervorragenden Berufsschule in Linz werden unsere Betriebe somit auch in Zukunft gute Installateure hervorbringen. Entscheidend ist hierbei, das heutige moderne Tätigkeitsfeld der Installateure frühzeitig und realistisch zu vermitteln. Viele Jugendliche wissen gar nicht, wie interessant und vielseitig unser Beruf heute ist und welche Chancen damit verbunden sind.
Wie handhaben Sie die Lehrlings-Suche und -Ausbildung in Ihrem Unternehmen?
Redl: Die Lehrlingsausbildung ist seit Jahrzehnten ein ganz wichtiger Bereich in unserem Unternehmen. Wir investieren sehr viele Ressourcen, um auch hier immer attraktiver für unsere Lehrlinge zu werden. Das beginnt bei der Bewerbung unseres Unternehmens auf unterschiedlichen Kanälen, geht weiter über Nachhilfe und Lehrlingsausflüge bis hin zu Fortbildungsangeboten in unterschiedlichen Bereichen. Aus meiner Sicht sind die Lehrlinge von heute das Kapital unseres Unternehmens von morgen und deshalb versuchen wir sie auch langfristig an unser Unternehmen zu binden.
Thema Skills und Lehrlingswettbewerbe – sind Sie zufrieden mit den Leistungen?
Redl: Ja, und zwar mit voller Überzeugung. Die Leistungen unserer Lehrlinge bei Wettbewerben zeigen regelmäßig das hohe Ausbildungsniveau unserer Betriebe. Ich danke allen Ausbildungsbetrieben – und besonders auch den kleineren – für ihre Bemühungen um den Facharbeiternachwuchs und dafür, dass sie immer wieder solche Talente finden. Mir ist schon bewusst, dass das Ausnahmetalente sind, aber Spitzenleistungen sind das, was wir brauchen, um als Branche auf uns aufmerksam zu machen.
Können Sie unseren Lesern bitte die Zuständigen in Sachen Lehrlingswesen vorstellen?
Redl: Unsere Lehrlingsbeauftragten sind Alfred Laban und Thomas Luksch. Beide leisten hervorragende Arbeit. Gerade das Lehrlingswesen ist mit den vielen Aufgaben sehr zeitaufwändig und es ist nicht selbstverständlich, dass sich jemand so engagiert wie die beiden es nun schon jahrelang machen. In der Berufsschule ist Dir. Hutter unser neuer Ansprechpartner für unsere Ausbildungsbetriebe, und ich kann sagen, dass er mit seiner Routine und seinem modernen Zugang zur Schulführung einen hervorragenden Job macht.
Haben Sie Tipps zu aktuellen Lieblingsfilmen/Serien/Lektüren/Podcasts rund ums Thema Klima als Empfehlung für unsere LeserInnen?
Redl: Ich habe kürzlich die Kurzserie „Extrapolations“ auf AppleTV angesehen. Diese befasst sich zu einem großen Teil mit dem Thema Klimawandel in unterschiedlichen Facetten. Ich bin zwar der Meinung, dass die gezeigten Inhalte hier ein wenig zu überzeichnet sind, aber sie regen trotzdem zum Nachdenken an.
Abschließende Worte?
Redl: Ich freue mich auf die nächsten Jahre in unserer Branche. Auch wenn es herausfordernd wird, werden sich viele Chancen ergeben und wir werden versuchen, unsere Mitgliedsbetriebe zu unterstützen, damit sie diese Chancen bestmöglich nutzen können. Ich glaube, dass wir wirklich in einem sehr spannenden und zukunftsträchtigen Umfeld arbeiten und dies auch weiterhin noch an Bedeutung gewinnen wird.
Vielen Dank für das Gespräch!
