Agape präsentierte eine Badewanne aus Holz, designt vom englischen Designer David Chipperfield | © Agap
Mit dem Start der Milano Design Week am 20. April rückte Mailand wieder ins Zentrum der internationalen Designszene. Zahlreiche Events und Präsentationen fanden bereits in den Tagen zuvor statt. Am 21. April öffneten dann auch die Pforten des Messegeländes in Rho Fiera, wo in diesem Jahr erneut die biennalen Messen Eurocucina und Salone del Bagno ausgetragen wurden.
Viel hatte man sich von der diesjährigen Ausgabe zunächst nicht erwartet. So manch jemand prophezeite sogar einen Untergang der Messe zugunsten der zahlreichen, nicht enden wollenden Events in der Stadt. Umso erfreulicher war es, als man das Gegenteil feststellen konnte. Überall Menschenmassen: in der U-Bahn, bei den Eingängen zur Messe, in den Hallen und auf den Straßen im Zentrum … Vielleicht ging man weniger auf die Messe und stattdessen mehr auf Entdeckungstour in die Stadt, aber von einem Messe-Ende konnte nicht die Rede sein – im Gegenteil!
Die Veranstaltung verlief erfolgreicher als im Vorjahr. Insgesamt wurden in diesem Jahr 316.342 Besucher gezählt, was einem Plus von 4,5 Prozent entspricht. Zwar wurden die Zahlen aus der Zeit vor der Pandemie noch nicht erreicht, doch sowohl die Tendenz als auch die Stimmung waren eindeutig positiv. Mit einem internationalen Besucheranteil von 68 Prozent konnte Mailand seine Rolle als weltweit wichtigste Bühne für Design erneut eindrucksvoll bestätigen, getragen vom Zusammenspiel aus Salone del Mobile und Fuorisalone.
So wie die meisten versuchte auch ich, mich zwischen Messegelände und der Innenstadt aufzuteilen. Auf dem Messegelände waren es 163 Hersteller, die ihre Neuheiten präsentierten, in der Stadt zirka 40. Schon am Montag besuchte ich im Brera-Viertel die Pressepräsentationen, die dort in den verschiedenen Showrooms stattfanden. Bei Dornbracht konnte ich edle neue Armaturen entdecken, bei Falper ganze Badezimmer im Total Look und bei Agape Produkte, die sich durch wertvolle Materialien und den besonderen Wellness-Charakter auszeichneten. Dort fiel mir sofort die neue Badewanne aus Holz auf, die vom englischen Designer David Chipperfield entworfen wurde. Im Grunde sind Badewannen aus Holz nichts Neues. Schon vor einigen Jahren waren sie im Sortiment des einen oder anderen Unternehmens zu finden, dann aber wurde es eine Zeit lang ruhig um sie. Agape, schon immer ein Trendsetter, holt sie nun zurück nach Europa und lässt sie vom einer Desingröße wie Chipperfield entwerfen. Für mich war das ein Zeichen für das zunehmende Bedürfnis nach Ruhe und Wellness, das in einer Holzbadewanne sicherlich zufrieden gestellt werden kann.
Der japanischen Badekultur begegnete ich dann auch auf dem Messegelände bei Hideo. Hier waren die Badewannen nicht aus Holz, sondern aus Cristalplant®Biobased®Active gefertigt, einem antibakteriellen Material auf Basis pflanzlicher Harze. Besonders sprach mich die runde Form des Modells IN-2000-E an, die der Zahl 8 gleicht und die Ewigkeit symbolisieren soll. In dieser Badewanne, so erklärte mir der Designer Hideo Shimizu, haben sogar zwei Personen Platz, die sitzend oder liegend das Baderitual genießen können. Wellness stand schließlich auch bei der Installation von Grohe im Mittelpunkt, die im Piccolo Teatro Studio Melato im Brera Design District inszeniert wurde. Der Titel der Installation lautete „GROHE SPA Aqua Sanctuary“. Im Mittelpunkt stand das Thema „Wohlbefinden durch Wasser“ – Wasser als sinnliches, regeneratives Element für Architektur und Badgestaltung. Unterteilt war die Ausstellung in drei „Refugien“: In einem wurden futuristische, 3D-gedruckte AquaTree-Duschen mit organischem Design gezeigt, im zweiten gab es luxuriöse Bad- und Materialkonzepte zu sehen, und im dritten luden multisensorische Wasser- und Self-Care-Rituale zur Entspannung und Regeneration ein.
Das Angebot der diesjährigen Milano Design Week orientierte sich zweifellos am Wellnessbereich. Tatsächlich greifen Badezimmer und Spa immer stärker ineinander. Dabei kamen feinste Materialien zum Einsatz: edler Marmor, wertvolle Hölzer, exklusive Oberflächenveredelungen und ein hoher Grad an Personalisierung. Bei Dornbracht konnte man sogar Edelsteine finden, bei Guglielmi waren die Armaturen mit Textilien verkleidet, und bei FIMA Carlo Frattini gab es Duschbrausen aus Glas mit integrierter Beleuchtung.
So erfinderisch die Unternehmen bei der Materialvielfalt waren, so zurückhaltend zeigten sie sich bei den Farben. In diesem Jahr dominierten vor allem erdige und natürliche Töne, allen voran Braun- und Grüntöne. Wirklich farbenfroh war eigentlich nur der Stand von Roca, der von mediterraner Architektur inspiriert war. Dort war unter anderem die Armaturenserie L20 zu sehen, die gestalterisch überarbeitet und in unterschiedlichsten Farben präsentiert wurde. Auch technologisch hatte Roca einiges zu bieten. Nicht nur das Smart-WC In-Wash® Vorea mit integrierter Wasch- und Trocknungsfunktion, das bereits mit dem Red Dot Award und dem iF Design Award ausgezeichnet wurde, erwies sich als besonders innovativ. Noch viel interessanter fand ich das WC Avant mit integriertem Spülkasten, dank dem keine komplexen Vorwandsysteme mehr benötigt werden, was eine besonders einfache und platzsparende Installation ermöglicht. Die Spülung bleibt dennoch kraftvoll und effizient und garantiert dank einer speziellen Oberflächenbehandlung auch eine verbesserte Hygiene sowie eine erleichterte Reinigung.
Nach all dem Schönen und Exklusiven, das ich gesehen hatte, war es ausgesprochen erfrischend, auch technologische Innovationen zu entdecken. Denn so wichtig Design auch sein mag, das Badezimmer bleibt in erster Linie doch ein technischer Raum. Ein WC, eine Duschbrause oder ein Waschbecken müssen in erster Linie funktionieren. Erst danach kommt die Gestaltung. Wenn jedoch Technik und Design gekonnt miteinander verbunden werden, entstehen Produkte, die nicht nur während der Milano Design Week Aufmerksamkeit erregen, sondern auch langfristig relevant bleiben.

