Bestehende Gasnetze sind größtenteils fit für die zukünftige Gasversorgung. | © Pexels/Mart Productions
Die Österreichische Vereinigung für das Gas- und Wasserfach (ÖVGW) sieht die technischen Voraussetzungen für den Einsatz von Biomethan und Wasserstoff in den heimischen Gasnetzen als weitgehend geschaffen. Nach Angaben der Organisation wurden in den vergangenen Jahren gemeinsam mit wissenschaftlichen Partnern umfangreiche Untersuchungen durchgeführt und ein technischer Ordnungsrahmen entwickelt.
Während das bestehende Gasnetz bereits für Biomethan geeignet sei, seien für Wasserstoff noch Anpassungen an der Infrastruktur erforderlich. Aus Sicht der ÖVGW fehlen nun vor allem die gesetzlichen Rahmenbedingungen, um den Umbau der Netze voranzutreiben.
„Bestehende Gasnetze sind nun größtenteils fit für die zukünftige Gasversorgung. Für Biomethan ist das Netz bereits heute geeignet, für Wasserstoff gibt es noch Ausbau- und Adaptionsbedarf. Was nun noch fehlt ist der gesetzliche Rahmen: Das Erneuerbare Gase Gesetz und die Verankerung von Wasserstoff im Gaswirtschaftsgesetz (GWG), damit wir rasch mit dem Umrüsten der Infrastruktur und der Integration Grüner Gase beginnen können“, sagt Stefan Wagenhofer, Präsident der ÖVGW.
Elf Richtlinien für den Wasserstoffeinsatz
Im Rahmen des ÖVGW-Kongresses Ende Juni in Salzburg stellte die Vereinigung ihr erweitertes Regelwerk für Wasserstoff vor. Es umfasst derzeit elf Richtlinien für Planung, Bau und Betrieb von Wasserstoffleitungen und -anlagen. Ziel ist es, einheitliche technische und organisatorische Standards für den sicheren Einsatz des Energieträgers zu schaffen.
Nach Angaben der ÖVGW lassen sich dabei viele Erfahrungen aus dem Erdgasbereich auf Wasserstoff übertragen. Die bestehende Gasinfrastruktur könne grundsätzlich für den künftigen Betrieb mit Wasserstoff ertüchtigt werden.
„Wir als ÖVGW sind startklar für die Umstellung auf Wasserstoff“, so Wagenhofer.
Zertifizierung und Schulungen ergänzen Regelwerk
Neben technischen Richtlinien bietet die ÖVGW auch Zertifizierungen für Produkte und Unternehmen an. Diese sollen Herstellern, Errichtern und Betreibern Orientierung bei der Auswahl geeigneter Komponenten für Wasserstoffanwendungen geben.
Ergänzend wurde das Schulungsangebot ausgebaut. Dazu zählen unter anderem Grundlagenkurse zu Wasserstoff sowie Schulungen für Arbeiten an wasserstoffbetriebenen Fahrzeugen. Ziel ist es, die notwendige Fachkompetenz für den Ausbau der Wasserstoffwirtschaft bereitzustellen.
Nachwuchsförderung im Fokus
Beim ÖVGW-Kongress wurde zudem der Studienpreis der Vereinigung vergeben. Ausgezeichnet wurde Stefanie Nägele für ihre wissenschaftliche Arbeit zur technoökonomischen Analyse einer Erweiterung der Gasinfrastruktur um Wasserstoff am Beispiel des Alpenrheintals.
Nach Einschätzung der ÖVGW sind damit wesentliche technische Voraussetzungen für die Transformation der Gasinfrastruktur geschaffen. Für eine flächendeckende Umsetzung erneuerbarer Gase seien nun politische Entscheidungen und entsprechende gesetzliche Grundlagen erforderlich.
