Auf dem europäischen Markt bietet Panasonic CO₂-Kältetechnik seit 2017 an. | © Panasonic
Die Verfügbarkeit fluorierter Kältemittel in der EU wird weiter eingeschränkt. Ab 2027 sinkt die zulässige Menge neu hergestellter HFKW-Kältemittel laut Panasonic von 42,9 auf 21,7 Millionen Tonnen CO₂-Äquivalent. Grundlage dafür ist die novellierte EU-F-Gase-Verordnung.
Für Betreiber von Kälteanlagen im Lebensmitteleinzelhandel, in Gastronomie, Hotellerie, Kühllogistik sowie bei pharmazeutischen und medizinischen Anwendungen gewinnt damit die Frage nach alternativen Kältemitteln weiter an Bedeutung.
Panasonic sieht sich auf diese Entwicklung vorbereitet. Das Unternehmen produziert seit 2009 CO₂-Verflüssigungssätze und entwickelt bereits seit 2001 eigene Verdichter für das natürliche Kältemittel R744.
CO₂-Kältetechnik seit 2009 in Entwicklung
„Wir haben nicht deshalb mit der Entwicklung von CO₂-Systemen begonnen, weil uns eine Frist dazu gezwungen hätte. Wir haben damit begonnen, weil wir lange vor der Regulierung erkannt haben, in welche Richtung sich die Branche entwickeln muss“, sagt Enrique Vilamitjana, Geschäftsführer von Panasonic Heating & Air Conditioning Europe.
Auf dem europäischen Markt bietet Panasonic CO₂-Kältetechnik seit 2017 an. Damals startete das Unternehmen mit einem Verflüssigungssatz mit 2 PS für Normal- und Tiefkühlanwendungen. Mittlerweile umfasst das Angebot verschiedene Lösungen für die Kleinkälte. Produziert wird sowohl in Japan als auch bei Panasonic Cold Chain Poland in Breslau.
CO₂ beziehungsweise R744 besitzt ein Treibhauspotenzial (GWP) von 1. Fortschritte bei Verdichtern, Regelung und Systemauslegung haben das bereits im späten 19. Jahrhundert als Kältemittel eingesetzte Gas wieder für moderne Anwendungen in der Kühlkette interessant gemacht.
Panasonic meldet niedrigeren Energieverbrauch
Panasonic verweist zudem auf eigene Untersuchungen aus Japan, bei denen CO₂-Anlagen mit invertergeregelten Systemen mit R404A verglichen wurden. Demnach lag der Energieverbrauch der untersuchten CO₂-Systeme in der Tiefkühlung um 25,4 Prozent und in der Normalkühlung um 16,2 Prozent niedriger.
Bei den gesamten CO₂-Emissionen aus Energieverbrauch und Kältemittelverlusten ermittelte das Unternehmen eine Reduktion um 67 Prozent. Die Ergebnisse beziehen sich allerdings auf den Vergleich mit R404A. Das Kältemittel war zum Zeitpunkt der Untersuchung ein verbreiteter Standard, ist jedoch seit 2020 in neuen Anlagen in der Europäischen Union nicht mehr zugelassen.
Die Werte lassen sich daher nicht ohne Weiteres auf sämtliche heute verfügbaren Ersatzkältemittel übertragen. Sie zeigen jedoch, welches Effizienzpotenzial Panasonic für CO₂-Systeme in bestimmten Kälteanwendungen sieht.
F-Gase-Quote erhöht Umstellungsdruck
Zusätzliche Dynamik erwartet Panasonic durch die europäische Regulierung. Mit der weiteren Reduzierung der verfügbaren HFKW-Mengen dürften insbesondere Kältemittel mit hohem Treibhauspotenzial zunehmend unter Druck geraten.
Parallel dazu treibt die EU die Elektrifizierung des Energieverbrauchs voran. Panasonic verweist auf den im Juli 2026 veröffentlichten Aktionsplan der Europäischen Kommission, der für 2040 einen indikativen Elektrifizierungsanteil von 46 Prozent am Endenergieverbrauch nennt. Ein eigener europäischer Aktionsplan für Heizen und Kühlen wurde ebenfalls angekündigt.
Für die Kältebranche treffen damit zwei Entwicklungen aufeinander: die schrittweise Einschränkung fluorierter Kältemittel und die zunehmende Elektrifizierung von Wärme-, Klima- und Kälteanwendungen.
Natürliche Kältemittel im Fokus der Chillventa
Welche Geschwindigkeit der Umstieg auf natürliche Kältemittel erreicht, dürfte auch bei der Chillventa im Oktober 2026 eine zentrale Rolle spielen. Panasonic will dort seine Erfahrungen mit CO₂-Kältetechnik in die Diskussion einbringen.
Dass R744 auch für kleinere gewerbliche Anwendungen eingesetzt wird, zeigt das Unternehmen unter anderem anhand eines Projekts in Großbritannien. Auf der Dunstaple Farm in Devon arbeitet eine Kälteanlage mit 20 PS Leistung und CO₂ als Kältemittel für die Herstellung von Speiseeis.
Für Panasonic ist die aktuelle Entwicklung damit weniger ein Einstieg in natürliche Kältemittel als die Fortsetzung einer langfristigen Technologiestrategie. Angesichts der sinkenden F-Gase-Quoten gewinnt diese Erfahrung nun auch für europäische Betreiber und Fachplaner an Bedeutung.
