Besonders ausgeprägt sind die Befürchtungen hinsichtlich möglicher Folgen für Natur und Landwirtschaft. | © Unsplash/Mark McGregor
Die Sorge um die Wasserverfügbarkeit nimmt in Österreich zu. Laut einer repräsentativen Befragung von Marketagent unter 1.000 Personen rechnen 61 Prozent damit, dass es innerhalb der kommenden zehn Jahre zu Problemen bei der Wasserverfügbarkeit kommen wird. Bei einer vergleichbaren Erhebung im Jahr 2023 waren es noch 49 Prozent.
Noch deutlicher fällt die Veränderung bei der Einschätzung der gegenwärtigen Situation aus. 46 Prozent beurteilen die aktuelle Verfügbarkeit von Wasser und Trinkwasser als problematisch. Drei Jahre zuvor waren es 24 Prozent. Konkret um die Trinkwasserversorgung sorgen sich mittlerweile 47 Prozent der Befragten, gegenüber 33 Prozent im Jahr 2023.
„Wasserknappheit ist für viele Menschen mittlerweile kein abstraktes Zukunftsszenario mehr“, sagt Thomas Schwabl, Geschäftsführer von Marketagent. Die Sorge um die Wasserversorgung sei seit der ersten Erhebung deutlich gestiegen.
Landwirtschaft und Wälder im Fokus
Besonders ausgeprägt sind die Befürchtungen hinsichtlich möglicher Folgen für Natur und Landwirtschaft. 92 Prozent der Befragten halten es für wahrscheinlich, dass Wasserknappheit innerhalb der kommenden zehn Jahre die Waldbrandgefahr erhöht. Auswirkungen auf die Landwirtschaft erwarten 90 Prozent.
Auch gesundheitliche Folgen werden nicht ausgeschlossen: 56 Prozent halten eine Gefährdung der menschlichen Gesundheit durch fehlendes Trinkwasser für wahrscheinlich.
„Wasserknappheit ist weit mehr als ein Thema der Trinkwasserversorgung. Die Menschen sehen sehr klar, welche Kettenreaktionen damit verbunden sein können“, erklärt Andrea Berger, Research & Communications Manager bei Marketagent.
Die Wahrnehmung dürfte auch durch die Wetterbedingungen im ersten Halbjahr 2026 beeinflusst worden sein. Zum Zeitpunkt der Befragung schätzten 57 Prozent die Niederschlagsmenge des laufenden Jahres gegenüber den vorangegangenen fünf Jahren als deutlich geringer ein. 61 Prozent betrachteten diese Entwicklung nicht als vorübergehende Erscheinung.
Auch Veränderungen an Gewässern wurden wahrgenommen: 43 Prozent gaben an, starke Pegelrückgänge bei österreichischen Seen und Flüssen beobachtet zu haben, weitere 40 Prozent zumindest leichte Rückgänge.
Wasserverbrauch wird unterschätzt
Die Studie zeigt zugleich eine Diskrepanz zwischen Problembewusstsein und Wissen über den eigenen Verbrauch. 86 Prozent der Befragten geben an, zumindest etwas auf ihren Wasserverbrauch zu achten. Im Durchschnitt schätzen sie ihren täglichen persönlichen Verbrauch allerdings auf lediglich 85 Liter.
Marketagent stellt diesem Wert einen tatsächlichen Verbrauch von rund 130 Litern pro Person und Tag gegenüber und verweist dabei auf Angaben des zuständigen Bundesministeriums. Der eigene Wasserbedarf wird damit von vielen Befragten deutlich unterschätzt.
Gleichzeitig genießt die Trinkwasserversorgung einen hohen Stellenwert. 84 Prozent betrachten den Zugang zu sauberem Trink- und Quellwasser als eine der wertvollsten Errungenschaften Österreichs. Damit liegt dieser Aspekt in der Befragung vor Gesundheitsversorgung und Luftqualität, die jeweils auf 71 Prozent kommen.
Hohe Zustimmung zu Sparmaßnahmen
Sollte es zu einer akuten Mangelsituation kommen, wäre eine deutliche Mehrheit auch zu Einschränkungen bei nicht notwendiger Wassernutzung bereit. Ein Verbot der Autowäsche würden 85 Prozent unterstützen. Im Jahr 2023 waren es 78 Prozent.
Für ein Verbot der Befüllung privater Pools sprechen sich 78 Prozent aus, gegenüber 75 Prozent drei Jahre zuvor.
Der Vergleich mit der ersten Befragung aus dem Jahr 2023 zeigt damit vor allem eine Verschiebung in der Wahrnehmung: Wasser wird zwar weiterhin als selbstverständlich verfügbare Ressource genutzt, mögliche Engpässe werden von einem wachsenden Teil der Bevölkerung jedoch als realistisches Szenario betrachtet.
