Seit 2024 ist Martin Kloboucnik Co-Geschäftsführer von WOLF Klima- und Heiztechnik. | © WOLF
Die Sommer werden heißer. Daher wird Kühlung bei Neubau und Sanierung zunehmend mitgeplant. „Bei 40 Grad in Wien ist Kühlung kein Komfortthema mehr“, sagt Martin Kloboucnik, Co-CEO von WOLF Klima- und Heiztechnik. Im Gespräch erklärt er, wie die Wärmepumpe das Kühlen übernehmen kann und was es braucht, damit mehr Menschen sich für Wärmepumpen entscheiden:
Die Wärmepumpe wird nicht mehr nur als Heiz-, sondern zunehmend auch als Kühlsystem genutzt. Welche Vorteile bringt das Kühlen mit der Wärmepumpe?
MARTIN KLOBOUCNIK: Wer eine moderne Wärmepumpe von WOLF hat, braucht in den meisten Fällen keine Klimaanlage mehr. Moderne Wärmepumpen können ihren Kreislauf umkehren und kühlen. Gekühlt wird über die vorhandenen Heizkreise – Fußboden, Decke oder Wand. Es werden Bauteile gekühlt, nicht Luft. Das ergibt eine gleichmäßige Kühlung ohne Zugluft und ohne Gebläsegeräusch, und sie hält länger an, weil das Gebäude selbst kühl ist. Die Betriebskosten sind niedrig: Bei der passiven Kühlung läuft im Wesentlichen nur die Umwälzpumpe. Die aktive Kühlung braucht weniger Strom als das Heizen im Winter. Mit einer PV-Anlage, die im Sommer ohnehin Überschuss produziert, sind dann die Betriebskosten vernachlässigbar.
Wie wichtig ist die Kühlfunktion in der Beratung und Kaufentscheidung Ihrer Kunden?
KLOBOUCNIK: Sie ist fester Bestandteil jeder Beratung. Viele Kunden rechnen bei der Kaufentscheidung die eingesparte Klimaanlage mit. Was sich geändert hat: Früher haben wir die Kühlfunktion erklärt, heute wird aktiv danach gefragt. In der Planung heißt das, den Sommer von Anfang an mitzudenken: Taupunktwächter, ausreichend Kühlflächen, Einbindung der PV-Anlage.
Was unterscheidet die Kühlung mit einer Wärmepumpe von einer Klimaanlage?
KLOBOUCNIK: Eine Klimaanlage kühlt die Luft, die durch das Gerät strömt. Die Wärmepumpe kühlt Flächen: Durch die Heizkreise fließt kaltes statt warmes Wasser, die Bauteile geben die Kühle an den Raum ab. Das geht langsamer als bei einer Klimaanlage, ist aber angenehmer, da keine Zugluft und kein Lärm entstehen, zudem hält die Wirkung länger an. Die Grenze ist der Taupunkt: Die Vorlauftemperatur darf 18 bis 20 Grad nicht unterschreiten, sonst kann sich Kondensat bilden.
Welche Voraussetzungen müssen Gebäude und Wärmeverteilsysteme erfüllen, damit das Kühlen mit einer Wärmepumpe sein volles Potenzial entfalten kann?
KLOBOUCNIK: Es braucht genug Kühlfläche. Eine Fußbodenheizung ist gut geeignet, Decken- und Wandflächen sind noch wirksamer, weil kalte Luft nach unten sinkt. Normale Radiatoren funktionieren nicht – dort sind Gebläsekonvektoren die Alternative, die zusätzlich entfeuchten können. Technisch notwendig ist ansonsten lediglich ein Taupunktwächter. Deshalb ist auch die Umrüstung bestehender Anlagen meist mit wenig Aufwand möglich.
Wie unterscheidet sich die Kühlwirkung der unterschiedlichen Wärmepumpen?
KLOBOUCNIK: Grundsätzlich unterscheiden wir zwischen aktiver und passiver Kühlung: Die Luft/Wasser-Wärmepumpe kühlt aktiv. Der Kältemittelkreislauf wird einfach umgekehrt – statt Wärme ins Gebäude zu bringen, wird sie nach außen abgeführt. Der Kompressor läuft dabei wie beim Heizen, nur in umgekehrter Richtung. Bei unserer CHA-Monoblock ist die Kühlfunktion serienmäßig enthalten – kein Zusatzmodul, keine Extra-Kosten. Sole/Wasser- und Wasser/Wasser-Wärmepumpen hingegen kühlen passiv, und das ist der entscheidende Vorteil: Der Kompressor steht still, denn Erdreich und Grundwasser haben auch im Hochsommer konstant 8 bis 12 °C. Diese natürliche Kälte wird direkt ins Gebäude geleitet, Strom braucht dabei nur die Umwälzpumpe. Effizienter kann man Gebäude nicht kühlen.
Wie verändert der steigende Kühlbedarf die Anforderungen an moderne Wärmepumpen?
KLOBOUCNIK: Reversibler Betrieb ist heute Standard, die Anforderungen verschieben sich in Richtung Regelung und Systemintegration: automatischer Wechsel zwischen Heizen, Kühlen und Warmwasserbereitung, Taupunktüberwachung, PV-Einbindung. Der Sommerstromüberschuss der PV-Anlage fällt normalerweise an, wenn gekühlt werden soll.
In der Planung sollte das Kühlen von Anfang an berücksichtigt werden: Dimensionierung, Kühlflächen, Hydraulik. Und mit dem wachsenden Bestand wird die netzdienliche Betriebsweise wichtiger, also die Fähigkeit, flexibel auf das Stromangebot zu reagieren.
Nach dem Boom der letzten Jahre ist der Wärmepumpenmarkt abgekühlt. Wie beurteilen Sie die aktuelle Marktlage?
KLOBOUCNIK: 2025 ist der Markt für Heizungswärmepumpen geschrumpft, fossile Systeme haben wieder zugelegt. Die Gründe: schwache Baukonjunktur, das Auslaufen der Bundesförderung und die Verunsicherung, die daraus entstanden ist. Für 2026 rechnen wir nicht mit einer wesentlichen Änderung. Die Technologie ist ausgereift, die langfristigen Treiber sind intakt – Dekarbonisierung, der Wunsch nach Unabhängigkeit von Öl und Gas, steigender Kühlbedarf. Der Markt reagiert allerdings sehr empfindlich auf politische Rahmenbedingungen.
Welche Faktoren bremsen den Absatz aktuell am stärksten?
KLOBOUCNIK: Erstens, die Förderpolitik: Das abrupte Auslaufen der Bundesförderung hat den Markt massiv gebremst. Sobald Unsicherheit herrscht, verschieben Kunden ihre Investition. Zweitens, die Baukonjunktur: Im Neubau werden überwiegend Wärmepumpen eingebaut, entsprechend hart trifft die Flaute dieses Segment. Drittens, der Strompreis, und hier kommt mit der geplanten neuen Netzentgeltstruktur ein zusätzliches Problem auf uns zu. Der vorgesehene Leistungspreis orientiert sich am höchsten Viertelstundenwert des Monats und trifft damit vor allem Haushalte mit Wärmepumpe oder E-Auto, also genau jene, die bereits in die Energiewende investiert haben.
Das Argument dahinter kann ich nachvollziehen: Wer das Netz stärker beansprucht, soll mehr zu seiner Finanzierung beitragen. Nur unterscheidet der Entwurf nicht, wann die Last anfällt. Wer das E-Auto nachts lädt oder die Wärmepumpe netzdienlich steuert, zahlt genauso viel wie der Verbraucher zur Abendspitze. So werden klimafreundliche Investitionen belastet, statt netzdienliches Verhalten zu belohnen. Und wer vor der Umstiegsentscheidung steht und liest, dass die Wärmepumpe künftig höhere Netzgebühren auslöst, wartet erst einmal ab.
Wie bewerten Sie die Förderlandschaft für Wärmepumpen? Erfüllt sie ihren Zweck?
KLOBOUCNIK: Ehrlich gesagt: Sie erfüllt ihn derzeit nicht. Die Kesseltausch-Förderung mit bis zu 30 Prozent der Investitionskosten war gut gemacht, aber im Juli waren die Mittel aufgebraucht – seither sind keine neuen Registrierungen mehr möglich. Mit der Ausschöpfung des Budgets wurde auch „Sauber Heizen für Alle” geschlossen, also genau jenes Programm, das einkommensschwachen Haushalten den Umstieg überhaupt erst ermöglicht. Und für 2027 soll der Fördersatz von 30 auf 20 Prozent sinken. Der Rahmen von 360 Millionen bleibt zwar erhalten, und getrennte Budgettöpfe für Sanierung und Kesseltausch sind eine Verbesserung. Aber unterm Strich stehen wir wieder dort, wo wir schon einmal waren: Ein Programm läuft an, ist nach wenigen Monaten leer, dann folgt eine Pause und danach ein niedrigerer Satz. Für Kunden, Installateure und Hersteller ist das nicht planbar. Was wir brauchen, ist ein Budget, das ganzjährig durchhält, und Fördersätze, die über mehrere Jahre gleichbleiben.
Was braucht es, damit sich mehr Menschen für eine Wärmepumpe entscheiden?
KLOBOUCNIK: Verlässliche Rahmenbedingungen und einen fairen Strompreis. Wenn der Umstieg auf erneuerbare Heizsysteme politisch gewollt ist, muss Strom gegenüber Gas entlastet werden – das wirkt stärker als jede Einzelförderung. Dazu klare Regeln für den Ausstieg aus Öl und Gas. Und mehr Information: Viele Besitzer wissen nicht, dass ihre Wärmepumpe kühlen kann und dass die Umrüstung wenig Aufwand bedeutet. Heizen, Warmwasser und Kühlen aus einem Gerät – dieses Argument überzeugt in der Beratung.
Welchen Rat geben Sie Installationsbetrieben, wie sie sich für den Wärmepumpenmarkt der Zukunft erfolgreich aufstellen können?
KLOBOUCNIK: Systemkompetenz aufbauen. Wärmepumpe, Photovoltaik, Kühlung und Warmwasser gehören zusammen geplant und verkauft, inklusive Regelung und Hydraulik. Zwei konkrete Empfehlungen: Die Kühlfunktion aktiv ins Beratungsgespräch nehmen, denn damit hebt man sich vom reinen Klimaanlagen-Angebot ab. Und den Bestand nicht vergessen: Die Umrüstung vorhandener Wärmepumpen auf Kühlbetrieb ist ein Geschäftsfeld, das bereits beim eigenen Kundenstock liegt. Wir unterstützen unsere Partnerbetriebe dabei mit Planung, Schulung und technischem Service.
Vielen Dank für das Gespräch!
