Universal Design soll Sanitärprodukte und -räume für möglichst alle Menschen nutzbar machen. | © TOTO
Barrierefreiheit allein reicht nicht mehr aus. Der japanische Sanitärhersteller TOTO verfolgt seit Jahrzehnten einen weitergehenden Ansatz: Universal Design soll Sanitärprodukte und -räume für möglichst alle Menschen nutzbar machen – unabhängig von Alter, Geschlecht oder körperlichen Voraussetzungen.
Im firmeneigenen Universal Design Center in Japan arbeiten Expertinnen und Experten aus Design, Architektur, Technik und Anthropometrie zusammen. Produkte werden dort nicht nur entwickelt, sondern mit unterschiedlichen Nutzergruppen getestet – von älteren Menschen über Eltern mit Kleinkindern bis hin zu Personen mit Behinderungen oder besonderen medizinischen Bedürfnissen. Ziel ist es, Bedienlogik, Orientierung und Sicherheit an realen Alltagssituationen auszurichten.
„Universal Design ist kein Nischenthema, sondern eine zentrale Planungsaufgabe unserer Zeit. Gerade im Bad zeigt sich, wie sehr gute Gestaltung über Komfort, Selbstständigkeit und Würde entscheidet – im privaten wie im öffentlichen Raum“, sagt Matthias Kortenhorn, Verkaufsleiter Nord-West Deutschland & Senior Sales Manager bei TOTO Europe.
Öffentliche Toiletten neu gedacht
Wie sich dieser Anspruch im urbanen Raum umsetzen lässt, zeigt das Tokyo Toilet Project im Bezirk Shibuya. Zwischen 2020 und 2024 entstanden dort 17 öffentliche Toilettenanlagen, entworfen von 16 internationalen Architektinnen und Architekten, darunter Tadao Ando, Toyo Ito und Shigeru Ban.
TOTO unterstützte die Initiative der Nippon Foundation als Berater und Ausstatter. Ziel war es, öffentliche Sanitäranlagen funktional, hygienisch und zugleich architektonisch anspruchsvoll zu gestalten – mit klarer Orientierung, barrierefreien Zugängen und einer Gestaltung, die Hemmschwellen abbaut.
Expo 2025: Inklusive Sanitärkonzepte
Auch auf der Expo 2025 in Osaka war Universal Design ein zentrales Thema. Im Osaka Healthcare Pavillon entwickelte TOTO barrierefreie Sanitärlösungen als integralen Bestandteil eines ganzheitlichen Gesundheitskonzepts.
Besonders bemerkenswert: In die Planung waren 22 sogenannte „Problemsucher“ eingebunden – Menschen mit unterschiedlichen Einschränkungen, die ihre Erfahrungen in die Konzeption einbrachten. Im Technical Center des Unternehmens wurden Raumaufteilungen und Ausstattung anhand maßstabsgetreuer Modelle getestet und angepasst. Das Ergebnis sind Sanitärbereiche, die Funktionalität und soziale Inklusion verbinden.
Gastfreundschaft und Orientierung
Ein weiteres Beispiel ist die Miyajima Omotenashi Toilet nahe dem berühmten Itsukushima-Schrein. Großzügige Bewegungsflächen, klar strukturierte Bedienelemente und eine warme Material- und Lichtgestaltung sollen hier Komfort und Würde gleichermaßen gewährleisten. Die Anlage versteht sich nicht nur als Infrastruktur, sondern als Teil einer gastfreundlichen Umgebung.
Relevanz für Planung und Bau
Angesichts demografischer Veränderungen und steigender Lebenserwartung gewinnt Universal Design auch in Europa an Bedeutung. Für Planerinnen und Planer, Architekturbüros und Betreiber öffentlicher Gebäude wird die nutzerorientierte Gestaltung von Sanitärräumen zunehmend zu einer strategischen Aufgabe.
TOTO positioniert Universal Design dabei nicht als Zusatzoption, sondern als grundlegendes Gestaltungsprinzip. Die konsequente Einbindung realer Nutzererfahrungen zeigt: Inklusion beginnt bei der Planung – und entscheidet darüber, wie selbstverständlich Teilhabe im Alltag gelingt.
