Im Neubau bieten niedrige Vorlauftemperaturen und moderne Dämmstandards gute Voraussetzungen für den Einsatz einer Wärmepumpe. Die neue WOLF CHA Special Edition basiert auf bewährter Technik und präsentiert sich in einem neuen, geradlinigen Design. | © WOLF
Lange galt die Wärmepumpe als Neubauthema. Diese Annahme lässt sich heute nicht mehr halten: Feldstudien zeigen, dass Wärmepumpen auch in Bestandsgebäuden zuverlässig und effizient arbeiten – unabhängig vom Baujahr. Für Installateure eröffnet das ein Marktsegment, das weit über den klassischen Neubau hinausreicht.
Das Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme (Fraunhofer ISE) hat vergangenen Winter sein vierjähriges Forschungsprojekt „WP-QS im Bestand” abgeschlossen und dabei 77 Wärmepumpen in Ein- bis Dreifamilienhäusern unter realen Bedingungen vermessen. Das Ergebnis: Die Anlagen erreichten Jahresarbeitszahlen von 2,6 bis 5,4; ihre CO₂-Emissionen lagen 2024 um 64 Prozent niedriger als jene von Erdgasheizungen. Besonders aufschlussreich: Eine Korrelation zwischen dem Baujahr der Gebäude und der Effizienz der Wärmepumpe konnte nicht festgestellt werden – ausreichend dimensionierte Heizkörper erreichten im Mittel ähnlich niedrige Betriebstemperaturen wie Flächenheizungen.
Worauf es bei einer Nachrüstung wirklich ankommt
Die Vorlauftemperatur ist der zentrale Stellhebel. In Bestandsgebäuden mit klassischen Heizkörpern liegt der tatsächliche Bedarf meist zwischen 55 und 65 Grad, was moderne Geräte problemlos erreichen, wenn auch mit etwas geringerer Effizienz als bei Niedertemperatursystemen. In der Praxis reicht es oft, einzelne Heizkörper in kalten Räumen gegen größere, für Niedertemperatur optimierte Modelle zu tauschen. Eine Fußbodenheizung ist keine zwingende Voraussetzung: Die Kombination mit klassischen Heizkörpern funktioniert in den meisten Bestandsgebäuden gut.
Auch die Gebäudedämmung wirkt sich direkt auf die Effizienz aus. Schon kleinere Maßnahmen, etwa die Dämmung der obersten Geschossdecke, zeigen spürbare Wirkung. Verlässliche Planungsgrundlage bleibt die Heizlastberechnung nach DIN EN 12831: Sie bestimmt die passende Leistungsklasse. „Die größte Unsicherheit bei Bauherren betrifft meist die Vorlauftemperatur im Bestand. Eine saubere Heizlastberechnung nimmt hier die Angst vor einer Fehlentscheidung”, sagt Martin Kloboucnik, Geschäftsführer der WOLF Klima- und Heiztechnik GmbH. „Wer diesen Schritt sorgfältig macht, stellt meist fest, dass eine Wärmepumpe auch im bestehenden Gebäude zuverlässig funktioniert.”
Neubau: Ideale Voraussetzungen, aber Kombination entscheidet
Im Neubau ist die Wärmepumpe längst Standard. Laut Verband Wärmepumpe Austria werden hier überwiegend Wärmepumpen eingebaut. Innerhalb des österreichischen Wärmepumpenmarkts dominiert dabei ungebrochen die Luft-Wasser-Wärmepumpe: Sie stellt 83 Prozent der verkauften Anlagen. Der Grund für die Neubau-Eignung bleibt unverändert: Die Wärmepumpe bezieht den Großteil der Energie kostenlos aus der Umgebung und benötigt nur einen geringen Stromanteil, den eine PV-Anlage zudem selbst erzeugen kann. Neubauten bieten durch Flächenheizung und moderne Dämmstandards optimale Voraussetzungen für effizienten Betrieb.
Gleichzeitig sind Neubauten heute so stark gedämmt, dass ein natürlicher Luftaustausch praktisch nicht mehr stattfindet. Eine kontrollierte Wohnraumlüftung mit Wärmerückgewinnung wird damit zum notwendigen Ergänzungssystem: Sie sorgt für konstanten Luftaustausch und nutzt im Winter die Abluft, um die Frischluft vorzuwärmen. Die Lüftung reduziert so den verbleibenden Heizbedarf, den die Wärmepumpe deckt – für Anbieter wie WOLF, die beide Technologien im Programm haben, ist das ein wachsender Beratungsschwerpunkt.
Förderlage 2026: Stillstand mit ungenutztem Potenzial
Die österreichische Förderlandschaft hat sich 2026 spürbar verändert. Sowohl die Sanierungsoffensive des Bundes als auch die Zusatzförderung „Sauber Heizen für Alle” haben ihre Budgetmittel ausgeschöpft: Neuregistrierungen sind seit Sommer 2026 nicht mehr möglich. Die Folgen zeigen sich bereits im Markt: Nach Auslaufen der Bundesförderung sank der Wärmepumpenabsatz 2025 laut Verband Wärmepumpe Austria um rund 22 Prozent auf etwa 36.000 Stück, während fossile Heizsysteme wieder zulegten – ein ökologisch bedenklicher Trend. Für Installateure bleibt jedoch der Blick auf bereits erteilte Förderzusagen interessant: Wer rechtzeitig registriert und beantragt hat, erhält ab Vertragsdatum neun Monate Zeit zur Umsetzung – eine Verlängerung ist nicht möglich. Erfahrungsgemäß bleibt zwischen Zusage und Umsetzung ungenutztes Potenzial liegen, etwa weil Bauherren Fristen unterschätzen. Für Fachbetriebe lohnt sich daher der Blick auf Kunden mit bestehender, aber noch nicht beauftragter Förderzusage.
Fazit
Zusammenfassend bleibt festzuhalten: Ob Neubau oder Sanierung, die Wärmepumpe ist technisch in beiden Fällen eine verlässliche Lösung. Entscheidend ist nicht das Baujahr, sondern ein stimmiges Gesamtkonzept aus Gerätetyp, Heizlastberechnung und – wo sinnvoll – ergänzenden Maßnahmen wie Dämmung oder Wohnraumlüftung.
Auch wenn die Förderbudgets 2026 ausgeschöpft sind, bleibt bei bereits zugesagten, aber noch nicht umgesetzten Förderfällen kurzfristig Handlungsspielraum für Fachbetriebe.

