Beim 24. Fachsymposium in München stellten die Referenten aktuelle Lösungen rund um Wärmewende und Raumluftqualität vor. | ©Waldecker PR, Koblenz
Wie lassen sich Wärmeverluste reduzieren und vorhandene Energiequellen besser nutzen? Mit dieser Frage beschäftigten sich mehr als 30 Fachjournalisten beim 24. Fachsymposium am 21. September in München. Die vom Pressebüro Waldecker organisierte Veranstaltung bei Hoval Deutschland widmete sich unter dem Motto „Energie im Kreislauf: Wenn nichts verpufft“ verschiedenen Ansätzen für eine effizientere Wärmeversorgung.
Die Beiträge aus Industrie und Handwerk zeigten, dass neben der Wahl des Wärmeerzeugers insbesondere die Dimensionierung, die Wärmeverteilung und die Einbindung zusätzlicher Energiequellen über die Effizienz eines Gesamtsystems entscheiden.
Wärmepumpen und Abwärme im Zusammenspiel
Manfred Gerngroß, Technischer Leiter bei Hoval Deutschland, stellte modulare Systemlösungen für Mehrfamilienhäuser, Gebäudenetze und Gewerbe vor. Beim Hoval Hybridsystem 3.0 übernimmt die Wärmepumpe die Grundlast, während ein fossiler Wärmeerzeuger lediglich zur Abdeckung von Leistungsspitzen eingesetzt wird.
„Die richtige Dimensionierung macht es aus“, betonte Gerngroß. Entscheidend sei demnach, die einzelnen Komponenten auf den tatsächlichen Wärmebedarf abzustimmen.
Ein weiteres Potenzial liegt in der industriellen Abwärmenutzung. Nach Angaben von Thomas Roßmann, Vertriebsleiter Kutzner + Weber/NET/Bomat der Raab-Gruppe, gehen bei vielen industriellen Prozessen noch immer 20 bis 50 % der eingesetzten Brennstoffenergie über das Abgas verloren.
Mit vormontierten SKID-Systemen von NET und Bomat sollen sich solche Energieverluste reduzieren lassen. Die Anlagen decken einen Leistungsbereich von 250 kW bis 4 MW ab.
„Wer Energieflüsse optimieren will, muss zuerst das Zusammenspiel des Gesamtsystems verstehen“, erklärte Roßmann.
Niedrigere Vorlauftemperaturen im Gebäudebestand
Wie stark die Wärmeverteilung die Effizienz beeinflusst, verdeutlichte Ismet Bajramovic, Key Account Manager bei ECA Germany, anhand einer sanierten Bürogemeinschaft in Saarbrücken.
Dort ermöglichten 23 wasserführende Niedrigtemperaturheizkörper vom Typ X-Air eine Absenkung der erforderlichen Vorlauftemperatur von 55 auf 35 °C. Nach den präsentierten Projektdaten konnte die fossilfrei betriebene Anlage im ersten Betriebsjahr nahezu 80 % des Wärmebedarfs durch eigene Energieerzeugung decken.
Das Beispiel zeigt, welche Bedeutung die Abstimmung von Heizflächen und Wärmeerzeugung insbesondere bei der Umstellung bestehender Gebäude auf erneuerbare Energien haben kann.
Eine weitere Möglichkeit zur Einbindung erneuerbarer Energie stellte Frank Draber, Vertriebsleiter Commercial West bei ATEC, vor. Photovoltaisch-thermische Kollektoren (PVT) kombinieren die Stromerzeugung mit der Nutzung thermischer Energie.
Nach Herstellerangaben erreicht der PVT-Autark-Kollektor einen zertifizierten Gesamtwirkungsgrad von 89 % bei Vorlauftemperaturen zwischen 70 und 80 °C. Der PVT-Sole-Kollektor kann wiederum als Wärmequelle für Wärmepumpen eingesetzt werden und soll einen Betrieb ohne Erdsonden ermöglichen.
Regulatorische Anforderungen und Raumluftqualität
Neben technischen Lösungen beschäftigte sich das Symposium mit gesetzlichen Rahmenbedingungen. Judith Krauter, Vorstand Technik des Landesinnungsverbands des Schornsteinfegerhandwerks Baden-Württemberg, erläuterte Entwicklungen bei Emissionsanforderungen für Feuerungsanlagen. Im Mittelpunkt standen dabei die diskutierte Anpassung der deutschen 1. Bundes-Immissionsschutzverordnung an strengere Feinstaubvorgaben sowie mögliche Änderungen im Gebäuderecht.
Auch die Lüftungstechnik steht vor neuen Anforderungen. Uwe Schumann, Leiter Verbandsarbeit und Wissensmanagement bei Pluggit, thematisierte das Spannungsfeld zwischen der Umsetzung der europäischen Gebäuderichtlinie EPBD und vereinfachten Bauanforderungen im Rahmen des Gebäudetyps E.
Als Beispiel führte er eine Neubau-Wohnanlage in Ingolstadt an, in der motorisch gesteuerte Fenster den Luftaustausch übernehmen. Sensoren erfassen dafür Temperatur, Luftfeuchtigkeit und CO₂-Gehalt in den einzelnen Räumen. Schumann hinterfragte, ob eine solche Lösung eine mechanische Lüftungsanlage angemessen ersetzen könne.
Zudem verwies er auf eine Initiative der Weltgesundheitsorganisation, die das Thema gesunde Innenraumluft bis zur Weltgesundheitsversammlung 2028 stärker auf die internationale Agenda bringen soll.
Systemintegration als zentrale Herausforderung
Die beim Fachsymposium vorgestellten Ansätze verdeutlichen, dass die Wärmewende nicht allein von der Verfügbarkeit effizienter Einzeltechnologien abhängt. Wärmepumpen, Abwärmerückgewinnung, Niedrigtemperaturheizflächen und PVT-Systeme können ihre Vorteile insbesondere dann ausspielen, wenn sie aufeinander abgestimmt werden.
Für Planung und Ausführung gewinnt damit die Betrachtung des gesamten Energiesystems an Bedeutung. Gleichzeitig zeigen die Diskussionen über Emissionsvorgaben und Raumluftqualität, dass technische Effizienz, regulatorische Anforderungen und die Nutzungsqualität von Gebäuden gemeinsam berücksichtigt werden müssen.
