Bei den Heizkosten gibt es in Österreich große regionale Unterschiede | © Techem
Der neue Techem Atlas für Energie, Wärme & Wasser 2026 liefert aktuelle Daten zu Heizkosten, Energieträgern und zur Digitalisierung der Verbrauchserfassung in Österreich. Grundlage sind anonymisierte Verbrauchs- und Abrechnungsdaten aus dem Jahr 2025 von rund 198.000 Wohnungen in etwa 11.000 Mehrfamilienhäusern, die von Techem betreut werden.
Die Ergebnisse zeigen deutliche regionale Unterschiede bei den Heizkosten. Gleichzeitig macht die Analyse deutlich, dass die Dekarbonisierung der Wärmeversorgung trotz des hohen Fernwärmeanteils eine zentrale Herausforderung bleibt.
Heizkosten unterscheiden sich regional deutlich
Im Jahr 2025 lagen die durchschnittlichen Heizkosten in den untersuchten österreichischen Wohnungen bei 8,33 Euro brutto pro Quadratmeter Wohnfläche. Berücksichtigt wurden dabei die Energieträger Erdgas, Fernwärme und Heizöl.
Am höchsten waren die Kosten in Salzburg mit durchschnittlich 11,14 Euro pro Quadratmeter. Dahinter folgten Kärnten mit 9,91 Euro und die Steiermark mit 9,55 Euro. Am günstigsten wurde in Vorarlberg mit 6,82 Euro pro Quadratmeter geheizt.
Auch zwischen den übrigen Bundesländern bestehen Unterschiede:
| Bundesland | Heizkosten 2025 in €/m² |
| Salzburg | 11,14 |
| Kärnten | 9,91 |
| Steiermark | 9,55 |
| Burgenland | 8,60 |
| Niederösterreich | 8,28 |
| Tirol | 7,89 |
| Oberösterreich | 7,55 |
| Wien | 7,54 |
| Vorarlberg | 6,82 |
Zwischen Salzburg und Vorarlberg ergibt sich damit eine Differenz von 4,32 Euro pro Quadratmeter. Für eine Wohnung mit 80 Quadratmetern entspricht das rechnerisch einem jährlichen Unterschied von rund 346 Euro.
Im europäischen Vergleich liegt Österreich laut Techem bei den durchschnittlichen Raumheizkosten pro Wohneinheit im Mittelfeld. Höhere Kosten verzeichnet die Untersuchung insbesondere in Deutschland, der Schweiz und Italien.
Fernwärme ist der wichtigste Energieträger
Mit einem Anteil von 51,4 Prozent ist Fernwärme der am häufigsten eingesetzte Energieträger in den untersuchten österreichischen Mehrfamilienhäusern. Erdgas folgt mit 30,3 Prozent, Heizöl mit 9,2 Prozent. Strom erreicht einen Anteil von 5,1 Prozent, Holz kommt auf vier Prozent.
Auch im europäischen Vergleich nimmt Fernwärme eine führende Position ein. In den rund 1,1 Millionen ausgewerteten Wohnungen beträgt ihr Anteil 52 Prozent, gefolgt von Erdgas mit 32 Prozent.
Der hohe Fernwärmeanteil bedeutet allerdings nicht automatisch eine vollständig klimafreundliche Wärmeversorgung. Entscheidend ist auch, welche Energieträger für die Fernwärmeerzeugung eingesetzt werden. Laut Techem weist die Fernwärme in Österreich vergleichsweise niedrige Emissionsfaktoren auf.
Insgesamt stammen dennoch 64 Prozent der Wärmeversorgung in den analysierten österreichischen Mehrfamilienhäusern aus fossilen Energieträgern. Damit liegt Österreich deutlich unter Deutschland, wo der entsprechende Anteil rund 89 Prozent beträgt.
Wärmepumpenpotenzial im Gebäudebestand
Ein wesentlicher Ansatz zur Verringerung fossiler Wärmeversorgung ist der verstärkte Einsatz von Wärmepumpen. Die Techem-Auswertung zeigt, dass 22 Prozent der untersuchten Heizungsanlagen bereits heute für einen Niedertemperaturbetrieb geeignet sind und damit grundsätzlich für den Einsatz von Wärmepumpen infrage kommen.
Durch einen Austausch der Heizkörper könnte dieser Anteil auf 76 Prozent steigen. Die Zahlen verdeutlichen, dass nicht in jedem Bestandsgebäude ein umfassender Umbau des gesamten Heizsystems erforderlich sein muss, um die Voraussetzungen für eine Wärmepumpe zu verbessern.
„Mit gezielten Investitionen kann die Nutzung fossiler Energieträger deutlich reduziert werden. Wärmepumpen sind dabei ein möglicher Lösungsansatz“, erklärt Karl Moll, Geschäftsführer von Techem Österreich.
Ob eine Umstellung im konkreten Gebäude technisch und wirtschaftlich sinnvoll ist, hängt allerdings von weiteren Faktoren wie dem Wärmebedarf, den erforderlichen Vorlauftemperaturen und dem Zustand der Gebäudehülle ab.
Österreich bei Fernablesung unter EU-Vergleichswert
Neben der Wärmeversorgung untersucht der Techem Atlas auch den Digitalisierungsgrad der Verbrauchserfassung.
Im Jahr 2025 waren in Österreich 85,3 Prozent der erfassten Messgeräte fernablesbar. Im europäischen Durchschnitt lag dieser Anteil bereits bei 92,8 Prozent. Österreich weist damit bei der Umstellung auf funkbasierte Erfassungssysteme noch Aufholbedarf auf.
Die Fernablesung ermöglicht es, Verbrauchsdaten ohne Betreten der Wohnung zu erfassen. In Verbindung mit digitalen Informationssystemen können Bewohner ihren Energieverbrauch regelmäßiger nachvollziehen und Veränderungen früher erkennen.
„Die Kombination aus funkbasierter Erfassung und digitaler Verbrauchsinformation schafft die Grundlage dafür, den eigenen Energieverbrauch besser nachzuvollziehen und Einsparpotenziale zu erkennen“, sagt Moll.
Techem verweist in diesem Zusammenhang auf Untersuchungen der Technischen Universität Dresden, wonach eine verbrauchsabhängige Heizkostenabrechnung im Mittel Energieeinsparungen von rund 20 Prozent ermöglichen kann. Dabei handelt es sich um ein in Studien ermitteltes Potenzial, nicht um eine unmittelbar aus den österreichischen Atlas-Daten abgeleitete Einsparung.
Datenbasis zeigt Handlungsbedarf
Der Techem Atlas 2026 verdeutlicht zwei zentrale Entwicklungen: Während Fernwärme in den untersuchten Mehrfamilienhäusern bereits die wichtigste Versorgungsform ist, bleibt der fossile Anteil an der Wärmeerzeugung erheblich. Gleichzeitig könnten technische Anpassungen bestehender Heizsysteme den Einsatz von Wärmepumpen in deutlich mehr Gebäuden ermöglichen.
Auch die Digitalisierung der Verbrauchserfassung bietet weiteres Entwicklungspotenzial. Für Hausverwaltungen, Eigentümer und Gebäudetechnikbetriebe liefern die Ergebnisse damit Anhaltspunkte für Investitionen in effizientere Heizsysteme und eine transparentere Verbrauchserfassung.
Die Untersuchung bildet allerdings nicht den gesamten österreichischen Wohngebäudebestand ab, sondern ausschließlich ausgewählte, nach einheitlichen Kriterien ausgewertete Liegenschaften aus dem Techem-Bestand.
Der vollständige Bericht und eine interaktive Darstellung der Bundesländerdaten sind auf der Website von Techem verfügbar.
