Silber und rot-weiß-roter Jubel: Marcel Riener wurde bei den WorldSkills 2026 in Shanghai Vizeweltmeister in der Sanitär- und Heizungstechnik. | © WORLD SKILLS
Vier Tage lang zählen jeder Handgriff, jedes Detail und jede Minute. Am Ende steht der 21-jährige Sanitär- und Heizungstechniker Marcel Riener aus dem Waldviertel in Shanghai auf der großen Bühne – als Vizeweltmeister. Mit Silber bei den WorldSkills 2026 zeigt er, wie weit man es mit einer Lehre bringen kann.
Rund 1.400 junge Fachkräfte aus aller Welt, 64 Berufe und eine Bühne für die Besten ihres Fachs: Vom 22. bis 27. September war Shanghai Schauplatz der 48. WorldSkills Competition. Österreich trat mit 48 Teilnehmerinnen und Teilnehmern in 42 Berufen an. Einer von ihnen: Marcel Riener aus Reingers in Niederösterreich.
Der 21-Jährige ist beim Raiffeisen-Lagerhaus Gmünd-Vitis beschäftigt und trat in der Disziplin Sanitär- und Heizungstechnik („Plumbing and Heating“) gegen internationale Konkurrenz an. Nach vier intensiven Wettbewerbstagen stand fest: Riener holte Silber und zählt damit zu den besten jungen Sanitär- und Heizungstechnikern der Welt.
„Mit dem zweiten Platz hätte ich nie gerechnet“
Als bei der Siegerehrung sein Name fiel, konnte Riener zunächst selbst kaum glauben, was passiert war. „Es ist unglaublich“, sagte er nach der Entscheidung. „Mit dem zweiten Platz hätte ich nie im Leben gerechnet.“
Mit einer Medaille hatte er zwar geliebäugelt, allerdings höchstens mit Bronze. Riener hatte sich mit seinem Staatsmeistertitel bei den AustrianSkills 2025 für die WorldSkills qualifiziert. Die internationale Bühne war dennoch eine neue Herausforderung: In Shanghai musste er sich mit den Besten der Welt messen. Dass seine Eltern und seine Schwester vor Ort waren und den Erfolg miterleben konnten, machte den Moment für ihn noch besonderer.
Vier Tage unter Hochdruck
Bei den WorldSkills müssen junge Fachkräfte ihr Können unter Wettbewerbsbedingungen unter Beweis stellen. In der Sanitär- und Heizungstechnik sind technisches Verständnis, handwerkliche Präzision und ein sicherer Umgang mit unterschiedlichen Materialien und Verbindungstechniken gefragt.
Die Teilnehmer müssen Rohrleitungssysteme fachgerecht installieren, Verbindungen herstellen, Sanitärobjekte und Armaturen montieren sowie ihre Arbeiten überprüfen. Entscheidend ist nicht nur, dass eine Installation funktioniert. Auch Genauigkeit, Qualität und die Einhaltung der vorgegebenen Zeit spielen eine wichtige Rolle.
Langlebige Installationen, die Vermeidung von Wasserverlusten und ein effizienter Materialeinsatz gehören ebenfalls zu den Anforderungen moderner Sanitär- und Heizungstechnik. Hier verbinden sich klassisches Handwerk, technisches Know-how und Ressourceneffizienz.
„Für mich war die größte Herausforderung, auch unter enormem Zeit- und Erfolgsdruck ruhig zu bleiben und trotzdem sauber und präzise zu arbeiten. Bei den WorldSkills darf man sich auch von kleinen Fehlern nicht aus der Ruhe bringen lassen. Man muss lernen, konzentriert zu bleiben, weiterzuarbeiten und im entscheidenden Moment das abzurufen, was man im Training gelernt hat“, erklärt Riener.
Erschwerend kam hinzu, dass er zu Beginn des Wettbewerbs gesundheitlich angeschlagen war. Dennoch gelang es ihm, sich einen Platz auf dem Podest zu sichern.
Der Erfolg beginnt beim Training
Der Grundstein für eine Silbermedaille bei einer Berufsweltmeisterschaft wird lange vor dem Wettbewerb gelegt. Hinter Rieners Erfolg stehen Monate intensiver Vorbereitung und unzählige Trainingsstunden.
Begleitet wurde er von Herbert Gabauer von der Berufsschule Linz 8. Der WorldSkills-Trainer kennt den Druck eines internationalen Berufswettbewerbs aus eigener Erfahrung: 2013 wurde Gabauer selbst Weltmeister in der Sanitär- und Heizungstechnik.
Gemeinsam feilten Riener und Gabauer an Technik und Ausführung. Zur Vorbereitung gehörten auch internationale Trainingslager in der Schweiz und in Budapest.
„Besonders schätze ich an ihm, dass er sich mit Verbesserungsvorschlägen auseinandersetzt und bereit ist, an Details zu arbeiten. Trotzdem bleibt ein Wettbewerb eine besondere Situation: Am Ende muss der Teilnehmer selbst seine Leistung abrufen. Marcel hat das geschafft und sich mit der Silbermedaille für seine Arbeit belohnt“, sagt Gabauer.
Was einen hervorragenden Fachmann ausmacht
Was unterscheidet einen guten jungen Installateur von einem wirklich herausragenden? Für Herbert Gabauer ist die Antwort eindeutig: „Den Unterschied macht auf Dauer die Einstellung.“
Dabei geht es nicht allein darum, eine technische Aufgabe zu lösen. Entscheidend sei auch, welchen Anspruch man an die eigene Arbeit stelle.
„Bin ich mit einer Lösung zufrieden, sobald sie funktioniert? Oder prüfe ich auch, ob sie präzise ausgeführt, langlebig und gut zu warten ist?“
Österreichs Nachwuchs auf internationalem Spitzenniveau
Rieners Silbermedaille war Teil eines starken österreichischen Ergebnisses. Team Austria gewann bei den WorldSkills 2026 vier Silber- und sechs Bronzemedaillen sowie 20 „Medals for Excellence“.
Insgesamt wurden 32 der 48 österreichischen Teilnehmerinnen und Teilnehmer ausgezeichnet – genau zwei Drittel des Teams. In der von SkillsAustria veröffentlichten Nationenwertung belegte Österreich Rang sieben und war hinter der Schweiz und Frankreich das dritterfolgreichste europäische Land.
Von der Lehre auf die WM-Bühne
Für die Installateurbranche ist Rieners Erfolg mehr als eine weitere Medaille in der österreichischen WorldSkills-Bilanz. Er zeigt jungen Menschen, welches Niveau sie in einem Lehrberuf erreichen können.
Am Anfang einer solchen Geschichte steht keine internationale Bühne, sondern eine Ausbildung: die ersten Handgriffe im Betrieb, Fehler, aus denen man lernt, Ausbilder und Trainer, die Potenzial erkennen – und der Wille, immer besser zu werden.
Dass Österreich in der Sanitär- und Heizungstechnik international mithalten kann, hat Tradition: Bereits bei der WorldSkills Special Edition 2022 im deutschen Lahr gewann der Tiroler Florian Bliem Gold in dieser Disziplin. Vier Jahre später steht mit Marcel Riener erneut ein junger österreichischer Fachmann auf dem Podest.
Für Herbert Gabauer ist eine solche Medaille eine großartige Auszeichnung. Zugleich erinnert er daran, welche Bedeutung der Beruf weit über internationale Wettbewerbe hinaus hat.
„Als Installateur trägt man Verantwortung dafür, dass Menschen funktionierende Heizungen, sauberes Wasser und verlässliche Haustechnik haben.“
Seine Botschaft an junge Fachkräfte ist deshalb ebenso einfach wie deutlich: „Seid stolz auf euren Beruf!“
