„Spar dir die KI – frag besser deinen Installateur!“

04.11.2026 | Branchenmeldungen, Slider

Das aktuelle LIM-Interview führte uns in das schöne Land Tirol – LIM Veronika Opbacher stand uns Rede und Antwort zu aktuellen Branchenthemen.

Der „Gelbe“ sprach mit Tirols LIM Veronika Opbacher über die neue Ausbildungsordnung, Planungssicherheit, notwendige Förderprogramme u.v.m. :

Was gibt es Neues in Ihrem Bundesland?

OPBACHER: Das aktuell wichtigste Thema für unsere Branche ist die Einführung des neuen Lehrberufs Installations- und Energietechnik, der mit dem Lehrberufspaket 01/26 kundgemacht wurde. In Tirol haben wir uns im Vorfeld klar dafür ausgesprochen, den bisherigen Lehrberuf beizubehalten und ihn gezielt um neue Inhalte zu erweitern. Gleichzeitig ist uns bewusst, dass sich die Installations- und Gebäudetechnik laufend weiterentwickelt und Themen wie erneuerbare Energien, Digitalisierung und moderne Gebäudetechnik selbstverständlich Eingang in die Ausbildung finden müssen.
Jetzt gilt es, die neue Ausbildungsordnung bestmöglich in der Praxis umzusetzen. Deshalb werden wir gemeinsam mit dem Direktor der Berufsschule und der Lehrlingsstelle der Wirtschaftskammer Tirol Informationsveranstaltungen für unsere Mitgliedsbetriebe anbieten. Unser Ziel ist es, den Betrieben Sicherheit zu geben und sie bei der Einführung der neuen Lehre bestmöglich zu unterstützen.

Wie beurteilen Sie generell Chancen und Risiken des Jahres 2026?

OPBACHER: 2026 bietet – bzw. bot – durchaus Chancen; das Vertrauen in die Wirtschaft muss wieder wachsen. Unsere Branche verfügt über enormes Know-how und ist für die Umsetzung der Energie- und Klimaziele unverzichtbar. Das größte Risiko bleibt jedoch die Unsicherheit. Betriebe brauchen verlässliche politische Rahmenbedingungen, damit sie investieren, MitarbeiterInnen beschäftigen und Lehrlinge ausbilden können. Gleichzeitig wünsche ich mir, dass Unternehmerinnen und Unternehmer in der öffentlichen Wahrnehmung wieder mehr Wertschätzung erfahren. Hinter jedem Betrieb stehen Menschen, die Verantwortung übernehmen – für ihre Mitarbeiter, ihre Kunden und den Wirtschaftsstandort. Dafür braucht es mehr Anerkennung und ein positives Bild des Unternehmertums.

Wirtschaftskrise und Baukonjunktur – ist die Talsohle langsam durchschritten? Wie wird sich das in Ihrem Bundesland entwickeln?

OPBACHER: Die Stimmung in unserer Branche hat sich etwas verbessert – von einer echten Erholung sind wir aber noch entfernt. Viele private und gewerbliche Bauherren verschieben Investitionen weiterhin oder entscheiden sehr zurückhaltend. Besonders deutlich spüren wir den nahezu vollständigen Rückgang der privaten Bauträger. Dieser Bereich ist derzeit nahezu zum Erliegen gekommen. Gleichzeitig entwickeln sich auch Sanierungen deutlich verhaltener als erwartet. Ein wesentlicher Grund dafür ist die Unsicherheit rund um verschiedene Förderprogramme.
Gerade im Bereich der Sanierung, der Modernisierung bestehender Gebäude und beim Umstieg auf energieeffiziente Heiz- und Gebäudetechnik liegt jedoch enormes Potenzial. Damit dieses Potenzial genutzt werden kann, braucht es wieder verlässliche und langfristige Rahmenbedingungen. Entscheidend ist, dass die Politik Planungssicherheit schafft – bei Förderungen ebenso wie bei gesetzlichen Vorgaben.

Worauf darf sich die Branche freuen?

OPBACHER: Unsere Branche darf sich auf viele spannende Entwicklungen freuen. Die Gebäudetechnik wird immer intelligenter, nachhaltiger und energieeffizienter. Gleichzeitig ist das Thema Künstliche Intelligenz derzeit in aller Munde. KI kann uns in vielen Bereichen unterstützen und Prozesse erleichtern – sie kann aber niemals die Erfahrung, das handwerkliche Können und die Verantwortung eines qualifizierten Installateurs ersetzen. Genau deshalb haben wir auch unsere aktuelle Imagekampagne unter das Motto „Spar dir die KI. Frag besser deinen Installateur.“ gestellt. Ein Gebäude ist immer individuell. Kein Algorithmus kennt die Gegebenheiten vor Ort, die technischen Zusammenhänge oder die Anforderungen der Kundinnen und Kunden so wie unsere Fachbetriebe. Gute Beratung, fachgerechte Planung und eine professionelle Ausführung bleiben auch in Zukunft die Grundlage für sichere und nachhaltige Lösungen.

Wie gestaltet sich Ihr Blick über den Tellerrand – auf andere Gewerke und in andere Bundesländer? Was kann dabei für die Gebäudetechnik in Ihrem Land wichtig sein?

OPBACHER: Die Gebäudetechnik wird immer komplexer und genau deshalb wird die Zusammenarbeit mit anderen Gewerken immer wichtiger. Moderne Gebäude funktionieren nur dann optimal, wenn Installateure, Elektriker, Planer, Ingenieurbüros und viele weitere Partner von Beginn an eng zusammenarbeiten.
Auch auf Landesebene pflegen wir einen sehr engen Austausch mit den anderen Baunebengewerben. Viele Themen überschneiden sich mittlerweile – von der Energiewende über die Digitalisierung bis hin zu neuen gesetzlichen Anforderungen. Deshalb organisieren wir regelmäßig gemeinsame Veranstaltungen, Informationsformate und den fachlichen Austausch.
Der Austausch über die Bundesländer hinweg ist ebenso wertvoll. Viele Herausforderungen – vom Fachkräftemangel über neue gesetzliche Vorgaben bis hin zur Umsetzung der Energiewende – beschäftigen uns österreichweit. Wenn wir voneinander lernen und gemeinsam an Lösungen arbeiten, profitieren letztlich alle Betriebe.

Kommen/gibt es neue Förderungen für das Bundesland? Was wackelt, was bleibt, was kommt wieder?

OPBACHER: In Tirol gibt es weiterhin Förderungen, insbesondere im Bereich der Wohnbauförderung und der Sanierung. Entscheidend ist für unsere Betriebe jedoch nicht die Anzahl der Förderungen, sondern deren Verlässlichkeit.

Welche Fachmessen sind stets fix eingeplant – gibt es da Ideen/Wünsche was man ändern könnte?

OPBACHER: Die ISH in Frankfurt sowie die Energiesparmesse Wels sind für unsere Branche fixe Termine. Beide Messen bieten eine ausgezeichnete Plattform, um sich über Innovationen, neue Technologien und aktuelle Entwicklungen in der Sanitär-, Heizungs- und Gebäudetechnik zu informieren und sich mit Herstellern sowie Branchenkollegen auszutauschen. Ich wünsche mir, dass der Praxisbezug weiterhin im Mittelpunkt steht und Themen wie Fachkräftesicherung, Digitalisierung sowie die Zusammenarbeit der Gewerke noch stärker aufgegriffen werden. Denn genau dort liegen die größten Herausforderungen und Chancen unserer Branche.

Gibt es Licht am Horizont in Bezug auf Lehrlingszahlen und Qualität der Auszubildenden?

OPBACHER: Ja, durchaus; durch gezielte Nachwuchs- und Imagekampagnen gelingt es uns, junge Menschen für unseren Beruf zu begeistern. Auch im kommenden Jahr werden wir unsere Kampagne „Spar dir die KI. Frag besser deinen Installateur.“ fortsetzen. Gerade für Jugendliche ist die Botschaft wichtig: Moderne Technologien und Künstliche Intelligenz werden unseren Beruf unterstützen, aber einen qualifizierten Installateur niemals ersetzen. Das macht unseren Lehrberuf krisensicher, abwechslungsreich und zukunftsorientiert.
Natürlich stehen auch wir vor einer demografischen Herausforderung. Die Jahrgänge, die eine Lehre beginnen, werden von Jahr zu Jahr kleiner. Umso erfreulicher ist es, dass wir bislang keinen so starken Rückgang bei den Lehrlingszahlen verzeichnen wie andere Branchen, etwa der Handel.

Welche Anreize könnte man noch setzen, um Zahlen und Motivation zu erhöhen?

OPBACHER: Wir müssen jungen Menschen noch stärker zeigen, wie modern und zukunftssicher unser Beruf ist. Die Installations- und Gebäudetechnik verbindet Handwerk mit Digitalisierung, erneuerbaren Energien und modernster Technik. Genau das müssen wir sichtbar machen – durch Imagekampagnen, Berufsorientierung an Schulen, Schnuppertage und Lehrlingsmessen.
Gleichzeitig braucht es mehr Wertschätzung für die Lehre und das Handwerk insgesamt. Eine Lehre ist heute kein Plan B, sondern bietet hervorragende Karrierechancen – bis hin zur Meisterprüfung oder zum eigenen Unternehmen. Entscheidend ist, junge Menschen früh für die Vielseitigkeit und die Zukunftsperspektiven unseres Berufs zu begeistern.

Wie handhaben Sie die Lehrlings-Suche und -Ausbildung in Ihrem Unternehmen?

OPBACHER: Die Lehrlingsausbildung hat in unserem Unternehmen einen sehr hohen Stellenwert. Wir investieren bewusst in unsere Fachkräfte von morgen und haben deshalb einen Personalentwickler, der sich schwerpunktmäßig um unsere Lehrlinge kümmert. Er begleitet sie während der gesamten Ausbildungszeit und ist Ansprechpartner für fachliche und persönliche Anliegen.
Darüber hinaus bieten wir unseren Lehrlingen zahlreiche Zusatzangebote – von internen Schulungen und gemeinsamen Aktivitäten bis hin zur gezielten Vorbereitung auf Wettbewerbe und Prüfungen. Uns ist wichtig, dass sich die jungen Menschen fachlich und persönlich weiterentwickeln und gerne Teil unseres Unternehmens sind. Denn eine gute Ausbildung ist die beste Investition in die Zukunft unseres Betriebs und unserer Branche.

Thema Skills und Lehrlingswettbewerbe – sind Sie zufrieden mit den Leistungen?

OPBACHER: Heuer haben wir bei den Wettbewerben bewusst ausgesetzt, um einige Dinge neu auszurichten. Im kommenden Jahr werden wir aber wieder mit voller Motivation durchstarten. Wir haben uns einiges vorgenommen – was genau, bleibt im Moment aber noch mein kleines Geheimnis. Ich bin überzeugt, dass wir mit frischen Ideen und viel Engagement wieder starke Leistungen unserer Tiroler Lehrlinge sehen werden.

Apropos Lehrlinge: Sie führen auch die „Steuerungsgruppe zur Nachwuchssicherung“ für die Bundesinnung an – was gibt es diesbezüglich an Neuigkeiten? Ihre wichtigsten Anliegen dabei?

OPBACHER: Ich durfte bei der Bundesinnungssitzung im Mai 2026 den Vorsitz der Steuerungsgruppe Nachwuchssicherung übernehmen. Über den Sommer haben wir ein Konzept ausgearbeitet, damit wir im Bereich Marketing für unseren Nachwuchs wieder durchstarten können. Wir freuen uns dabei, dass unsere neue Nachwuchskampagne noch in diesem Jahr online geht. Ziel ist es junge, motivierte Fachkräfte von morgen, zeitgerecht anzusprechen.

Vielen Dank für das Gespräch und alles Gute weiterhin!

Anzeigen

Anzeigen

Newsletter

Aktuelle Events

Melden Sie sich hier an, um laufend die aktuellsten News zu erhalten.